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„Ein Gespräch ohne Tabus“
Lokales 2 Min. 15.03.2012

„Ein Gespräch ohne Tabus“

„Ein guter Meinungsaustausch“: Erzbischof Hollerich und seine Mitarbeiter wollen den Dialog mit den Vertretern der AHA fortsetzen.

„Ein Gespräch ohne Tabus“

„Ein guter Meinungsaustausch“: Erzbischof Hollerich und seine Mitarbeiter wollen den Dialog mit den Vertretern der AHA fortsetzen.
Foto: Anouk Antony
Lokales 2 Min. 15.03.2012

„Ein Gespräch ohne Tabus“

Vergangene Woche traf Erzbischof Jean-Claude Hollerich zu Unterredungen mit dem israelitischen Konsistorium und dem „Centre culturel islamique de Luxembourg“ zusammen; am Montag begrüßte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Luxemburg eine Delegation der „Allianz vun Humanisten, Atheisten an Agnostiker“ (AHA).

(jm) - Vergangene Woche traf Erzbischof Jean-Claude Hollerich zu Unterredungen mit dem israelitischen Konsistorium und dem „Centre culturel islamique de Luxembourg“ zusammen; am Montag war es am Oberhaupt der katholischen Kirche in Luxemburg, eine Delegation der „Allianz vun Humanisten, Atheisten an Agnostiker“ (AHA) zu einem Gespräch im Gebäude der Bistumsverwaltung zu begrüßen.

Im Anschluss an die Unterredung zeigten sich die beiden Seiten erfreut, dass der Meinungsaustausch zustande gekommen ist. Es sei „ein Gespräch ohne Tabus“ gewesen, in dem jeder die Argumente des anderen angehört habe, ohne dass man aber in allen Punkten einer Meinung gewesen sei, sagte der Erzbischof nach dem Treffen, an dem für die Kirche ebenfalls der theologische Berater des Erzbischofs, Domkapitular Georges Hellinghausen, der Sekretär im Bischofsrat, Abbé Tom Kerger, sowie Marie-Christine Ries als bischöfliche Delegierte für den Bereich der Entwicklung des Laienpersonals im pastoralen Dienst teilnahmen; AHA war durch Laurent Schley, Manuel Huss, Taina Bofferding und Bob Reuter vertreten.

Staatliche Finanzierung

Angesprochen wurde am Montagabend unter anderem die staatliche Finanzierung der Religionsgemeinschaften, wobei sich AHA-Präsident Laurent Schley erfreut über eine gewisse Offenheit von Seiten des Erzbischofs zeigte. Aus Sicht der Allianz sollen alle Glaubensgemeinschaften ebenso wie die im Koalitionsabkommen vorgesehenen „Maisons de la laïcité“ ohne Steuergelder auskommen.

Dies bedeute jedoch nicht, dass die Pfarrer von heute auf morgen auf ihren Lohn verzichten müssten. „Das entspricht nicht unserem Weltbild“, so Schley. Auf die konkrete Frage, wie alternative Finanzierungsmodelle aussehen könnten, konnten gestern aber keine Lösungsvorschläge spruchreif gemacht werden.

Das derzeitige System integriert die Religionsgemeinschaften innerhalb einer großen nationalen Solidarität, zu der viele andere Bereiche und Vereinigungen gehören. Der Erzbischof zeigte sich wohl für Veränderungen in den Beziehungen zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaften offen, „fundamentale Änderungen sehe ich jedoch nicht“, so Jean-Claude Hollerich. Nicht ganz der gleichen Meinung waren beide Seiten auch, was den Stellenwert des Religionsunterrichts in den Schulen angeht.

Wertneutraler Religions- und Weltanschauungsunterricht

Sowohl Erzbischof Hollerich wie Laurent Schley stimmten darin überein, dass die Katechese, also die reine Glaubensvermittlung, nicht in den Klassensälen, sondern in den Pfarreien vermittelt werden soll. Während der AHA-Vorsitzende für einen wertneutralen Religions- und Weltanschauungsunterricht in den Schulen plädierte, äußerte der Erzbischof Zweifel daran, dass eine solche Wertneutralität der Erziehung der Kinder dienlich sei, gehe es doch auch darum, die Kinder in ihrer Identität reifen zu lassen.

Die Tatsache, dass in den Grundschulen 80 Prozent der Eltern ihre Kinder in den Religionsunterricht schickten und dass dieser Prozentsatz in den Sekundarschulen bei 66 Prozent liege, lasse zudem den Schluss zu, dass die Vermittlung von religiösen Werten einen hohen Stellenwert bei Eltern wie Kindern genieße.

Einig waren sich beide Parteien indes, dass es bedauerlich sei, dass keine verlässlichen Angaben über die tatsächliche Religionszugehörigkeit in der luxemburgischen Bevölkerung vorliegen. Die demoskopische Erhebung dieser Daten ist zwar gesetzlich verboten, sie könnte aber wertvolle Hinweise über die Repräsentativität der verschiedenen Glaubensgemeinschaften beziehungsweise weltanschaulichen Vereinigungen liefern, gab Laurent Schley zu bedenken. Den Dialog wollen sowohl der AHA-Vorsitzende wie Erzbischof Jean-Claude Hollerich fortsetzen. Ein genauer Zeitplan wurde gestern jedoch nicht vereinbart.