Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ehemaliger Trierer Bistumskonservator Franz Ronig verstorben
Franz Ronig im Kreuzgang des Trierer Doms.

Ehemaliger Trierer Bistumskonservator Franz Ronig verstorben

Foto: Bistum Trier
Franz Ronig im Kreuzgang des Trierer Doms.
Lokales 3 Min. 21.05.2019

Ehemaliger Trierer Bistumskonservator Franz Ronig verstorben

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Niemand kannte den Trierer Dom besser als er, sein unbändiges Interesse an kirchlicher Architektur führte Ronig auch oft über die Landesgrenze nach Luxemburg. Er wurde 91 Jahre alt.

Der Trierer Geistliche Franz Ronig ist in der Nacht zum Dienstag verstorben. Das bestätigte das Bistum Trier. Ronig wurde 91 Jahre alt. Der promovierte und habilitierte Kunsthistoriker war von 1966 bis 1997 Bistumskonservator der Diözese Trier. Ab 1971 leitete er das Amt für Kirchliche Denkmalpflege im Bistum Trier und war Kustos des Trierer Domschatzes. An den Universitäten Trier und Saarbrücken lehrte er Kunstgeschichte und Denkmalpflege.


Das Triptychon „Adam und Eva im Garten Eden“ schlummerte halb vergessen im Haus der Tochter des Malers Corneille Lentz.
Luxemburger Sündenfall im neuen Glanz
Halb vergessen und durch Restaurierung ganz gerettet: Das Triptychon "Adam und Eva im Garten Eden" lässt den Luxemburger Maler Corneille Lentz wiederentdecken. Ab Samstag ist es in der Villa Vauban zu sehen.

Aufgewachsen in Troisdorf und Köln kam Ronig nach dem Zweiten Weltkrieg, an dem er als junger Mann als Soldat der Wehrmacht teilnehmen musste, 1948 nach Trier. Hier studierte er am Priesterseminar und wurde nach der Priesterweihe 1954 Seelsorger, unter anderem in verschiedenen Gemeinden im Saarland, bevor er sich ab 1963 dem Studium der Kunstgeschichte widmete. 

Der Domspezialist

Es dürfte in Trier wohl niemanden geben, der so gut über die Geschichte und Architektur des Trierer Doms sowie die Kunstwerke darin Bescheid wusste. Der "Trierische Volksfreund" bezeichnete Ronig einmal als "Urgestein der Trierer Kultur", und in der Tat hat der gebürtige Rheinländer seine Spuren im Stadtbild der Moselstadt hinterlassen. Das heutige Erscheinungsbild des Trierer Doms, der ältesten deutschen Bischofskirche, geht auf Entscheidungen zurück, die während der großen Renovierung zwischen 1959 und 1974, also zum Teil während Ronigs Amtszeit als Bistumskonservator, getroffen wurden. 

Ronigs Privatbibliothek umfasste rund 30.000 Bände Fachliteratur.
Ronigs Privatbibliothek umfasste rund 30.000 Bände Fachliteratur.
Foto: Ernst Mettlach

Die Arbeiten waren aus bautechnischen und statischen Gründen notwendig - aber auch aus liturgischen: Die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils verlangten ab 1965 eine neue Raumaufteilung, weil bei Gottesdiensten der Zelebrant jetzt mit dem Gesicht zur Gemeinde stehen sollte. Die Entwürfe, die im Rahmen eines Architekturwettbewerbs eingereicht wurden, seien von "Erneuerern und Bewahrern" heftig diskutiert worden, erinnerte sich Ronig anlässlich der 40-Jahrfeier der Wiedereröffnung des Domes im Jahr 2014. Es war wohl eine höflich untertriebene Beschreibung dieser Debatten, in deren Zentrum er sich über Jahre befand. 

Profunder Kenner christlicher Architektur

Auch an der Basilika St. Paulin im Norden der Stadt war jahrelang ein weithin leuchtendes Zeichen für Ronigs Schaffen zu sehen: Die strahlend gelbe Fassadenfarbe, in der St. Paulin von 1982 bis zu einer weiteren Renovierung 2014 erstrahlte, ist im Trierer Volksmund gar als "Ronig-Gelb" bekannt. Ronig hatte aufgrund von alten gelben Farbresten die gelbe Fassade durchgesetzt. Erst Jahrzehnte später stellte sich heraus, dass das Gelb nicht die Originalfarbe aus dem Baujahr 1743 war, sondern erst nach einer Renovierung 1817 an die Wand kam. 2014 wurde die Barockkirche wieder in den Originalzustand in weiß, gelb und hellrot überführt. 

Auch unabhängig von solchen Anekdoten: Franz Ronig galt als Referenz in Sachen christlicher Architektur - nicht nur in seinem eigenen Beritt des Bistums Trier, sondern weit darüber hinaus. Auch nach Luxemburg und ins nahe Lothringen führte ihn sein Forscherdrang. Bereits zu Lebzeiten hatte er seine knapp 30.000 Bände fassende Privatbibliothek dem Trierer Priesterseminar übereignet, wo ein großer Teil der Bücher öffentlich einsehbar ist.   


Inventaire religieux, Foto Lex Kleren
Schätze der luxemburgischen Kirchen: „Endlich eine aktuelle Bestandsaufnahme“
Sakralbauten sind wesentliche Bestandteil des architektonischen und kulturellen Erbes Luxemburgs: Doch welche Schätze sie bergen, wusste man bisher nicht wirklich. Ein Inventar soll dies ändern. Ein Gespräch mit Diözesankonservator Alex Langini.

Nicht nur "seine" Kirchen, auch Ronig selbst gehörte, auf seine Art, zum Stadtbild. Jahrelang konnte man ihn regelmäßig von seiner Wohnung im Schatten des Doms über den Domfreihof gehen sehen. Dabei war er stets für Bekannte ansprechbar, und davon gab es  reichlich. Zum Briefkasten auf dem Hauptmarkt führte ihn sein beinah täglicher Gang, denn noch lange nach seiner Pensionierung stand er in regem Kontakt zu Fachkollegen, Universitäten und Verlagen. Ronig war ein Gelehrter der alten Schule, den sein Forschungsgegenstand nicht losließ - und umgekehrt. Noch bis kurz vor seinem 90. Geburtstag gab er sein Wissen über den Dom und die angrenzende Liebfrauenkirche an angehende Fremdenführer weiter. 

Franz Ronig war seit 2005 Träger des Bundesverdienstkreuzes und wurde 2005 von Papst Benedikt XVI. zum päpstlichen Ehrenprälaten ernannt. Er war außerdem Ehrenmitglied in der Historischen Sektion des luxemburgischen Großherzoglichen Instituts.