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Ein Fußgänger-Audit, das kommt und geht
Lokales 2 2 Min. 03.02.2021

Ein Fußgänger-Audit, das kommt und geht

Ein Fußgänger-Audit, das kommt und geht

Foto: Anouk Antony
Lokales 2 2 Min. 03.02.2021

Ein Fußgänger-Audit, das kommt und geht

Nach einem LW-Bericht über ein kritisches Gutachten zur Verkehrssicherheit in der Hauptstadt war dieses umgehend aus dem Internet gelöscht worden. Nun ist es wieder da.

(str) - Die öffentliche Ausschreibung für die Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplans für die Hauptstadt entwickelt sich zu einem Kommunikationsfiasko für die Stadtverantwortlichen.

Nachdem das „Luxemburger Wort“ am Mittwoch über ein bislang unveröffentlichtes Gutachten aus dem Jahr 2015 zur Fußgängerführung in der Hauptstadt berichtet hatte, das nun in einem Ausschreibungsdossier aufgetaucht war, wurde dieses umgehend aus dem Internet gelöscht

Neben dem Fußgänger-Audit waren auch noch die Übersicht eines Radverkehrskonzepts, ein Lageplan für elektrische Ladestationen, eine Übersicht der Parkierungsflächen und ein Dokument zum Verkehrsmodell Luxemburg entfernt worden.   

Gleichzeitig blieben aber diesbezügliche Fragen des LW an den Mobilitätsschöffen der Stadt Luxemburg, Patrick Goldschmidt, zunächst unbeantwortet.   

Goldschmidt: Nichts zu verbergen

„Es ist uns ein Fehler unterlaufen“, erklärt Patrick Goldschmidt am späten Nachmittag. „Die Dokumente sollten eigentlich nicht in dem Dossier sein. Jemand hat sie deswegen entfernt. Das war aber nicht richtig. Schließlich haben wir nichts zu verbergen. Deshalb habe ich - und die Bürgermeisterin hat mir dabei recht gegeben - veranlasst, das Dossier wieder hochzuladen.“

Tatsächlich war das Dossier gegen 17 Uhr wieder vollständig auf dem öffentlichen Ausschreibungsportal einsehbar. Goldschmidt versprach darüber hinaus, er werde sich kurzfristig den Fragen des LW stellen. 

Schwerwiegende Mängel im Jahr 2015

Das Audit aus dem Jahr 2015 hatte damals schwerwiegende Mängel offenbart. So waren nur 35 Prozent der Überquerungsstellen für Fußgänger konfliktfrei im Umgang mit dem Autoverkehr. Bei 26 bis 31 Prozent der Verkehrsampeln mussten Fußgänger je nach Tageszeit zu lange warten. Nur 6,4 Prozent der Fußgängerüberwege wurden als barrierefrei eingestuft. Nur 8,5 Prozent der Gehwege verfügten über die erforderliche Mindestbreite. 


Lokales, Zebrastreifen, Fussgängersicherheit, boulevard Royal, Porte NeuveFoto: Luxemburger Wort/Anouk Antony
Hauptstadt: „Eng déck Datz“ bei der Fußgängersicherheit
Ein bislang unveröffentlichtes Audit legt umfangreiche Schwachstellen bei der Verkehrsführung in der Hauptstadt offen – eine Analyse.

Und: Das Audit vermittelte den Eindruck, dass Veränderungen in den vergangenen fünf Jahren nur sehr zögerlich umgesetzt wurden – insbesondere dann, wenn der Komfort der Autofahrer zugunsten der Fußgängersicherheit beschnitten werden sollte.

Das Audit war bislang nicht veröffentlicht worden und LW-Informationen zufolge auch nur auszugsweise in Kommissionssitzungen und im Gemeinderat angesprochen worden.

Tanson: Studie nicht in der Schublade verschwunden

Sam Tanson, heute Justiz- und Kulturministerin, bis 2017 aber hauptstädtische Mobilitätsschöffin, stellte gegenüber dem „Luxemburger Wort“ allerdings am Mittwochmorgen klar, dass die Studie zu ihrer Zeit nicht in einer Schublade gelandet sei. Diese sei ja in Auftrag gegeben worden, um eben diese Missstände professionell aufzuarbeiten und zu beheben.

Nach der Vorstellung der Studie im Gemeinderat habe es noch mindestens zwei Folgesitzungen im zuständigen Ausschuss gegeben, bei der die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen besprochen worden sei. Im Konzept seien Ziele vorgegeben worden, die man kurz-, mittel- oder langfristig umsetzen könne - und das sei in den zwei Jahren auch geschehen.

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