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Ein einsatzreiches Jahr für die Rettungsdienste
Lokales 5 Min. 29.06.2021
CGDIS blickt auf 2020

Ein einsatzreiches Jahr für die Rettungsdienste

An vorderster Front: Die Einsatzkräfte hatten während ihres Arbeitsalltags viel direkten Kontakt zu Covid-Patienten. Strenge Schutzvorkehrungen waren demnach lebenswichtig.
CGDIS blickt auf 2020

Ein einsatzreiches Jahr für die Rettungsdienste

An vorderster Front: Die Einsatzkräfte hatten während ihres Arbeitsalltags viel direkten Kontakt zu Covid-Patienten. Strenge Schutzvorkehrungen waren demnach lebenswichtig.
Foto: Lex Kleren/LW-Archiv
Lokales 5 Min. 29.06.2021
CGDIS blickt auf 2020

Ein einsatzreiches Jahr für die Rettungsdienste

Gilles Siebenaler
Gilles Siebenaler
Für die Rettungskräfte gab es 2020 neben Corona mehrere traurige Höhepunkte - darunter drei fatale Brände und die Amokfahrt in Trier.

Insgesamt 59.721 Mal mussten die Einsatzkräfte des Corps grand-ducal d’incendie et de secours (CGDIS) im vergangenen Jahr ausrücken. Das sind etwas weniger Einsätze als 2019, doch bedeutet das nicht, dass die Rettungsdienste weniger gefordert waren. Die Pandemie stellte auch sie vor ganz neue Herausforderungen. „Ab dem 29. Februar 2020, dem Tag, als in Luxemburg der erste positive Corona-Fall festgestellt wurde, bestimmte das Virus den Alltag der Rettungskräfte“, so CGDIS-Generaldirektor Paul Schroeder bei der Vorstellung des CGDIS-Jahresberichts 2020. 

Schroeder betonte aber zugleich, dass man bereits zuvor das Geschehen im französischen Grand Est genauestens verfolgt habe und sich so habe vorbereiten können. Dies unter anderem, was die Reduzierung des Infektionsrisikos für die Einsatzkräfte anbelangt, die ja lange Zeit ohne Impfschutz in direktem Kontakt mit Covid-Patienten waren. Und diese Vorbereitung trug Früchte: Bis dato sei kein Fall bekannt, bei dem sich ein CGDIS-Mitglied im Einsatz mit dem Virus angesteckt habe, so Schroeder. 

Krisenmanagement von Anfang an 

Der CGDIS war denn auch von Beginn an in das Krisenmanagement der Regierung involviert, war in der entsprechenden Cellule de crise vertreten, organisierte in einer ersten Phase die Covid-Hotline und zeichnete für die Krankentransporte von Patienten aus dem Grand Est mitverantwortlich. Zudem kümmerte man sich um Monitoring und Dispatching sowie um die Verwaltung von Schutzmaterial und unterstützte dann auch die Gemeinden bei der Verteilung von Masken. 

Auch aktuell sind die Rettungsdienste in die Krisenbewältigung involviert, stellen sie doch Teile des Personals in den nationalen Impfzentren. 

Neben all diesen neuen Aufgaben hatten Pandemie und Lockdown aber auch Einfluss auf den „normalen“ Betrieb der Rettungsdienste. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 59.721 Einsätze verzeichnet. „Diese Zahl ist stabil zum Vorjahr“, so Paul Schroeder. Tatsächlich stehen für 2020 sogar geringfügig weniger Einsätze als 2019 (60.979) zu Buche. Dennoch gab es Unterschiede in der Art der Interventionen. Anders als 2019, als die Rettungsdienste mit einem Sturmtief, einem Tornado sowie mehreren Vegetations- und -Industriebränden konfrontiert waren, standen 2020 keine derart markanten Einsätze an – in trauriger Erinnerung bleibt aber das Attentat in Trier am 1. Dezember 2020, wo die Luxemburger Rettungskräfte ihre deutschen Kollegen vor Ort unterstützen.


