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Dramatische Folgen: Organspende: „Das Gesetz wird nicht eingehalten“
Lokales 11.10.2016

Dramatische Folgen: Organspende: „Das Gesetz wird nicht eingehalten“

Kranke Menschen müssen jahrelang zur Dialyse, weil es an Organspenden mangelt, die ihre Lebensqualität verbessern könnten.

Dramatische Folgen: Organspende: „Das Gesetz wird nicht eingehalten“

Kranke Menschen müssen jahrelang zur Dialyse, weil es an Organspenden mangelt, die ihre Lebensqualität verbessern könnten.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 11.10.2016

Dramatische Folgen: Organspende: „Das Gesetz wird nicht eingehalten“

Laurence BERVARD
Laurence BERVARD
Für die Patientenvereinigung Protransplant ist die Situation in Luxemburg katastrophal. Für sie halten Ärzte ihre Verpflichtungen nicht immer ein.

(lb) - Für die Patientenvereinigung Protransplant ist es nicht normal, dass es in Luxemburg 2015 nur zu drei Organspenden kam. Oder dass Luxemburg auf der Weltrangliste der gespendeten Organen den sechsletzten Platz belegt. „Das diesbezügliche Gesetz von 1982 sieht vor, dass jeder Mensch automatisch Organspender ist, wenn dieser seine Verweigerung zu seinen Lebzeiten nicht schriftlich festgehalten hat“, so der Protransplant-Präsident Jos Bourg.

Das ist in Luxemburg allerdings nicht der Fall. „Das Gesetz wird nicht eingehalten“, warnt Bourg. Da der Organspenderpass in Luxemburg weiterhin nicht sehr verbreitet ist, und viele Menschen sich zu ihren Lebzeiten mit dem Thema des eigenen Todes schlicht nicht auseinandersetzen wollen, erkundigen sich die Ärzte demnach bei der Familie des Verstorbenen. Ihr überlassen sie die Entscheidung, ob es zu einer Organspende kommt oder nicht. „Dieses Mitspracherecht der Familie ist allerdings im Gesetz nicht vorgesehen“, mahnt Bourg.

Die Verpflichtung der Ärzte

Bourg weiß selbst, dass die Organtransplantation aufgrund einer Desinformation bei manchen Menschen eine Horrorvorstellungen hervorruft. Viele Familienangehörige wollen nicht, dass der Leichnam ihres Liebsten verstümmelt wird und wissen nicht, dass eine Transplantation wie eine ganz normale Operation von Ärzten durchgeführt und der Körper danach wieder zugenäht wird.

Ferner vermutet die Vereinigung, dass einige Ärzte ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, eine Transplantation in die Wege zu leiten, weil sie die Familie eines Verstorbenen in ihrer Trauer nicht überwältigen möchte und die Organspenderfrage dann gar nicht erst stellen. All dies führe dazu, dass die Situation in Luxemburg laut Bourg „katastrophal“ sei.

Ein Todesurteil

Für die Betroffenen sind die Folgen der seltenen Organspende dramatisch. Kranke Menschen müssen jahrelang zur Dialyse, weil es an Organspenden mangelt, die ihre Lebensqualität verbessern könnten. Noch schlimmer: Manchmal ist die fehlende Organspende ein Todesurteil.

Aus diesem Grund leitet Protransplant zurzeit eine Sensibilisierungskampagne: Jedem Haushalt wird in dieser Woche per Post ein Organspenderpass, ein sogenannter „Passport de vie“, zugestellt, in dem er selbst festhalten kann, zum Organspender zu werden oder dies zu verweigern.









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