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Durchwachsene Bilanz
Lokales 3 Min. 04.09.2018 Aus unserem online-Archiv

Durchwachsene Bilanz

Dass der Karschnatz bereits zwei Wochen früher als sonst begonnen hat, ist auf das ungewöhnlich heiße und trockene Wetter der vergangenen
Monate zurückzuführen.

Durchwachsene Bilanz

Dass der Karschnatz bereits zwei Wochen früher als sonst begonnen hat, ist auf das ungewöhnlich heiße und trockene Wetter der vergangenen
Monate zurückzuführen.
Charles REISER
Lokales 3 Min. 04.09.2018 Aus unserem online-Archiv

Durchwachsene Bilanz

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Das Wetter der vergangenen Monate hatte unterschiedliche Auswirkungen auf Getreide und Raps. Wegen eines Pilzbefalls im Frühjahr bricht Letzterer um bis zu 20 Prozent ein.

Nach dem frühesten Karschnatz aller Zeiten liegt die Getreideernte auf dem Niveau der Vorjahre. Dürre und Trockenheit führen beim Raps zu Einbußen. Schätzungen zufolge belaufen sich die vorläufigen Dürreschäden beim Mais bereits auf mehr als zwei Millionen Euro.

Während viele Menschen die für luxemburgische Verhältnisse ungewöhnlich hohen Temperaturen im Juli und August zum Faulenzen im Freien genutzt haben, mussten die heimischen Landwirte früher als gewohnt beim Einholen der Ernte auf ihren Feldern schwitzen. Nach Beendigung des sogenannten Karschnatzes ziehen die Verantwortlichen aus dem Landwirtschaftssektor eine erste Bilanz; diese fällt je nach Bereich sehr unterschiedlich aus.

„Der Ertrag wird wohl etwas höher als 2017 ausfallen“, erklärt Steve Turmes, Geschäftsführer der Luxemburger Saatbau Genossenschaft (LSG), bei der diesjährigen Erntebilanz in den neuen Räumlichkeiten von Versis. Dabei bezieht er sich auf die Getreideernte.

Die sehr hohen Temperaturen der vergangenen zwei Monate hatten nämlich keinen entscheidenden Einfluss mehr auf die Entwicklung des Saatgutes. Ganz im Gegenteil zum eher milden Winter und extrem feuchten Frühling, deren Folgen sich sowohl beim Ertrag als auch bei der Qualität des Getreides positiv bemerkbar machen. Auffallend sei, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben quer durch das Großherzogtum im Vergleich zum Vorjahr kleiner ausfallen, so Steve Turmes.

Es war dies zudem der früheste Karschnatz aller Zeiten in Luxemburg. Bereits am 2. Juli wurde die erste Gerste geliefert und am 25. Juli die letzte. Bei Triticale und Weizen starteten die Lieferungen am 16. respektive 18. Juli und sie werden aller Voraussicht nach diese respektive kommende Woche enden.

Raps bricht ein

Anders stellt sich die Situation beim Raps dar. Dort verzeichnet man Ertragseinbußen von 15-20 Prozent. Schuld ist in erster Linie ein feuchtigkeitsbedingter Pilzbefall im Frühling. Dabei kommen diese wetterbedingten Ausfälle zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt, denn die Rapsproduktion befindet sich bereits seit einigen Jahren auf dem Rückzug. Zwischen 2014 und 2017 hat die Zahl der Anbauflächen um ein Drittel abgenommen. „Sie lag im Vorjahr noch bei 3 500 Hektar und dürfte mittlerweile noch einmal kleiner geworden sein“, schätzt Klaus Palzkill, Vorstandsmitglied von De Verband.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Einerseits befindet sich der Raps global auf dem Rückzug, da er zunehmend vom Soja verdrängt wird. Andererseits sorgen einige gesetzlichen Vorschriften bei den heimischen Bauern für Verunsicherung.

So ist der erste Einbruch beim Rapsanbau im Jahr 2014 auf ein Verbot des Einsatzes von Insektiziden und sogenannter Beizmittel zurückzuführen. 2015 kamen weitere Einschränkungen hinzu. Mit Blick auf diese Verbote moniert Klaus Palzkill, dass diese vielen Landwirten willkürlich erscheinen. So werden einige Pflanzenschutzmittel in Luxemburg als Gefahr für Bienen eingestuft, während dies in Deutschland nicht der Fall ist. Da bei einem Verstoß gegen diese Vorschriften teilweise hohe Geldstrafen drohen, lassen viele Bauern lieber gleich die Finger vom Rapsanbau.

Der Raps wird allerdings nicht eins zu eins von einer anderen Kultur ersetzt. Vielmehr verteilen sich die frei gewordenen Kapazitäten gleichmäßig auf mehrere Sorten.

Hohe Kosten für Versicherer

Da die Maisernte noch nicht abgeschlossen ist, kann zwar noch keine abschließende Bilanz gezogen werden, doch die Prognosen sind alles andere als erfreulich. So bezifferte Landwirtschaftsminister Fernand Etgen die bisherigen Kosten der durch Trockenheit bedingten Ernteausfälle auf zwei bis 2,5 Millionen Euro. Rund 40 Prozent aller Anbauflächen für Mais sind momentan gegen Trockenheit versichert. Daher richtet der Minister einen Appell an alle Landwirte, sich eine solche Versicherung zuzulegen.

Doch nicht nur extreme Trockenheit, sondern auch andere Wetterkapriolen haben 2018 für Ernteausfälle gesorgt. So ist ein Großteil der Schäden an Obst und Gemüse auf heftige Hagelschauer zurückzuführen. Die Kosten in diesem Bereich belaufen sich auf rund 500 000 Euro.


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