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Drogenhandel im hauptstädtischen Bahnhofsviertel: Versteckt, nicht umgezogen
Lokales 2 Min. 19.02.2016

Drogenhandel im hauptstädtischen Bahnhofsviertel: Versteckt, nicht umgezogen

Notdürftig entsorgte Drogenutensilien: Benutzte Einwegspritzen in einer Regenrinne in einem Hinterhof in der hauptstädtischen Rue de Strasbourg.

Drogenhandel im hauptstädtischen Bahnhofsviertel: Versteckt, nicht umgezogen

Notdürftig entsorgte Drogenutensilien: Benutzte Einwegspritzen in einer Regenrinne in einem Hinterhof in der hauptstädtischen Rue de Strasbourg.
Foto: Steve Remesch
Lokales 2 Min. 19.02.2016

Drogenhandel im hauptstädtischen Bahnhofsviertel: Versteckt, nicht umgezogen

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Auch wenn die Drogengeschäfte im Bahnhofsviertel tagsüber deutlich weniger sichtbar sind, hat sich die hauptstädtische Szene keineswegs in andere Landesteile verlagert.

Von Steve Remesch

Die hauptstädtischen Drogenhändler sind nicht nach Esch oder Ettelbrück umgezogen. Beide Städte haben seit Jahren, wie andere auch, eine eigene Szene. Die Dealer aus dem hauptstädtischen Bahnhofsviertel haben sich lediglich an die neue Situation angepasst.

Ihnen ist offensichtlich bewusst geworden, dass sie tagsüber wesentlich stärker auffallen und sie von den Anwohnern als Störfaktor angesehen werden. Die Chance von der Polizei kontrolliert zu werden ist zudem deutlich größer.

Deswegen machen sich die Dealer derzeit am helllichten Tag rar, und man kann immer wieder Suchtkranke dabei beobachten, die verzweifelt durch die Fenster von Gaststätten und Schnellrestaurants blicken, um nach einem Drogenverkäufer Ausschau zu halten.

Am Abend erwacht das Milieu

Mit Einbruch der Dunkelheit ändert sich die Situation schlagartig. Am frühen Abend werden die Drogengeschäfte, von Passanten gut erkennbar, in der Avenue de la Gare und in der Avenue de la Liberté aufgenommen.

So etwa am Mittwochabend kurz nach 18 Uhr genau dort, wo es kürzlich zu einer Messerstecherei gekommen war. Zwei Männer, die sich offensichtlich kennen, nehmen Blickkontakt auf, tauschen schnell und mit geschlossener Hand etwas aus – aller Wahrscheinlichkeit kein Kaugummi. Dann entfernt sich der mutmaßliche Kunde wieder zügig.

Je später der Abend desto stärker nehmen die Straßengeschäfte zu. Auch in der Rue de Strasbourg und in den angrenzenden Straßen. Ihre Vorgehensweise ist bekannt: In Sichtweite von zwei Aufpassern bewegen sich kleine Gruppen mit drei oder vier Mann. Die Kundschaft begleitet sie ein Stück und verschwindet dann in auffälliger Eile.

Zehn Ermittler arbeiten in der Drogenabteilung des hauptstädtischen „Service de recherche et d'enquête criminelle“, und diese Beamte der regionalen Kriminalpolizei dürften sich eher nicht über mangelnde Arbeit beklagen. In der gesamten Polizeiregion Esch/Alzette sind nur zweieinhalb Beamte ausschließlich mit der Bekämpfung des Drogenhandels befasst. Allerdings gab es in Esch 2015 auch zwei abteilungsübergreifende Sokos.

Abwanderung unwahrscheinlich

Es ist zwar nicht auszuschließen, dass die hauptstädtischen Dealergruppen ihre Aktivitäten in den Süden des Landes ausdehnen, bislang gibt es dafür aber keine Hinweise. Es wäre auch wenig ratsam für die Drogenhändler von einem ihnen bestens bekannten Terrain, an einen Ort abzuwandern, an dem sie über keinerlei Infrastrukturen und Netzwerke verfügen. Die Kundschaft dürfte zudem schwer von einer täglichen Zugfahrt in den Süden zu überzeugen sein.

Sollte die Polizei auch noch Wochen nach einer möglichen Beruhigung den Druck auf die Szene im hauptstädtischen Bahnhofsviertel aufrechterhalten, ist wohl eher mit einer Verlagerung in angrenzende Gewerbegebiete zu rechnen. So etwa jenes in Howald oder jenes in Hollerich. Hier dürfte auch der öffentliche Druck auf die Politik schnell nachlassen, da es kaum Anwohner gibt, die sich bedroht fühlen könnten.

Politische Prioritäten

Das Problem der Drogenkriminalität wird damit nicht gelöst. Selbst hartgesottene Kriminalermittler sind nicht überzeugt davon, dass reine Repression dauerhaft Sinn macht. Neben einem zeitgemäßeren Drogengesetz würde auch eine politische Agenda Sinn machen, in dem jährliche Ziele in der Drogenbekämpfung festgelegt würden und in dem die Mittel für die jeweilige Herausforderung zur Verfügung gestellt werden sollen.


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