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Durchbruch mit Verzögerung in Schifflingen
Die 1400-Tonnen-Stahlbetonkonstruktion tat sich schwer, um zu ihrem definitiven Standort geschoben zu werden.

Durchbruch mit Verzögerung in Schifflingen

Foto: Raymond Schmit
Die 1400-Tonnen-Stahlbetonkonstruktion tat sich schwer, um zu ihrem definitiven Standort geschoben zu werden.
Lokales 3 Min. 02.04.2018

Durchbruch mit Verzögerung in Schifflingen

Es war eine Schwergeburt. Am Osterwochenende wurde in Schifflingen eine 1.400 Tonnen schwere Tunnelkonstruktion aus Eisenbeton unter die Bahngleise geschoben. Geduld war gefragt.

(rsd) - Eigentlich war das Unternehmen am Ostersonntag für 16 Uhr angesetzt und sollte eine halbe Stunde dauern. Aber schon im Vorfeld teilte die Gemeinde Schifflingen mit, dass dieser Zeitplan nicht einzuhalten sei. Es würde wohl bis 18 Uhr dauern, ließ man verlauten, bis sich der Koloss aus Beton und Stahl in Bewegung setzten würde. Auch das war etwas optimistisch. Vor Ort erklärte man, dass sich das Unternehmen wahrscheinlich um zwei weitere Stunden verzögern würde.

20 Uhr. Die Betonkonstruktion stand noch immer an derselben Stelle. Eine bis zwei Stunden Geduld müsse man wohl noch aufbringen, meinte ein Ingenieur. Auch ihm konnte man eine gesunde Portion Optimismus nicht absprechen. Es dauerte schließlich bis 4.15 Uhr am Ostermontag, bis man den Koloss unter Scheinwerferlicht an seinen definitiven Standort geschoben hatte. Bürgermeister Paul Weimerskirch, der bis zum bitteren Ende ausharrte, war sichtlich erleichtert. Das Unternehmen war, sieht man einmal von der zeitlichen Verzögerung ab, ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen.

Untergrund falsch eingeschätzt

Dass es zwölf Stunden länger dauerte als geplant, bis man die Stahlbetonkonstruktion unter die Gleise geschoben hatte, ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass man den Untergrund nicht zu 100 Prozent richtig eingeschätzt hatte. In der Tat wich die Bodenbeschaffenheit von den Ergebnissen der Untersuchungen ab, die im Vorfeld durchgeführt worden waren. Das führte dazu, dass zusätzlich Sand und Kies angekarrt werden mussten, um den Untergrund zu stabilisieren.

Bei dem Unternehmen wurde erstmals in Luxemburg ein neues Verfahren eingesetzt. Es besteht darin, dass ein Luftkissen erzeugt wird, auf dem der Betonkoloss zu seinem Standort geschoben wird. Auch wenn die Vorgehensweise für das Großherzogtum neu ist, so hat es sich aber schon vielfach bewährt. Im Ausland hat die Firma, die für das nicht alltägliche Unternehmen verantwortlich war, schon 600 ähnliche Aufträge erfolgreich durchgeführt.

Im Vorfeld musste der Untergrund weiter stabilisiert werden. Das führte zu Verzögerungen.
Im Vorfeld musste der Untergrund weiter stabilisiert werden. Das führte zu Verzögerungen.
Foto: Raymond Schmit

Die Stahlbetonkonstruktion, die vor Ort gegossen wurde, ist Teil des Tunnels, durch den der Verkehr in Zukunft vom Verteilerkreis in Richtung Ortschaftszentrum rollen wird. Nachdem sie unter die Bahngleise geschoben wurde, können die eigentlichen Straßenbauarbeiten beginnen. Man rechnet damit, dass die neue Zufahrt Mitte September für den Verkehr freigegeben werden kann. Dann wird es auch möglich sein, die beiden Bahnübergänge im Zentrum, an denen sich regelmäßig lange Warteschlangen bilden, definitiv zu schließen.

Der dritte Bahnübergang in der Nähe des früheren Hüttenwerks Esch-Schifflingen wird vorerst in Betrieb bleiben. Bis über dessen Zukunft entschieden wird, will man abwarten, wie sich der Verkehr nach der Inbetriebnahme der neuen Zufahrtsstraße entwickeln wird. Das habe man mit der Eisenbahngesellschaft und der Straßenbauverwaltung vereinbart, so Bürgermeister Paul Weimerskirch.

Schienen entfernt

Wegen des nicht alltäglichen Unternehmens hatten die Schienen im Bereich des Schifflinger Bahnhofs entfernt werden müssen. Nachdem der Betonkoloss eingeschoben ist, werden sie neu verlegt. Diese Arbeiten sollen bis Mittwochabend abgeschlossen sein, so dass theoretisch der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden könnte. Allerdings wird in den kommenden zwei Wochen kein Zug auf der Strecke Bettemburg-Esch verkehren, weil noch Arbeiten auf dem Bahnsteig in Schifflingen durchgeführt werden.

Im Rahmen des Projekts wird auch ein Lärmschutzwall längs der Bahngleise in Schifflingen angelegt. Diese Arbeiten sollen im Herbst beginnen und im Juni 2019 abgeschlossen sein. Die Kosten für das Gesamtunternehmen belaufen sich voraussichtlich auf 48 Millionen Euro. Davon übernimmt die Gemeinde Schifflingen sieben Millionen.

Am Sonntag wurde auch eine neue Fußgängerunterführung angelegt, die die beiden Wohnsiedlungen „Op Soltgen“ an „Op Huddelen“ miteinander verbindet. Bei diesen Arbeiten konnte der Zeitplan eingehalten werden.


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