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Echternach: Markenware als Kundenmagnet
Die Stadt Echternach will dem Geschäftesterben einen Riegel vorschieben.

Echternach: Markenware als Kundenmagnet

Foto: Anne-Aymone Schmitz
Die Stadt Echternach will dem Geschäftesterben einen Riegel vorschieben.
Lokales 3 Min. 22.12.2017

Echternach: Markenware als Kundenmagnet

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Echternach soll eine Geschäftsstadt bleiben. Um dies zu erreichen, will die Stadt die Preisspirale bei den Mieten für Ladenflächen bremsen und mit Markenprodukten eine größere Kundschaft anlocken.

In der Abteistadt Echternach feierten vergangene Woche Politiker, Geschäftsleute und Bürger gemeinsam auf dem Marktplatz, als der Abrissbagger innerhalb weniger Stunden große Teile des seit über 20 Jahren leer stehenden und in der Zwischenzeit stark heruntergekommenen Hôtel-Restaurant A la petite marquise beseitigte. Und sie feierten zu Recht. Denn diese Bauruine hat in den beiden letzten Jahrzehnten dem Image der Stadt nachhaltig geschadet.

Doch nicht nur das von den Echternachern als „Schandfleck“ bezeichnete Gebäude ist schuld daran, dass seit zehn oder 15 Jahren immer mehr Geschäfte ihre Türen geschlossen haben und viele Ladenflächen am Marktplatz und in der Fußgängerzone zur Miete oder zum Kauf ausgeschrieben sind. Eine weitere Ursache für dieses Geschäftssterben sind die hohen Mieten, die von einigen Immobilienbesitzern verlangt werden.

Und diesem Problem will die Stadt Echternach gegensteuern. In der ersten Sitzung nach den Wahlen kündigte Bürgermeister Yves Wengler in der Schöffenratserklärung an, dass die CSV-LSAP-Mehrheit im Gemeinderat sich in den nächsten Jahren verstärkt der Förderung des lokalen Handels annehmen wolle.

Läden zu niedrigeren Mieten

Von der Stadtmarketing-Initiative wurden bereits in einer Arbeitsgruppe Ideen ausgelotet. Die Gemeinde selbst hat ihre finanzielle Unterstützung für den lokalen Geschäftsverein erhöht.

Doch dies alleine genügt nicht. „Um die Preisspirale bei den Mieten für Geschäfte zu bremsen, wird die Stadt selbst Ladenflächen schaffen. Bei der Neugestaltung des Geländes der Petite marquise werden im Erdgeschoss 1 000 Quadratmeter Geschäftsflächen gebaut. Diese Läden werden wir nachher zu niedrigeren Preisen vermieten“, sagt Yves Wengler.

Weitere Gewerbeflächen sollen, nach den Vorstellungen des Schöffenrats, zusammen mit dem entlang der Route de Diekirch geplanten Parkhaus entstehen. In einer ersten Fassung des Projektes war an diesem Standort die Eröffnung eines Outletcenters ins Auge gefasst worden. „Auf Anraten ausländischer Experten haben wir allerdings eine leichte Kursänderung vorgenommen“, informiert der Bürgermeister. Ein Outlet soll dort nicht mehr eröffnet werden. Stattdessen will die Stadt die Räume an Hersteller vermieten, die ihre Markenprodukte selbst vertreiben.

Denn Yves Wengler weiß: „Menschen besuchen eine Stadt, weil sie etwas erleben möchten. Sie fahren dorthin, weil es in dem Ort schöne Wanderwege oder ein reichhaltiges Kulturangebot gibt. Und wenn es in jener Stadt auch ein Outlet gibt, werden sie vielleicht auch einkaufen. Das Outlet ist aber nicht der Grund, warum sie diese Stadt besuchen. Markenprodukte werden hingegen schon von Konsumenten als Grund angesehen, weshalb sie in eine Stadt fahren“, betont Yves Wengler, der der Ansicht ist, dass es in der Fußgängerzone, der Halergaass, noch Potenzial für neue Geschäfte gibt.

Echternach war schon im Mittelalter eine Handelsstadt. Und Markenprodukte sollen helfen, dass die Stadt auch künftig noch ein Geschäftsstandort bleibt. „Diese Kundenmagnete werden nur dann wirklich greifen, wenn sie zusammen mit den bestehenden Geschäften Teil eines Gesamtkonzeptes zur Förderung der lokalen Geschäftswelt sind“, unterstreicht Yves Wengler.

Und genau ein solches Konzept lässt die Gemeinde derzeit für 180 000 Euro von einem deutschen Experten für die Abteistadt erstellen. Voraussichtlich im Oktober nächsten Jahres soll die Vorlage fertiggestellt sein.

Leere Läden trotz des Konzepts

„Bei dem Konzept wird ein Standortprofil definiert und ein Businessplan aufgestellt. Sobald wir über diese Unterlagen verfügen, können wir Kontakt zu potenziellen Mietern aufnehmen. Die Gemeinde wird aber entscheiden, mit welchen Herstellern letztendlich Mietverträge abgeschlossen werden. Doch auch ein Aufschwung in der Geschäftswelt wird nie verhindern können, dass künftig noch einige Geschäftslokale leer stehen“, meint Yves Wengler abschließend.


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