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Drei Haftstrafen und ein Freispruch : Gericht behält Messerstich von Polizeischüler zurück
Lokales 2 Min. 31.05.2017

Drei Haftstrafen und ein Freispruch : Gericht behält Messerstich von Polizeischüler zurück

Einem Schüler war die Vereidigung im September 2015 verweigert worden.

Drei Haftstrafen und ein Freispruch : Gericht behält Messerstich von Polizeischüler zurück

Einem Schüler war die Vereidigung im September 2015 verweigert worden.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 31.05.2017

Drei Haftstrafen und ein Freispruch : Gericht behält Messerstich von Polizeischüler zurück

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Ein ehemaliger Polizeischüler, der sich wegen seiner Verwicklung in eine Schlägerei vor Gericht verantworten musste, wurde am Mittwoch zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

(str/SH) -  Ein ehemaliger Polizeischüler, der sich wegen seiner Verwicklung in eine Auseinandersetzung im Februar 2015 vor einer Diskothek in Limpertsberg vor Gericht verantworten musste, wurde am Mittwoch zu einer dreimonatigen Haftstrafe auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt.

Im Prozess stand der Vorwurf im Raum, dass Neal F. einen Kontrahenten bei der Schlägerei mit einem Taschenmesser im Gesicht verletzt haben soll. Der Beschuldigte gab zwar zu, ein Messer bei sich getragen zu haben, bestritt aber vehement dieses auch eingesetzt zu haben. Das Messer wurde nie gefunden.

Provokation vs. Notwehr

Die Richter sahen den Messereinsatz bei der Urteilsfindung jedoch als erwiesen an. Gleichzeitig hielten sie aber fest, dass die Körperverletzung auf eine Provokation hin erfolgt sei. In diesem Fall sieht das Gesetz eine Höchststrafe von drei Monaten vor. Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess eine Haftstrafe von 18 Monaten gefordert.

Der Bruder des Polizeischülers, der ebenfalls in die Schlägerei vor der „Magnum“-Diskothek verwickelt war, wurde indes vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Die Richter sahen es nämlich als erwiesen an, dass Brice F. in Notwehr gehandelt hatte.

Höhere Strafen für Kontrahenten

Wesentlich höhere Haftstrafen wurden gegen die Widersacher der Brüder verhängt. Hamza B. wurde zu zwölf Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 750 Euro verurteilt. Gegen Graziano S. wurde eine Haftstrafe von vier Monaten auf Bewährung verhängt, sowie eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro.

Allen Beteiligten steht das Recht zu, binnen 40 Tagen Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Die verweigerte Vereidigung

Der Fall hatte insbesondere durch den mutmaßlichen Messereinsatz eines angehenden Polizisten Aufmerksamkeit erregt. Im September 2015 sollte Neil F. als Polizist vereidigt werden. Buchstäblich in letzter Minute hatte ihm der Minister für Innere Sicherheit jedoch das Statut des Polizeischülers entzogen und so eine Vereidigung verhindert.

Im Januar 2017 und ein zweites Mal vor knapp einer Woche wurde die Entscheidung des Ministers vom Verwaltungsgericht für illegal erklärt und annulliert. Das Gericht verfügte zudem, dass Neil F. unverzüglich vereidigt werden sollte. Das ist allerdings bislang nicht geschehen.

Der Polizeigewerkschaft SNPGL zufolge darf auch die Verurteilung zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe einer Vereidigung und einem Dienstantritt als Polizist nicht im Wege stehen.

„Selbst wenn der Schüler bereits ein vereidigter Polizist gewesen wäre, hätte ihm erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung zu eine Haftstrafe von einem Jahr ohne Bewährung das Beamtenstatut entzogen werden können“, betont SNPGL-Präsident Pascal Ricquier auf Nachfrage.

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