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Ein "dicker Fisch" und ein geschwätziger Polizist
Prinz Jean wurde am 9. Dezember 2005 von der Polizei gehört.

Ein "dicker Fisch" und ein geschwätziger Polizist

Foto: Jean Weyrich
Prinz Jean wurde am 9. Dezember 2005 von der Polizei gehört.
Lokales 3 Min. 15.03.2012

Ein "dicker Fisch" und ein geschwätziger Polizist

Eine Verschwörungstheorie sondergleichen! Es muss wohl ein „dicker Fisch“ sein, wird im Jahr 1987 in Journalistenkreisen gemunkelt. Und was ist wohl feiner in Luxemburg als ... der Adel? Der rückt also auch im „Bommeleeër“-Dossier in ein schlechtes Licht! Der Verdacht fällt auf Prinz Jean. Pikantes Detail: Wegen der überschäumenden Gerüchteküche macht der großherzogliche Hof einem ranghohen Polizisten mächtig den Bart. Auf Schloss Berg lässt man nicht zu, dass Prinz Jean durch den Dreck gezogen wird.

(mt) - Eine Verschwörungstheorie sondergleichen! Es muss wohl ein „dicker Fisch“ sein, wird im Jahr 1987 in Journalistenkreisen gemunkelt. Und was ist wohl feiner in Luxemburg als ... der Adel? Der rückt also auch im „Bommeleeër“-Dossier in ein schlechtes Licht! Der Verdacht fällt auf Prinz Jean. Pikantes Detail: Wegen der überschäumenden Gerüchteküche macht der großherzogliche Hof einem ranghohen Polizisten mächtig den Bart. Auf Schloss Berg lässt man nicht zu, dass Prinz Jean durch den Dreck gezogen wird.

7.Mai 1987, in der Synagoge von Luxemburg: Der ehemalige Superpolizist und Gründer der „Brigade mobile de la Gendarmerie“ Ben Geiben – selbst im Visier der „Bommeleeër“-Ermittler – hält an diesem Tag einen Vortrag über Terrorismus. Anwesend dabei ist auch Kapitän Marc Zovilé. Die Konferenz verläuft gut, und nach dem Vortrag speisen Zovilé, Geiben und auch Henri Roemer, damals Konsul in Paris, gemeinsam zu Abend. Doch an diesem Tag wird nicht nur in der Restaurantküche gekocht, auch die Gerüchteküche brodelt: Ausgerechnet ein Polizist, Kapitän Marc Zovilé soll nämlich Prinz Jean als „poseur de bombes“ ins Gespräch gebracht haben....

Der Hofmarschall schnautzt den Polizisten an

So steht es jedenfalls in der Anklageschrift vermerkt! Das Gerücht zirkuliert bestens, nicht nur im Volk, auch in der piekfeinen Gesellschaft, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Hof davon Wind bekommt und den geschwätzigen Polizisten mitsamt seinem damaligen Direktor Aloyse Harpes zu einem erklärenden Gespräch vorlädt. Hofmarschall Raymond Hastert ist erbost und schnautzt den geschwätzigen Polizisten richtig an: Ein Gerücht aus dem Mund eines ranghohen Ordnungshüters habe ein anderes Gewicht als ein Gerücht, das nur auf der Straße zirkuliere.

Das Lügenmärchen hält sich natürlich über die Jahre, bekommt aber erst richtig Aufwind im Jahr 2005. RTL-Radio und Fernsehen lassen am 9. November 2005 einen anonymen Zeugen zu Wort kommen, der zehn Jahre zuvor, am 9. November 1995, um exakt 3.30 Uhr an der Straßenkreuzung Rue de l'Europe, Route de Trêves, also 450 Meter von der Stelle entfernt, wo um 22 Uhr desselben Tages ein Sprengsatz hochgeht, ein bestbekannter Mann erkannt haben will. Sein Geheimnis lüften will er aber nur vor dem Premierminister. Am 14. November trifft der Zeuge Juncker und gibt den Namen preis: „Et ass de Prënz!“

Prinz auf der Pirsch

Der Bruder des Großherzogs wird hierauf am 9. Dezember 2005 von der Polizei gehört. Er behauptet, er sei an dem Tag bei der Jagd gewesen und zwar in den Wäldern des Loir-et-Cher, wo einst auch der französische Hof des Roi Soleil gerne gejagt hat... Er legt Beweise vor, darunter auch einen Brief seiner Verlobten, die in diesem Schreiben zum Ausdruck gibt, sie hätte eigentlich lieber gehabt, der Prinz hätte mit ihr ein gemütliches Wochenende in Paris verbracht. Und es gibt noch weitere Beweise: Ein französischer Abgeordnete bezeugt, dass der Prinz Jean mit ihm damals auf der Pirsch war, und zwar nicht im Gebüsch auf Findel, sondern in den Wäldern rundum ... Orléans!

Die Piste des Prinzen lässt sich nicht aufrecht halten, zumal sich auch die Zeugenaussagen als falsch erweisen. Der Mann, der bei Dupont-de-Nemours gearbeitet hat, behauptet er sei früh, also um 3.30 Uhr zur Arbeit aufgebrochen, um Überstunden zu machen. Ein Blick auf die damalige Präsenzliste bei Dupont ergibt aber, dass er dort erst um 7 Uhr erschienen ist.

Der Prinz ist frei von allem Verdacht, zumal er zusätzlich Beweise erbringen kann, dass er zum Zeitpunkt vieler Attentate im Ausland war. Das Lügenmärchen bleibt ein gefundenes Fressen fürs Volk, das meint, alles werde ja doch unter den „Bommentëppech“ gekehrt, juristisch aber ist die „Prinzen-Piste“ fortan unbedeutend