Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Dys“kriminierung verhindern
Lokales 2 Min. 11.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Fünfte Ausgabe der „Journée des DYS“

„Dys“kriminierung verhindern

Nachteilsausgleich: KInder mit Dysfunktionen sind darauf angewiesen, dass Lernrhythmus und Tests an ihre Bedürfnisse angepasst sind.
Fünfte Ausgabe der „Journée des DYS“

„Dys“kriminierung verhindern

Nachteilsausgleich: KInder mit Dysfunktionen sind darauf angewiesen, dass Lernrhythmus und Tests an ihre Bedürfnisse angepasst sind.
Foto: Marc Wilwert
Lokales 2 Min. 11.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Fünfte Ausgabe der „Journée des DYS“

„Dys“kriminierung verhindern

Kinder, die auffällige Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, des Schreibens und/oder des Rechnens haben, haben ein Recht auf einen angepassten Lernrhythmus in der „normalen“ Schule. Hierfür setzt sich die Vereinigung „Dysphasie“ ein.

(chp) - Montagmorgen, 6 Uhr, Hauptbahnhof: Eltern von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen setzen ihre Sprösslinge in drei Busse, welche die Kinder und Jugendlichen ins Internat nach Belgien fahren. Hier verbringen sie die Woche in einem schulischen System, das auf ihre besonderen Anforderungen eingeht.

Kinder, die auffällige Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, des Schreibens und/oder des Rechnens haben, haben ein Recht auf einen angepassten Lernrhythmus in der „normalen“ Schule. Derartige Sprachentwicklungsstörungen müssen früh erkannt werden, um eine Integration der betroffenen Kinder in den schulischen und später den beruflichen Alltag zu ermöglichen und eine Diskriminierung zu vermeiden. Hierfür setzt sich die Vereinigung „Dysphasie“ ein.

Der 10. Oktober ist in Frankreich der nationale Tag der DYS (Journée nationale des DYS). Ein Tag, an dem im ganzen Land auf Sprachentwicklungsstörungen bzw. Dysfunktionen (u. a. Dysphasie, Dyslexie und Dyskalkulie) aufmerksam gemacht wird.

In Luxemburg erfahren Sprachentwicklungsstörungen (SES) noch nicht so viel Aufmerksamkeit wie im Nachbarland, doch die „Dysphasie“ arbeitet daran, diesen Umstand zu ändern. Ihre Ziele sind:

- die Sensibilisierung der Eltern betroffener Kinder und des Bildungspersonals,

- die Bereitstellung eines Hilfsangebots zur Förderung dysfunktionaler Kinder,

- die Unterstützung der Eltern bei der Suche nach einer angepassten Lösung für ihr Kind.

Hintergrundwissen

Eine Sprachentwicklungsstörung bedeutet nicht gleichzeitig auch eine negativ auffällige Allgemeinbegabung. Zwar ist es in der Regel so, dass eine Störung, d. h. eine Dysfunktion, nicht isoliert vorkommt, sondern dass ein Kind, das unter einer Leseschwäche leidet, gleichzeitig noch mit anderen Dysfunktionen (z. B. Schreibschwäche oder Rechenschwäche) zu kämpfen hat; allerdings – und das ist zu betonen – bedeutet eine Dysfunktion nicht automatisch eine vergleichsweise geringe Allgemeinbegabung des Kindes.

Fest steht allerdings, dass eine Dysfunktion nicht geheilt werden kann. Man kann und muss an ihr arbeiten, um die Auswirkungen der Störung zu minimieren. Allerdings müssten die schulischen Anforderungen an die Fähigkeiten betroffener Kinder angepasst werden (Nachteilsausgleich), um die Kinder nicht auszugrenzen. Die Kinder dürften nicht isoliert werden, sondern müssten in den Alltag integriert werden, um ihnen keine Chancen zu verbauen und sie nicht in einen Teufelskreis geraten zu lassen, so Mario Huberty und Christiane Flammang von der „Dysphasie“.

Die aktuelle Lage

Derzeit seien die Bedingungen, was Information, Diagnose, Hilfeleistungen usw. angehe, allerdings noch weit vom Ideal entfernt. Ein Beispiel: Die anfangs genannten Kinder, die nach ihrer schulischen Ausbildung in Belgien mit ihrem Schulabschluss in der Tasche nach Luxemburg zurückkehren, sind wieder am Punkt Null angekommen. Ihr Abschluss, mit dem sie in Belgien arbeiten könnten, wird hier nicht anerkannt. Luxemburg fordert eine zusätzliche einjährige Ausbildung in Form eines unbezahlten Praktikums, das sich die Eltern nur im Idealfall leisten können, um ihrem inzwischen 18-jährigen Nachwuchs eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bieten. Idealfälle sind leider nicht die Regel.

Es bestehe ganz klar Handlungsbedarf und es gehe schlicht und einfach darum, ein Problem zu erkennen, es zu behandeln und die Auswirkungen des Problems zu minimieren – so gut es gehe, und zwar nicht nur im Interesse aller direkt und indirekt Betroffenen, sondern im Interesse der gesamten Gesellschaft, so Mario Huberty.

Weitere Informationen sind erhältlich an einem Informationsstand, der am Samstag auf dem Rathausplatz in Esch/Alzette organisiert wird, oder telefonisch unter Tel. 661 602 602 oder via E-Mail über dys@pt.lu.