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Drogenbande aus Guinea-Bissau: Anklage will Exempel statuieren
Die Bande nutze laut den Ermittlern eine Kneipe in der Rue Joseph Junck als Umschlagplatz.

Drogenbande aus Guinea-Bissau: Anklage will Exempel statuieren

Foto: Steve Remesch
Die Bande nutze laut den Ermittlern eine Kneipe in der Rue Joseph Junck als Umschlagplatz.
Lokales 12.12.2016

Drogenbande aus Guinea-Bissau: Anklage will Exempel statuieren

Michel THIEL
Michel THIEL
Im Prozess gegen neun Mitglieder einer mutmaßlichen Drogenbande forderte die Staatsanwaltschaft am Montag Haftstrafen nahe an der Höchststrafe. Die Verteidigung zeigte sich angesichts der ihrer Ansicht nach dünnen Beweislage empört.

(mth) - Zwischen acht und vier Jahren Haft ohne Bewährung – so lautet der Strafantrag der Staatsanwaltschaft gegen neun Mitglieder eines mutmaßlichen Drogenhändlerrings aus Guinea Bissau, die sich seit vergangener Woche in der Hauptstadt vor Gericht verantworten mussten.

Die Bande soll zwischen Ende 2014 und dem Zeitpunkt ihrer Verhaftung im Dezember 2015 eine nicht näher bekannte, aber im einstelligen Kilobereich liegende Menge an Heroin sowie eine geringere Menge an Kokain im hauptstädtischen Bahnhofsviertel sowie zeitweilig auch in Esch/Alzette verkauft haben.

Ihnen wird zudem der Import der illegalen Rauschmittel sowie das Weißwaschen des Erlöses aus den Drogengeschäften vorgeworfen. Die Höchststrafe für diese Tatbestände liegt bei zehn Jahren.

Die Staatsanwaltschaft basiert ihre Anklage auf die Erkenntnisse der Ermittler, welche die Bande nicht nur zum Teil beim Verkauf der Drogen beobachtet, sondern zudem deren Telefone abgehört hatte.

Zweifelhafte, aber belastende Aussagen

Als zusätzliche Indizien wurden 35 Aussagen von Drogenkonsumenten verwertet, welche jedoch nicht als Aussagen unter Eid gelten können. Ein Ansatz, der von den Verteidigern der Angeklagten stark kritisiert wurde.

Die Aussagen seien wertlos, da sie zum Großteil von Individuen stammten, die im Drogenhandel in Konkurrenz zu den Angeklagten stünden. Die Verteidiger sahen die Strafforderungen als völlig überzogen an und waren der Meinung, die Staatsanwaltschaft wolle so lediglich ein Exempel statuieren.

Diese Strategie werde ohne reelle Wirkung auf den Straßenhandel mit Drogen bleiben, welcher ohnehin auch ohne das Zutun der Angeklagten quasi ohne Unterbrechung weiter laufe. Das Urteil soll am kommenden 26. Januar gesprochen werden.


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18.11.Gare /  rue Joseph Junck / Fokus Drogenhandel Foto:Guy Jallay