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Ein folgenschwerer Einkauf in Howald
Lokales 2 Min. 06.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Ein folgenschwerer Einkauf in Howald

Die Fahrerin gab an, den Mann zu keinem Zeitpunkt gesehen zu haben.

Ein folgenschwerer Einkauf in Howald

Die Fahrerin gab an, den Mann zu keinem Zeitpunkt gesehen zu haben.
Foto: Polizei
Lokales 2 Min. 06.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Ein folgenschwerer Einkauf in Howald

Auf einem Supermarktparkplatz in Howald wird im Januar 2017 ein 77-jähriger Mann angefahren. Er erliegt seinen Verletzungen. Eine Autofahrerin stand nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

(SH) - „Ich bin aus der Parklücke gefahren, nach links abgebogen und hatte dann das Gefühl, über etwas gefahren zu sein“, erklärte die Angeklagte am Mittwoch vor Gericht. Sie habe zuerst vermutet, den Bürgersteig gestreift zu haben. Als die junge Frau die Fahrertür am 2. Januar 2017 auf dem Parkplatz des Cactus-Supermarktes in Howald dann aber öffnet, sieht sie einen Mann auf dem Boden liegen.

Der 77-jährige Fußgänger, den sie zuvor zu keinem Zeitpunkt auf dem Überweg gesehen hatte, ist nicht mehr ansprechbar. Fünf Tage später wird er an den Folgen seiner Verletzungen sterben. Denn der Mann hatte sich nicht nur das Schienbein zweimal gebrochen, er hatte durch den Sturz nach dem Zusammenstoß auch ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten – mit tödlichen Folgen, wie der Gerichtsmediziner erklärte.

Eher angefahren als überrollt

Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ist der Tatbestand der fahrlässigen Tötung denn auch gegeben. Sie forderte eine dreimonatige Haftstrafe, eine Geldbuße und ein 24-monatiges Fahrverbot gegen die Beschuldigte.


Der Unfall ereignete sich auf dem Parkplatz eines Supermarktes.
Schwerer Unfall auf Parkplatz: Fußgänger stirbt an Verletzungen
Am Montagabend war ein Fußgänger auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Howald angefahren und schwer verletzt worden. Nun meldet die Polizei, dass der ältere Mann im Krankenhaus verstorben ist.

Bis zur Urteilsverkündung am 4. April muss der Richter anhand der Aussagen und des Dossiers herausfinden, ob der Mann tatsächlich angefahren oder doch überrollt wurde, nachdem er bereits gestürzt war. Die Version der Angeklagten lässt eher auf die zweite Version schließen. Eine Zeugin erinnerte sich ebenfalls an ein Geräusch, „wie wenn ein Wagen einen Bürgersteig streift“.

Für den Gerichtsmediziner deuten die Verletzungen am Schienbein – zwei Frakturen mit Keilbildung – unterdessen auf ein Anfahren hin, bei dem es von vorne zu einer Gewalteinwirkung in Höhe des Schienbeins kam. Reifenspuren, Profilabdrücke oder weitere Anzeichen für ein Überrollen seien bei der Autopsie hingegen nicht gefunden worden.

316.000 Euro Schadenersatz

Erschwerend auf dem Weg zur Wahrheitsfindung kommt hinzu, dass die Ermittler der Kriminalpolizei am Wagen selbst keine Spuren, die auf den Tatverlauf hinweisen, finden konnten. Sie stellten lediglich eine Beule in etwa 60 Zentimetern Höhe am Kotflügel auf der Fahrerseite fest, die nicht mit den Blessuren des Opfers vereinbar ist. Es sei allerdings durchaus möglich, dass der Zusammenstoß keine Spuren am Wagen hinterlassen hatte, da die Frau auf dem Parkplatz wohl im Schritttempo unterwegs war.

Die Angehörigen des Verstorbenen beantragten rund 316.000 Euro Schadenersatz. Dieser Betrag erkläre sich dadurch, dass die beiden gemeinsamen Kinder in Thailand wohnen und ihre Mutter – die Lebensgefährtin des Opfers –, die auf Hilfe angewiesen ist, nach dem Unfall mit dorthin nahmen.


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