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„Ein beispielhaftes Viertel“
Lokales 3 Min. 06.10.2018 Aus unserem online-Archiv

„Ein beispielhaftes Viertel“

Die Industriegebäude an der französischen Grenze sollen verschwinden, um Platz für ein neues Stadtviertel zu machen.

„Ein beispielhaftes Viertel“

Die Industriegebäude an der französischen Grenze sollen verschwinden, um Platz für ein neues Stadtviertel zu machen.
(FOTO: RAYMOND SCHMIT)
Lokales 3 Min. 06.10.2018 Aus unserem online-Archiv

„Ein beispielhaftes Viertel“

Bei einer Informationsversammlung wurde am Samstag die Zukunft der Industriebrache Lentille Terre Rouges in Esch/Alzette vorgestellt. 1.700 Wohnungen sollen hier entstehen.

(rsd) - Im Volksmund ist die Industriebrache in Esch/Alzette als „Lentille TerresRouges“ bekannt. Neuerdings hört sie auf den Namen „Rout Lëns“. Geht es nach den Planern, dann wird dort in den kommenden Jahren ein neues Wohnviertel entstehen.

Seit 40 Jahren stehen auf dem Industriegelände zwischen dem Escher Stadtzentrum und der französischen Grenze die Räder still. Vor Jahren machte das Areal noch auf sich aufmerksam, als dort Kulissen für einen Film, der in Venedig spielte, gebaut wurden. Inzwischen sind die Kulissen genauso in den Fluten versunken wie der Film.

Was zurückbleibt, sind Industrieruinen. Und die hinterlassen nicht unbedingt einen bleibenden Eindruck. Aber das soll sich ändern, wie anlässlich einer Informationsversammlung im Rathaus verlautete.

Nachhaltiger Stadtteil

Auf dem Areal, auf dem früher Stahl gekocht wurde, sollen Wohnungen, Freizeiteinrichtungen, Grünanlagen, öffentliche Einrichtungen und Geschäfte für die Nahversorgung entstehen. Und nachhaltig soll der neue Stadtteil obendrein werden. So stellen die Planer die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen und Regenwassersammelanlagen in Aussicht.

Auch der Verkehr soll möglichst eingebremst werden. Während Fußgängern und Radfahrern die Vorfahrt eingeräumt wird, soll die Blechlawine größtenteils unterirdisch in eine Tiefgarage verbannt werden. Bauträger des Projekts ist die Firma IKO, die seit anderthalb Jahren an dem Vorhaben arbeitet. Und die hat bereits erfolgreich frühere Industriegebiet in Wohnanlagen umgewandelt, zum Beispiel in Differdingen.

Für die Wiedergeburt der Industriebrachen in Esch will man sich auch im Ausland, u.a. in Kopenhagen, inspirieren. So soll, wie es Stefano Moreno von IKO verspricht, ein „beispielhaftes Viertel“ entstehen, in das auch die Natur integriert werden soll. Zusätzlich wollen die Planer Wert auf die Qualität des öffentlichen Raums legen 60 Prozent des Areals sind für den öffentlichen Raum und Grünflächen vorgesehen, 40 Prozent für Wohn- und Geschäftsflächen.

Mehr als nur Wohnviertel

Insgesamt sollen 1.700 Wohnungen entstehen. In das neue Viertel könnten bis zu 3.700 Menschen einziehen. Das führt dazu, dass in der Planung eine neue Schule berücksichtigt wird. 380 bis 460 Kinder sollen in dem Gebäude auf den Ernst des Lebens vorbereitet werden. Gerechnet wird auch mit der Schaffung von 360 Arbeitsplätzen auf dem Areal. 20 bis 25 Geschäfte könnten in dem neuen Viertel, das man als Bindeglied zwischen der Grenz und dem Stadtzentrum betrachtet, eingerichtet werden.

Es sollen traditionelle Geschäfte werden und keine Supermärkte, beteuern die Planer. Auch eine Konkurrenz mit dem Geschäftszentrum wolle man tunlichst vermeiden, hieß es bei der Vorstellung des Projekts. Aufgelockert werden soll die Bebauung möglicherweise durch einen neuen öffentlichen Platz und eine Wasserfläche. 1.000 Bäume sollen für eine grüne Note sorgen.

Historische Elemente erhalten

Ganz will man sich aber nicht von der industriellen Vergangenheit abnabeln. So sollen verschiedene Industriegebäude, die als erhaltenswert eingestuft sind, restauriert werden. Dazu gehören die Turbinenhalle, die Gebläsehalle, eine Lagerhalle und das Stellwerk. Den Bauträgern ist bewusst, dass man ein neues Stadtviertel nicht aus dem Boden stampfen kann. Sie räumten ein, dass ihr Projekt nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

So sollen Arbeitsgruppen gebildet werden, um den Plänen den letzten Schliff zu verleihen. Dabei ist auch die Meinung der Bürger gefragt. Die Vorbereitungsphase soll sich noch etwa zwei Jahre hinziehen. Das Projekt soll dann in mehreren Phasen verwirklicht werden. Und das könnte durchaus 15 Jahre in Anspruch nehmen. Eine mögliche Untergrundsanierung ist auf dem ehemaligen Industriegelände nicht auszuschließen, auch wenn man laut ersten Erkenntnissen davon ausgeht dass sich die Verseuchung in Grenzen hält. Die Kosten dafür soll ArcelorMittal übernehmen. Zumindest habe sich der Stahlkonzern dazu verpflichtet, hieß es bei der Vorstellung des Projekts. rsd Bildzeilen

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