Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ein Dorn im Auge der Gewerkschaften
Lokales 4 Min. 07.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Erweiterte Ladenöffnungszeiten werfen viele Fragen auf

Ein Dorn im Auge der Gewerkschaften

Jeder Ladeninhaber entscheidet selbst, ob er sein Geschäft an Sonn- und Feiertagen öffnet.
Erweiterte Ladenöffnungszeiten werfen viele Fragen auf

Ein Dorn im Auge der Gewerkschaften

Jeder Ladeninhaber entscheidet selbst, ob er sein Geschäft an Sonn- und Feiertagen öffnet.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 07.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Erweiterte Ladenöffnungszeiten werfen viele Fragen auf

Ein Dorn im Auge der Gewerkschaften

Die Geschäfte in der Stadt Luxemburg können ab sofort an allen Sonn- und Feiertagen bis 19 Uhr öffnen, falls die Ladeninhaber dies wünschen. Die Meinungen über die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums sind allerdings geteilt.

(rr) - Die Geschäfte in der Stadt Luxemburg können ab sofort an allen Sonn- und Feiertagen bis 19 Uhr öffnen, falls die Ladeninhaber dies wünschen. Die Meinungen über die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums sind allerdings geteilt.

Am Montag teilte Francine Closener, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, mit, dass die hauptstädtischen Geschäftsleute in diesem Jahr aufgrund einer Sondergenehmigung von erweiterten Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen profitieren können. Ziel sei es, das Stadtzentrum und das Bahnhofsviertel im Hinblick auf die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft touristisch attraktiver zu machen – eine Genehmigung, die vor allem den Gewerkschaften ein Dorn im Auge ist.

Der LCGB vermisst ein Gesamtkonzept. Im Einzelhandel seien viele Grenzgänger beschäftigt. Da an den Wochenenden der öffentliche Transport weniger ausgeprägt sei, müssten viele Arbeitnehmer mit ihrem eigenen Wagen zur Arbeit fahren. Auch sei nicht bekannt, ob die Kinderbetreuungsinfrastrukturen derzeit ausreichten, damit die Beschäftigten Familie und Arbeit miteinander verbinden könnten.

Paul De Araujo (LCGB) befürchtet, dass die Ausnahmeregelung künftig noch weitere Gemeinden dazu verleiten wird, den gleichen Weg einzuschlagen: „Dadurch besteht die Gefahr, dass es zu einer Verallgemeinerung der Sonntagsarbeit kommt.“

Auch André Sowa (OGBL) kann bei den neuen Bestimmungen keinen Mehrwert erkennen. Das Gesetz über die Ladenöffnungszeiten sei erst vor zwei Jahren geändert worden. „Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass rund die Hälfte der Ladenbesitzer nicht von den Ausnahmeregelungen Gebrauch gemacht haben, um ihre Geschäfte sonntags zu öffnen“, sagt Sowa.

Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen prüfen

Das Personal, das an Sonntagen hinter der Verkaufstheke steht, erhält per Gesetz bei der Vergütung einen Zuschlag von 70 Prozent. Sowa hat Bedenken, dass dies ausreicht. Er begrüßt es, dass das Wirtschaftsministerium demnächst eine Studie in Auftrag geben will, um zu analysieren, wie sich die neuen Öffnungszeiten auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten konkret auswirken werden. Die Staatssekretärin hat denn auch die Gewerkschaften eingeladen, sich aktiv an der Erstellung eines Lastenheftes für diese Studie zu beteiligen.

Der LCGB werde dieses Angebot nutzen, so De Araujo, der bemängelt, dass derzeit vieles noch unklar sei. Zu klären bleibe zum Beispiel die Frage, ob ein erkrankter Mitarbeiter einen Ausgleich erhält oder nicht. Außerdem sei die Kaufkraft der Menschen nicht unbegrenzt: „Indem wir die Öffnungszeiten pausenlos steigern, erhöhen wir das Risiko der Überschuldung.“

Nicht voll ausgenutzt wird die Sondergenehmigung übrigens von den Geschäftsleuten der Touristenstadt Ettelbrück. Laut Marc Jager, Präsident des Ettelbrücker Geschäftsverbandes, sind im Winter vier bis fünf Läden sonntags geöffnet, im Sommer sechs bis zehn. An den vom Geschäftsverband organisierten verkaufsoffenen Sonntagen mit Animation hingegen nehmen alle Geschäfte teil.

