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Ehemaliger Richter wegen Amtsmissbrauchs angeklagt
Lokales 3 Min. 22.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Ehemaliger Richter wegen Amtsmissbrauchs angeklagt

Am Richterpult darf der Angeklagte bereits seit dem Jahr 2015 nicht mehr sitzen.

Ehemaliger Richter wegen Amtsmissbrauchs angeklagt

Am Richterpult darf der Angeklagte bereits seit dem Jahr 2015 nicht mehr sitzen.
Foto: Lex Kleren
Lokales 3 Min. 22.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Ehemaliger Richter wegen Amtsmissbrauchs angeklagt

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Dem 49-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen Privates mit Beruflichem vermischt zu haben - und das nicht zum ersten Mal.

Das Gericht kennt Sandro L. in- und auswendig. Jahrelang war der 49-jährige Mann Richter. Doch am Richterpult sitzt er schon länger nicht mehr. Denn er ist wegen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs angeklagt – und das nicht zum ersten Mal.

Im Juli 2017 wurde der ehemalige Vormundschaftsrichter bereits zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt, da er eine sexuelle Beziehung zu einer seiner Schutzbefohlenen hatte. Zuvor war Sandro L. 2015 wegen dieser Affäre disziplinarisch sanktioniert und vorzeitig in den Ruhestand geschickt worden.


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Nun wird dem 49-Jährigen wieder vorgeworfen, Privates mit Beruflichem vermischt zu haben. Zwischen 2004 und 2015 soll er bei der Verteilung von Vormundschaften den Anwalt Luc T. bevorteilt haben. Die beiden Männer pflegen schon lange eine enge Freundschaft, der Anklage zufolge soll ein Interessenkonflikt bestanden haben.

Laut den Ermittlungen wurden rund 220 Dossiers Luc T. zugeteilt, der sich nun gemeinsam mit Sandro L. wegen der Vorwürfe verantworten muss. Insgesamt sieben Zeugen hatte die Verteidigung gerufen – unter anderem auch die Nachfolgerin von Sandro L. im Vormundschaftsgericht. Sie wurde nach dessen Entlassung mit seinen Dossiers betraut.

Im Interesse der Anderen

Die Zeugin zeichnete ein positives Bild von den beiden Angeklagten. Sie hätten stets im Interesse der Schutzbefohlenen gehandelt – Beschwerden hätte es so gut wie nicht gegeben. Eine Bevorteilung habe sie nicht festgestellt. Seine Dossiers könne man als Vormundschaftsrichter lediglich an einen kleinen Pool von zehn bis 15 Anwälten weiterleiten. Mehr Juristen stünden nicht zur Verfügung.

Die Auswahl der Anwälte würde stets unter Berücksichtigung des Dossiers getroffen werden. Kompliziertere Fälle würden eben an diejenigen gehen, die den Anforderungen gewachsen sind. Luc T. sei eben einer von diesen Anwälten gewesen. Gegen seine Nominierungen habe niemand Einspruch erhoben.


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Eine eindeutige Bevorteilung konnte auch der zuständige Ermittler nicht nachweisen. Er betonte aber ebenfalls, dass Luc T. vor allem kompliziertere Fälle erhalten hätte. Wie die Nachfolgerin von Sandro L. vor Gericht erklärte, würde bei solchen Fällen für die Anwälte auch deutlich mehr Arbeit anfallen, für die sie dann auf Anfrage zusätzlich bezahlt werden können. Dies habe Luc T. auch stets getan.

Diese Vorgehensweise sei zwar nicht vom Gesetz festgeschrieben – man würde dies aber im Vormundschaftsgericht allgemein so handhaben. Den Anwälten stünden ansonsten für ihre Dienste nur kleine monatliche Geldbeträge zu.

Interessenkonflikt

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft betonte indes, dass die Kompetenz der beiden Juristen nicht vom Gericht angezweifelt werde. Es gehe vielmehr um die Frage, ob ein Richter Dossiers betreuen sollte, in denen auch enge Freunde involviert sind. Ein solcher Interessenkonflikt könne nämlich das Urteilsvermögen des Magistrats deutlich einschränken.

Die enge Freundschaft zwischen den Männern war indes in Justizkreisen kein Geheimnis. Sandro L. und Luc T. seien begeisterte Sportler – hätten regelmäßig gemeinsam trainiert und auch Urlaube zusammen verbracht. Deutlich daran gestört habe sich eigentlich kaum jemand, wie mehrere Zeugen am Mittwoch berichteten. Mitte 2015 wurde die Beziehung dann allerdings offiziell intern thematisiert.


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Der ehemalige Richter stritt die Vorwürfe vor Gericht ab. Er leugnete die Freundschaft nicht – einen Einfluss auf seine Arbeit habe sie aber nicht gehabt. Er habe stets gut zwischen Privatem und Beruflichem trennen können. Überhaupt habe er in seiner Funktion als Richter nicht auf Luc T. verzichten können, da so wenige Juristen sich des Aufgabenfeldes annehmen wollen.

Zudem habe er auch mit anderen Anwälten ein gutes und freundschaftliches Verhältnis gepflegt. Dies würde die Arbeit auf dem Vormundschaftsgericht erfordern: Als Richter arbeite man mit den Anwälten zusammen und nicht gegen sie.

Die Verhandlung wird am Donnerstag mit dem Plädoyer der Verteidigung und dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft fortgesetzt.


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