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Ein Drogennest im Grünen
Das Drogenversteck im Wald wurde einen Monat lang observiert.

Ein Drogennest im Grünen

Foto: Anouk Antony
Das Drogenversteck im Wald wurde einen Monat lang observiert.
Lokales 2 Min. 24.09.2018

Ein Drogennest im Grünen

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Bestens an das Straßen- und Eisenbahnnetz angebunden und doch weit von den Polizeikontrollen entfernt, lag das Hauptquartier einer Kokainbande, der seit gestern der Prozess gemacht wird.

Es war kein Zufall, dass die Bande sich Sandweiler-Gare als Operationszentrum ausgesucht hatte. Davon zeigte sich der leitende Ermittler am Montag zum Prozessauftakt gegen eine nigerianische Drogenbande überzeugt. Die Lage im Grünen vor den Toren der Hauptstadt habe es der Bande erlaubt, eine bessere Position auf dem Drogenmarkt zu beziehen – weit entfernt von den üblichen und regelmäßigen Drogenkontrollen und doch nahe genug am Schauplatz des Geschehens.


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Die fünf angeklagten Männer und die luxemburgische Freundin des mutmaßlichen Anführers werden beschuldigt, zum Teil bereits seit 2013 einen regen Kokainhandel betrieben zu haben. Peter I., laut Kriminalpolizei der Kopf der Bande, soll der Hochrechnung der Ermittler zufolge binnen vier Jahren Kokain im Wert von mindestens 165.000 Euro umgesetzt haben, der zweite Mann in der Gruppe, mindestens 100.000 Euro.

Versteck im Wald

Damit die Polizei bei einer etwaigen Kontrolle ihrer Zimmer, die sie über einem Restaurant angemietet hatten, nicht fündig wurde, waren die Drogen an stets wechselnden Stellen im anliegenden Waldstück versteckt worden. Allerdings hatte die Polizei diese Verschleierungstaktik bereits gleich zu Beginn der Observierungen im Mai 2017 durchschaut.

So war es ein Leichtes für die Beamten, die Drogenverstecke immer wieder zu überprüfen und die Ware abzuwiegen. Die Beamten stellten auf diese Weise fest, dass binnen eines Monats rund 800 Gramm Kokain mit unterschiedlichem Reinheitsgehalt von der Bande vertrieben wurden. Einmal entdeckten die Drogenfahnder dabei einen Block mit ungestrecktem Kokain mit einem Gewicht von 103 Gramm. Tage später war nur noch die Hälfte des Gewichts vorhanden – verkaufsfertig gestreckt und abgepackt.

Aufschlussreich war für die Polizisten darüber hinaus auch die Auswertung der Facebook-, WhatsApp- und SMS-Kommunikation der Gruppe. Sie zeigten nicht nur, wie gut einzelne Bandenmitglieder in der Drogenszene vernetzt waren, sondern auch die Sorgen und Träume der Dealer.

Sorgen und Träume

So konnten sie nachvollziehen, wann die Polizeikontrollen im Bahnhofsviertel den Dealern das Leben schwer machten. Diese beklagten sich in ihren SMS-Botschaften dann darüber, dass es nun schwer geworden sei, Geld in der Stadt zu verdienen. Interessant war für die Ermittler sicher auch, wie der Anführer der Gruppe erzählte, dass er seine Erträge aus dem Drogenhandel in Italien versteckte und gleichzeitig in seiner nigerianischen Heimat ein zweistöckiges Haus bauen ließ.

Peter I. war der Polizei im Übrigen bereits 2012 im Drogenhaus G33 in Wasserbillig aufgefallen. Er hatte dieses dann aber verlassen und sich wohl selbstständig gemacht. Zudem war er auch bestens mit zwei anderen größeren nigerianischen Banden vernetzt, denen bereits der Prozess gemacht wurde. Dieses Verfahren wird heute Nachmittag fortgesetzt.


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