Das Pferd von hinten zäumt der Escher Geschäftsverband auf, der ebenfalls eine Sondergenehmigung beantragt hat. Laut Präsidentin Astrid Freis werden die Mitglieder erst bei einer Zusage durch das Ministerium befragt, ob sie denn überhaupt interessiert sind, an allen Sonn- und Feiertagen ihre Geschäfte bis 19 Uhr zu öffnen. Eine positive Antwort aus dem Ministerium bedeute allerdings nicht, dass dann ab sofort 
alle Geschäfte in der Minettemetropole an den Sonn- und Feiertagen geöffnet sein werden, betont Astrid Freis. Mit der Öffnung seien ja auch die Fragen rund um das Personal, dessen Bezahlung und den Transport verknüpft.

Guill Kaempff: Sonntagsarbeit ein Trend der Zeit

Laut Guill Kaempff, Präsident der 
„Union commerciale de la Ville de Luxembourg“, habe seitens der hauptstädtischen Geschäftsleute eine größere Nachfrage für die erweiterten Ladenöffnungszeiten bestanden, unter anderem von den Betreibern der Souvenirläden. Dies bedeute aber nicht, dass bereits an diesem Sonntag alle Geschäfte geöffnet seien. Was die Kritiken der Gewerkschaften in puncto Personal betrifft, so stellt er fest, dass dieses gerne an Sonn- und Feiertagen arbeite, weil es eine Vergütung von 70 Prozent und entsprechende Freistunden in der Woche erhalte. In puncto Verallgemeinerung der Sonntagsarbeit meint er, dass dies ein Trend der Zeit sei, beispielsweise in Asien und den USA, wo der Sonntag ein normaler Arbeitstag sei.

Betreffend die mangelnde Teilnahme der Geschäfte im Bahnhofsviertel soll zusammen mit den Gemeindeverantwortlichen erörtert werden, welche Aktionen zu einer Verbesserung der Situation beitragen könnten.

Die Sondergenehmigung werde vielleicht mit sich bringen, dass die Geschäfte während dem vierwöchigen Sommer- resp. Winterschlussverkauf an allen Sonntagen geöffnet sein werden, das müsse man noch bereden. Auch in punkto Marketing, sprich Werbeaktionen in Luxemburg und der Großregion, gelte es, Überlegungen mit allen Beteiligten anzustellen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Kontrollen der ITM haben ergeben, dass sich viele Geschäfte nicht an die Obergrenze von vier Stunden Arbeit am Sonntag halten. Das Patronat zeigt sich überrascht und verärgert.
Lokales,Verkaufsoffener Sonntag /Stimmungsbericht. Geschäfte,Einkaufen,Shopping in Coronazeiten, hier: Fussgängerzone am Sonntag. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Der Lockdown in den Nachbarländern sorgt am Samstag für eine volle Einkaufsstraße in der Hauptstadt. Am Sonntag blieb es dagegen ruhiger.
Lokales,Verkaufsoffener Sonntag /Stimmungsbericht. Geschäfte,Einkaufen,Shopping in Coronazeiten, hier: Fussgängerzone am Samstag. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Das Wirtschaftsministerium hat wieder eine Ausnahmeregelung für verkaufsoffene Sonntage ausgestellt. Muss man denn wirklich immer einkaufen? Nun, man sollte es zumindest können.
Kritik an den neue Ladenöffnungszeiten
Die Gewerkschaften kritisieren die verlängerten Ladenöffnungszeiten in der Hauptstadt. Sie befürchten, dass es zu einer Verallgemeinerung der Sonntagsarbeit kommt.
Arbeit im Einzelhandel an Feiertagen
Manch einer mag sich gewundert haben, dass am zweiten Weihnachtsfeiertag einige Geschäfte ihre Türen geöffnet hatten. Vor allem eine Reihe von Geschäftsleuten selbst waren überrascht darüber. Ist das rechtens?
Auch an gesetzlichen Feiertagen darf gearbeitet werden.