Durch das rasche Eingreifen der Einsatzkräfte konnte noch schlimmeres Leid verhindert werden.
Amokfahrt in Trier
Fünf Menschen kamen ums Leben, als am 1. Dezember 2020 ein 51-Jähriger mit einem Geländewagen durch die Trierer Innenstadt raste. Mindestens 24 Menschen wurden verletzt.

Drei Tote bei Bränden 

CGDIS-Generaldirektor Paul Schroeder erinnerte aber auch daran, dass 2020 bei gleich drei Bränden jeweils ein Mensch ums Leben gekommen war. In diesem Zusammenhang hob Schroeder auch nochmals die Wichtigkeit von Rauchmeldern hervor und berichtete von zwei Bränden in Esch/Alzette beziehungsweise Leudelingen, bei denen eben durch solche Rauchmelder die Bewohner auf das Feuer in ihren Wohnungen aufmerksam wurden und von den Rettungsdiensten per Leiter gerettet werden konnten. 

Insgesamt mussten die Einsatzkräfte 2020 wegen Bränden 2.187 Mal ausrücken, 1.358 Mal wegen Unfällen im Straßenverkehr. Hinzu kamen 2.115 sogenannte technische Interventionen. Derweil machten sogenannte Personeneinsätze (Secours à personnes und Assistances à personnes) wie in den Jahren zuvor auch 2020 den Großteil der Einsätze aus: 53.323 Fälle (79 Prozent).

Die Anzahl an technischen Interventionen war vor allem im Lockdown zwischen März und Juni deutlich geringer als im Vorjahr, so Paul Schroeder. Auch bei den Verkehrsunfällen war in dieser Zeitspanne ein Rückgang von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr festzustellen. Da hatte die Pandemie schon einen deutlichen Einfluss, erklärte Schroeder. 

Jedoch wurde dieser Rückgang an Einsätzen an anderer Stelle kompensiert, denn stieg die Anzahl an Krankenwagentransporten um acht Prozent, dies eben aufgrund der Pandemie: Zehn Prozent aller Krankenwagentransporte waren nämlich coronabedingt, so Schroeder. Auch beim Notarzt (SAMU) wurden mit 8.250 Einsätzen mehr Interventionen verzeichnet als noch 2019 (7.979). Dieser Anstieg hängt aber auch damit zusammen, dass man mit dem SAMU Hesperingen sowie dem SAMU Air Rescue eine vierte und fünfte SAMU-Einheit in das System aufnehmen konnte und somit über mehr Einheiten verfügt. Dadurch gewann man auch an Effizienz. Lag die Durchschnittsquote von Notarzt-Einsätzen, die wegen fehlender Einheiten nicht wahrgenommen werden konnten, in der Vergangenheit bei 2,5 pro Tag, erreicht man nun eine Quote von unter einem Einsatz pro Tag. 

Mehr Effizienz und ein Umzug 

An der allgemeinen Effizienz will man beim CGDIS auch weiter arbeiten. Das vom Plan national d’organisation des secours (PNOS) vorgegebene Ziel, überall im Land in 90 bis 95 Prozent der Fälle binnen 15 Minuten am Einsatzort einzutreffen, erreicht man nämlich noch nicht flächendeckend – heute liegt man bei 87 Prozent. Deshalb bedarf es einer weiteren Professionalisierung und zusätzlichen Personals, wie die Verwaltungsratsvorsitzende Lydie Polfer erklärte. Eine neue Kampagne soll bei der Rekrutierung von Berufsfeuerwehrleuten helfen (siehe unten). 

Die Präsentation des Jahresberichts erfolgte übrigens erstmals im Centre national d’incendie et de secours (CNIS) am Boulevard de Kockelscheuer in Ban de Gasperich. Der Umzug dorthin schreitet weiter voran. Bis dato sind vor Ort vor allem die administrativen Einheiten untergebracht. Mitte September aber wird auch die hauptstädtische Berufsfeuerwehr von ihrer Kaserne an der Route d’Arlon an den Rond-point Gluck ziehen. Die Notrufzentrale 112 soll dann im Oktober folgen.

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