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Echternach: Bürger kritisieren Denkmalschutzpläne
Lokales 3 Min. 30.03.2016 Aus unserem online-Archiv

Echternach: Bürger kritisieren Denkmalschutzpläne

Die Gebäude auf dem Echternacher Marktplatz stehen bereits unter Denkmalschutz.

Echternach: Bürger kritisieren Denkmalschutzpläne

Die Gebäude auf dem Echternacher Marktplatz stehen bereits unter Denkmalschutz.
Foto: Anouk Antony
Lokales 3 Min. 30.03.2016 Aus unserem online-Archiv

Echternach: Bürger kritisieren Denkmalschutzpläne

Anne-Aymone SCHMITZ
Anne-Aymone SCHMITZ
In der Echternacher Schule informierte der Schöffenrat am Dienstag die Bürger über die Änderungen im PAG und die Denkmalschutzliste.

(asc) - Die luxemburgischen Gemeinde müssen bei der Überarbeitung ihres allgemeinen Bebauungsplanes (PAG) eine Liste mit schützenswerten Bauten aufstellen. Dies schreibt ein großherzogliches Reglement vor. In den vergangenen Monaten haben auch der Schöffenrat und der technische Dienst von Echternach zusammen mit Mitarbeitern des "Service des sites et monuments nationaux" (SSMN) und des Büros "Zeyen + Baumann" aus Bereldingen eine solche Liste für die Abteistadt angefertigt; sie kann online und im Rathaus eingesehen werden.

Am Dienstagabend informierte der Schöffenrat die Bürger über seine Denkmalschutzpläne. Betroffen sind Gebäude im Altstadtkern und auch in den anderen Stadtteilen von Echternach.

Einige Echternacher Bürger waren zur Informationsversammlung in den Festsaal der Grundschule gekommen.
Einige Echternacher Bürger waren zur Informationsversammlung in den Festsaal der Grundschule gekommen.
Foto: Anne-Aymone Schmitz

Dass der Schöffenrat zusammen mit den externen Experten die Liste ohne vorherige Rücksprache mit den Eigentümern aufstellt, wurde von einem Bürger kritisiert. Der erboste Bürger warf dem Schöffenrat einen "Mangel an Demokratie" vor. Bürgermeister Yves Wengler ließ diesen Vorwurf nicht gelten und erwiderte, dass "der Schöffenrat sich nur an die gesetzlichen Vorgaben halte" und die Prozedur zur Überarbeitung des PAG nun einmal keine Konsultation der Bürger vorsehe. Und sowieso hätten die Immobilienbesitzer im Rahmen der Prozedur Möglichkeiten, Einspruch gegen eine Einstufung in den kommunalen Denkmalschutz zu erheben.

Was können Besitzer gegen eine Einstufung tun?

Alsdann wies Wengler auf die Möglichkeiten hin, um sich gegen eine Denkmalschutzeinstufung zu wehren: Bürger, die bis Mitte April eine schriftliche Beanstandung bei der Gemeinde eingereicht haben, werden vom Schöffenrat zu einem Gespräch eingeladen, kommt es dabei nicht zu einer Einigung, können die Bürger eine schriftliche Beanstandung an den Innenminister richten. Gibt der Minister der Gemeinde Recht, kann der betroffene Immobilienbesitzer vor dem Verwaltungsgericht klagen.

Nichtsdestotrotz hätte die Klassierung eines Gebäudes auch Vorteile für deren Eigentümer, meinte Wengler. Diese Vorteile seien folgende:

  • Unter verschiedenen Bedingungen können sie für Renovierungs-, Sanierungs- und Ausbauarbeiten staatliche Beihilfen beantragen.
  • Wenn die Räumlichkeiten einer anderen Nutzung zugeführt werden, brauchen die Besitzer nicht nachzuweisen, dass genügend Parkplätze vorhanden sind.
  • Besitzer von geschützten Gebäuden müssen nicht die vorgeschriebene Mindestbreite der Treppen von 1,20 Meter im Haus einhalten.
  • Bei unter Denkmalschutz stehenden Häusern ist beispielsweise auch der Bau eines Schuppens in zweiter Reihe erlaubt; das kommunale Bautenreglement verbietet es.
  • Die Energieeffizienzkriterien müssen nicht erfüllt werden, da alte Gebäude wegen der verwendeten Baumaterialien ohnehin schon nachhaltig sind.

Andere Zuhörer sorgten sich über die künftigen Nutzungs- bzw. Umbaumöglichkeiten bei geschützten Gebäuden. Ein Bürger wollte vom Schöffenrat wissen, ob er ein Haus an zwei Familien vermieten dürfe, wenn die Nutzfläche unter der im PAG vorgeschriebenen Mindestgröße von 180 Quadratmetern liege und keine Umbauarbeiten im Gebäude notwendig seien. Wengler wies daraufhin, dass bei Umbauarbeiten oder bei einer anderen Nutzung (ein Einfamilienhaus soll an zwei Haushalte vermietet werden) eine Baugenehmigung bei der Gemeinde beantragt werden müsse, damit diese Änderungen in den Plänen vermerkt werden können.

Zu Beginn der Informationsversammlung hatte Corinne Wahl vom Studienbüro Zeyen + Baumann die Änderungen im PAG vorgestellt. Christina Mayer vom Denkmalschutzamt war ihrerseits auf den gesetzlichen Rahmen des Denkmalschutzes und die diversen Beihilfen eingegangen, welche ein Hausbesitzer bei einer Renovierung, einem Umbau oder einem Ausbau beantragen kann. Zudem hatte sie die Bedingungen erläutert, unter denen Arbeiten an einem denkmalgeschützten Gebäude durchgeführt werden.

Dort, wo das Duchscher-Haus stand, klafft eine große Lücke.
Dort, wo das Duchscher-Haus stand, klafft eine große Lücke.
Foto: Laura Denter

Wie nicht anders zu erwarten, brachte auch ein Echternacher Bürger bei dem Treffen den vor wenigen Wochen erfolgten Abriss des einstigen Wohnhauses des Industriellen André Duchscher zur Sprache. Er wollte wissen, ob das historische Haus, das einem Immobilienprojekt weichen muss, nicht aufgrund des Denkmalschutzkriteriums "Schutz der Gebäudehülle" wieder aufgebaut werde. "Nein, das wird leider nicht passieren. Hätte die Liste der schützenswerten Gebäude bei der Beantragung dieser Baugenehmigung schon bestanden, dann hätte der Abriss des Hauses verhindert werden können", sagte der Bürgermeister.

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