Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ein Herz für Industriegut
Lokales 3 Min. 01.10.2018

Ein Herz für Industriegut

Ob die Gebläsehalle erhalten bleiben soll, steht für die Arbeitsgruppe Eise Stol nicht zu Frage. Diese wäre eher: Wie soll sie neu genutzt werden?

Ein Herz für Industriegut

Ob die Gebläsehalle erhalten bleiben soll, steht für die Arbeitsgruppe Eise Stol nicht zu Frage. Diese wäre eher: Wie soll sie neu genutzt werden?
Foto: Guy Jallay
Lokales 3 Min. 01.10.2018

Ein Herz für Industriegut

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Am Freitag organisiert die Arbeitsgruppe Eise Stol in Belval ein Seminar über Bedeutung und Neunutzung von ehemaligen Industriegebäuden.

2022 kommt Großes auf die Südregion zu. Dann sollen Esch/Alzette und die Minette nicht nur den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen, sondern auch dem Unesco-Programm „Man and Biosphere“ beigetreten sein.

Dass bis dahin noch eine Menge Arbeit bevorsteht, versteckt Robert Garcia, Generalkoordinator des Kulturjahres 2007, nicht. Er selber ist sowohl bei Esch 2022 als auch in der Unesco-Kandidatur engagiert.

Eise Stol


Hochofen B steht seit 1997 still: 20 Jahre Belval
Im August 1997 produzierte der Hochofen B in Belval sein letztes 
Roheisen. Seitdem steht der Stahlriese still. Doch um ihn herum ist es wieder laut geworden. Sehen Sie 20 Jahre Entwicklung in Bildern.

Eine neue Dynamik sei durch beide Großprojekte zu spüren. Auch was das Industriekulturgut betrifft. So wurde, im Rahmen der Kandidatur zum Unesco-Programm, eine Arbeitsgruppe gegründet, mit Namen Eise Stol, die sich als Aufgabe gesetzt hat, ein Inventar zu erstellen. Darin vorkommen sollen nicht nur größere Gebäulichkeiten, wie die Gebläsehalle in Belval, sondern auch kleinere Zeitzeugen wie zum Beispiel ehemalige Mineneingänge, erklärt Robert Garcia.

„Wird alles abgerissen, ein Weg, der in Luxemburg zu oft genommen wird, dann sind wir auch nicht mehr so relevant für das Unesco-Label“, warnt er.

Gebläsehalle als Flagschiff

Die Arbeitsgruppe Eise Stol, deren Mitglieder ehrenamtlich arbeiten, hat nun eine Tagung organisiert, die am Freitag in der Hall des Poches unterhalb des Hochofens A in Belval stattfinden wird. „Unser Flagschiff ist die Gebläsehalle“, so Robert Garcia noch, es soll aber auch um die anderen Brachen im Süden gehen.

„Es geht nicht um den Erhalt, lediglich des Erhalts wegen“, fügt Historikerin Antoinette Lorang von der Fondation Bassin Minier hinzu. Ziel sei es, neue Nutzungen für die Industriegebäude zu finden: „Ohne die Hochöfen, die Gebläsehalle und die Möllerei ist Belval vielleicht ein nettes Viertel, aber ohne Charakter“, sagt sie.

Und die Hochöfen ohne die Gebläsehalle und die Gasleitungen wären nur mehr „hohle Zähne“. Denn ohne diese Strukturen sei nicht mehr ersichtlich, wie die Hochöfen einst funktionieren konnten.

Vorbilder im Ausland


23.11. Kultur / Esch/ Kulturhaupstadt / Belval / Hochofen / Esch-Belval Foto:Guy Jallay
Ideen für die Gebläsehalle in Belval
Die Petition für den Erhalt der Gebläse in Belval hatte nicht den gewünschten Erfolg. Doch es braucht mehr, um den Escher Schöffen André Zwally zu entmutigen. Inspiration hat er in Essen (D) gefunden.

Auch erinnerte sie daran, dass die Düdelinger Stahlwerkshalle und die Gebläsehalle in Belval bereits im Kulturjahr 2007 benutzt wurden. Allerdings ist danach nichts Bedeutendes mehr mit den Gebäuden geschehen. Im Ausland sei man hier weiter, sagt Antoinette Lorang und verweist unter anderem auf das Ruhrgebiet. „Warum etwas abreißen, was im Ausland mit relativ bescheidenen Mittel erhalten wird? Aber wir glauben immer noch, überall Marmor einbauen zu müssen“, so Garcia.

Neben der Gruppe Eise Stol ist eine weitere Arbeitsgruppe dabei, das Kandidaturschreiben zum Unesco-Programm Man and Biosphäre auszuarbeiten. Erhofft wird sich, sie im September 2019 einreichen zu können. Damit könnten die elf ProSud-Gemeinden zu einem Unesco-Biospährenreservat werden. Dessen Kernzonen würden die Naturreservate in den früheren Tagebaugebieten bilden.

Ein RedRock Trail

Eine dritte Arbeitsgruppe arbeitet am Projekt RedRock Trail, in Anlehnung an den Müllerthal Trail. Dieser soll „von Küntzig nach Düdelingen“ führen, so Garcia. Unterwegs sollen Unterkünfte geschaffen werden, zum Teil in ehemaligen Industriegebäuden. Manche sollen nur als Pop-up für das Kulturjahr bestehen, andere sollen aber dauerhaften Charakter haben. Mit involviert ist hier das regionale Tourismusamt.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Neues Juwel am Unicampus
Wenn ein Gebäude in Belval den Hochöfen die Show stehlen kann, dann die neue Universitätsbibliothek. Doch sehen sie selbst in unser Bildergalerie.
Die Stahlstruktur der ehemaligen Möllerei wurde in die neue Bibliothek integriert.
Ideen für die Gebläsehalle in Belval
Die Petition für den Erhalt der Gebläse in Belval hatte nicht den gewünschten Erfolg. Doch es braucht mehr, um den Escher Schöffen André Zwally zu entmutigen. Inspiration hat er in Essen (D) gefunden.
23.11. Kultur / Esch/ Kulturhaupstadt / Belval / Hochofen / Esch-Belval Foto:Guy Jallay
Die Lobby der Escher Industriegebäude
Zerfallen die Gebäude, zerfällt das kollektive Gedächtnis. Dies befürchten Heng Clemens, Misch Feinen und Gino Pasqualoni, die sich für den Erhalt der Industriegebäude auf den Brachen Terres Rouges und Schifflingen einsetzen. Und erste Ideen für Neunutzungen haben.
ntente Mine Cockerill setzt sich für Industriekultur ein - Photo : Pierre Matgé
Belval: In die Hochöfen verliebt
20 Jahre ist es her, dass der letzte Hochofen Luxemburgs außer Betrieb gesetzt wurde. „Es ist wie ein guter Freund, den man umbringt“, empfindet der frühere Hochofenobermeister Guy Bock.
Gespräch mit Guy Bock (zur Fête des Hts Fourneaux), Foto Lex Kleren
Hochofen B steht seit 1997 still: 20 Jahre Belval
Im August 1997 produzierte der Hochofen B in Belval sein letztes 
Roheisen. Seitdem steht der Stahlriese still. Doch um ihn herum ist es wieder laut geworden. Sehen Sie 20 Jahre Entwicklung in Bildern.