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Dürre setzt der Landwirtschaft zu
Lokales 1 2 Min. 30.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Dürre setzt der Landwirtschaft zu

Besonders die Maiskulturen leiden unter der Trockenheit.

Dürre setzt der Landwirtschaft zu

Besonders die Maiskulturen leiden unter der Trockenheit.
Chris Karaba
Lokales 1 2 Min. 30.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Dürre setzt der Landwirtschaft zu

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Zwei Monate mit nur einem Tag Regen haben die Landwirtschaft vor Probleme gestellt. Vor allem beim Mais ist mit Ausfällen zu rechnen.

Die anhaltende Dürre hinterlässt ihre Spuren und bringt vor allem die Landwirtschaft unter Druck: Während das Getreide bereits eingefahren wurde und dort nur leichte Einbußen festzustellen sind, trifft es vor allem den Maisanbau. „Es ist noch zu früh um eine definitive Bilanz zu ziehen, aber ein bisschen Regen in den nächsten Wochen wäre sehr willkommen, so Landwirtschaftsminister Fernand Etgen.


Umschwung
Das Klima zeigt sich immer mehr von der extremen Seite, ihm gegenüber steht, oft machtlos, der Mensch. Er muss umdenken, sich umstellen.

Seit Mitte Juni hat es in Luxemburg nicht mehr ergiebig geregnet. Nur vereinzelte Gewitter und Schauer brachten lokale Niederschläge. Zu wenig für die Landwirtschaft. Zusammen mit den aktuell hohen Temperaturen führte dies zu einer regelrechten Dürre. "Die Situation ist zwar noch nicht vergleichbar mit den zum Teil katastrophalen Zuständen im Ausland, aber die Dürre zeigt doch ihre Konsequenzen", so Etgen. Betroffen sind vor allem auch der Kartoffelanbau sowie das Grünland. Viel Mais ist jetzt bereits im Häcksler gelandet, bei den Kartoffen hilft später Regen nicht wirklich, weil sich Zweitknollen bilden, die bis zur Ernte nicht mehr reif werden.

Versicherung gegen Ausfall

Zumindest für das Grünland besteht aber neuerdings die Möglichkeit, eine spezielle Versicherung abzuschließen und so den Futterausfall abzusichern. Etgen erinnert auch daran, dass die Landwirtschaft bereits bei den schweren Regenfällen Anfang Juni in Mitleidenschaft gezogen wurde. Damals entstand alleine für die Landwirtschaft Materialschaden in Höhe von 500.000 Euro. Auch die Winzer würden sich über etwas Regen freuen, erklärte Etgen. "Die Sonne bringt zwar die nötige Qualität, aber es fehlt eindeutig an Quantität." Besonders dramatisch ist die Lage im Gemüseanbau. Ohne Bewässerung geht hier gar nichts, die Wasserpreise machen das ganze Geschäft aber zunichte.

Bewässern der Felder, wie es in Frankreich betrieben wird, macht in Luxemburg keinen Sinn. "Die Wasserreserven sind zu niedrig und die Topografie eignet sich nicht für die riesigen Geräte", so Marc Weyland, Direktor der agrartechnischen Verwaltung ASTA, "das Bewässern ist in diesem Sinne auch kein Zukunftsmodell für die Landwirschaft." Anders sieht es hingegen beim Anbau neuer Sorten aus, die mit dem Klimawandel in Luxemburg heimisch werden können. Aktuell laufen bereits Versuche mit Soja.  

32 Wetterstationen

Weil der meteorologische Aspekt für die Landwirtschaft schon immer von großer Bedeutung war, verlässt sich die ASTA auf ihre eigene meteorologische Abteilung die von Dr. Andrew Ferrone geleitet wird. Insgesamt verfügt die ASTA über ein modernes Messnetz bestehend aus 32 Stationen. Die Messungen erfolgen alle 10 Minuten automatisch und werden an die ASTA geleitet. Über die Internetseite agrimeteo.lu stehen die Angaben dann der Öffentlichkeit zur Verfügung. "Die Messungen in Luxemburg-Stadt begannen bereits 1838, aber unsere meteorologische Abteilung funktioniert seit 1907", erklärt Andrew Ferrone.


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Die langen Messreihen erlauben Analysen und Rückschlüsse was Temperatur und Niederschlagsentwicklung betrifft. Zudem können die Landwirte mit Hilfe von Modellen beraten werden und Anbaumethoden eventuell anpassen. Was den Klimawandel betrifft, so müssen Wetterdaten aus mindestens 60 Jahren ausgewertet werden, um langjährige Trends zu erkennen, so Ferrone. "Was wir zurzeit erleben, ist wahrscheinlich nur ein Vorgeschmack auf das, was uns künftig erwartet." Ferrone verweist dabei auf eine kürzlich veröffentlichte internationale Studie die belegt, dass die aktuelle Hitzewelle in Europa durch den Klimawandel doppelt so wahrscheinlich  geworden ist, als dies bei einem stabilen Klima der Fall gewesen wäre.


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