Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Drittes Alibi für Marc Scheer
Lokales 3 Min. 02.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Drittes Alibi für Marc Scheer

Tatortermittler im Einsatz am Wohnhaus von Colonel Wagner.

Drittes Alibi für Marc Scheer

Tatortermittler im Einsatz am Wohnhaus von Colonel Wagner.
Foto: Lé Sibenaler
Lokales 3 Min. 02.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Drittes Alibi für Marc Scheer

Um 23.13 Uhr erschütterte am 23. März 1985 eine gewaltige Explosion ein Wohnhaus in der Rue Jean-Baptiste Esch in Belair. Auf die Wohnung des am 1. Oktober des Vorjahres in den Ruhestand getretenen Gendarmerie-Kommandanten Jean-Pierre Wagner wurde ein Anschlag verübt. Einem der beiden Beschuldigen der Bommeleeër-Affäre gibt nun ein ehemaliger Gendarm ein Alibi.

(str) - Um 23.13 Uhr erschütterte am 23. März 1985 eine gewaltige Explosion ein Wohnhaus in der Rue Jean-Baptiste Esch in Belair. Auf die Wohnung des am 1. Oktober des Vorjahres in den Ruhestand getretenen Gendarmeriekommandanten Jean-Pierre Wagner wurde ein Anschlag verübt – der letzte in einer Serie, die auch heute noch Kreise zieht. Einem der beiden Beschuldigen der Bommeleeër-Affäre gibt nun ein ehemaliger Gendarm ein Alibi. Er habe Marc Scheer an diesem Abend im Einsatz in Monnerich gesehen.

Am Abend des Anschlags sei er zu Fuss mit seinem Hund auf einem Feldweg unterwegs gewesen, erzählt Guy Schmit, damals Brigadier-Chef bei der Gendarmerie in Monnerich. „Ich habe dann ein verdächtiges Auto gesehen, das um einen Hochspannungsmast kreiste“, fährt der 55-Jährige fort. „Als die Insassen mich erblickten, folgte der Wagen mir im Schritttempo und auf Distanz. Wenn ich stehen blieb, hielt das Auto ebenfalls an. Wenn ich weiterging, folgte es mir wieder.“

Suzuki-Jeep mit Alfa-Kennzeichen

Als Guy Schmit den Ortseingang erreichte, zog der Wagen an ihm vorbei. „Als der Wagen eine Straßenlaterne passierte, konnte ich das Fahrzeug und die Insassen deutlich sehen. Aus einer berufsbedingten Macke heraus habe ich mir das hell beleuchtete Kennzeichen mit einem Kugelschreiber auf der Handfläche notiert“, erinnert sich der Ex-Gendarm. Zurück in seiner Wohnung verständigte er die Leitstelle der Gendarmerie und machte Meldung zu dem verdächtigen Wagen – einem Suzuki-Jeep.

In der Hauptstadt waren die Ordnungskräfte an diesem Abend in allerhöchster Alarmbereitschaft. Am Rande der Uraufführung der „Revue“ mit dem Titel „Knuppefreed“ im Stadttheater wurde mit einem Anschlag gerechnet. „Knapp 30 Minuten später tanzte dann auch schon die ganze Kavallerie in Monnerich an“, fährt Schmit fort. „Den leitenden Offizier habe ich wegen seines arroganten Auftretens bis heute nicht vergessen. Lieutenant H. setzte gleich an, meine Beobachtungen ins Lächerliche zu ziehen.“ Als Argument habe der Offizier vorgebracht, das Kennzeichen passe zu einem Alfa Romeo und der stehe bei seinem Besitzer in der Garage.

Marc Scheer am Steuer

Gemeinsam sei man dann zu den Hochspannungsmasten gefahren, wo auch deutliche Fahrspuren des Geländewagens zu erkennen gewesen seien. „Dennoch versuchte mich der Offizier offensichtlich für dumm zu verkaufen“, erzählt der Zeuge. „Ich saß hinten im Wagen, auf dem Beifahrersitz saß H. und Marc Scheer war der Fahrer. Irgendwann ging mir H. derart gegen den Strich, dass ich Marc sagte, er solle mich bitte heimfahren, ich hätte das nicht nötig.“

Wenige Augenblicke später, kurz nach 23 Uhr, sei dann über Funk die Meldung eingegangen, bei dem pensionierten Gendarmeriekommandanten Wagner sei eine Bombe explodiert. Die Gendarmen seien dann in aller Eile Richtung Luxemburg-Stadt abgezogen. Das verdächtige Benehmen der Insassen des Geländewagens könnte demnach ein Ablenkungsmanöver gewesen, um die Sicherheitskräfte von der Stadt aufs Land zu locken, um dann ungestört zur Tat zu schreiten. Weiterführende Untersuchungen in Monnerich gab es Schmit zufolge nicht.

Wem gehörte der Suzuki-Geländewagen?

Ein Suzuki-Geländewagen taucht indes noch ein zweites Mal im Ermittlungsdossier Bommeleeër auf. Am Tag vor dem Anschlag am Findel wollen zwei Zeugen einen derartigen Wagen am Flughafenzaun gesehen haben - mit reichlich Werkzeug und Kabeln, die auch Zündschnüre sein könnten. Und auch beim Anschlag auf einen Hochspannungsmast in Itzig wurden Spuren eines Jeeps gesichert.

Für Marc Scheer ist dies nun das dritte Alibi. Ein Zeuge hatte Ende Januar eidesstattlich erklärt, er habe beim Anschlag auf den EG-Gipfel am Kirchberg mit Wilmes und Scheer in der Pressebar des Konferenzzentrums Kaffee getrunken. Ein weiterer Zeuge bestätigte diese Woche, dass beide Angeklagten am Abend der Explosion in den Kasematten in Asselscheuerhof im Einsatz waren.