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„Ein Dorfcafé ist wie eine Zeitung."
Lokales 2 Min. 20.03.2012

„Ein Dorfcafé ist wie eine Zeitung."

Néckel erzählt und lacht – gerne und viel. Seit 40 Jahren steht er hinter der Theke.

„Ein Dorfcafé ist wie eine Zeitung."

Néckel erzählt und lacht – gerne und viel. Seit 40 Jahren steht er hinter der Theke.
Foto: Luc Ewen
Lokales 2 Min. 20.03.2012

„Ein Dorfcafé ist wie eine Zeitung."

Was macht ein richtiges „Bopebistro“ aus? Dieser Frage gehen derzeit „Luxemburger Wort“, wort.lu und mywort.lu auf den Grund, gleichzeitig mit der entsprechenden „Bopebistro“-Tour von Serge Tonnar und Legotrip. Spätestens beim Besuch des Café Ohrendorf in Cruchten könnte man diese Frage getrost als beantwortet abhaken.

An sich ist die Institution „Bopebistro“ schwer in Worte zu fassen. Ist es die Ausstattung? Das Mobiliar? Die Gäste? Nein: Es sind die Besitzer und der urtypische Charme der sprichwörtlichen Zeit, die stehenzubleiben scheint, wenn man die Etablissements betritt, die sich in Luxemburg einer gewissen Tradition erfreuen, jedoch so langsam einem vermeintlichen „Fortschritt“ Platz zu machen scheinen.

Ist beim Journalisten ab und an eine anfängliche Angespanntheit zugegen, wenn man einem neuen Interviewpartner begegnet, so wich diese beim Betreten des Café Ohrendorf an der Hauptstraße in Cruchten sofort dem Gefühl des Willkommenseins. Mit einem breiten Grinsen empfängt Néckel seine Gäste, ob vertraut oder fremd, wie in unserem Falle. Das „Bistro“ ist auf den ersten Blick klein. Doch genau wie sein Charme entfalten sich auch die Dimensionen, kommt man erstmal mit dem Wirt ins Gespräch.

Néckel erzählt und lacht – gerne und viel. Néckel ist stolz auf sein Café und auf seine Gäste. „Ein Dorfcafé ist wie eine Zeitung. Man bekommt alles mit“, meint der Wirt, seit mehr als 40 Jahren in dem Bistro tätig ist. „Ich hatte mir immer geschworen, nie eine Wirtstochter zu heiraten“, grinst Néckel und der Zuhörer weiß, dass dieser Schwur nicht lange hielt. Ging er zu Beginn noch dem Schwiegervater zu Hand, übernahmen er und seine Frau irgendwann das Café ganz.

Auch wenn die Institution des „Bopebistro“ langsam zu verschwinden droht, so kann sich Néckel aber nicht beschweren. Nicht immer habe er Hochbetrieb, doch reiche es, um über die Runden zu kommen. Schließlich beziehe er Rente und führe das Café als eine Art Hobby. Die Stammgäste, meist Menschen aus der Gemeinde oder der Umgebung, oft die Feuerwehrleute, der Theaterclub aus Angelsberg und natürlich der ortsansässige Sparverein, werden es ihm danken. Denn bei Néckel finden sie immer ein offenes Ohr. Und die brisanten Sachen „vergisst“ er schnell wieder – ganz am Beispiel der drei Affen. „Ohren zu, Mund zu, Augen zu“, lacht der Wirt.

60 Leute haben sich heute Abend zum Auftritt von Serge Tonnar an der Rue Principale in Cruchten angesagt. Platz hat Néckel, hinter einem Vorhang verbirgt sich ein weiterer Saal. Sogar die Jugend aus dem Dorf verirrt sich noch ins Café Ohrendorf, „auch wenn sie ab und an in die Cafés in der Umgebung weiterziehen“. Doch meist kommen sie wieder. Wie alle Gäste, die Néckel zu schätzen wissen. Denn: „So lange ich jung bin, mache ich weiter“.

  • Ein mywort-Video zum Café Ohrendorf gibt's hier!