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Dr. Gérard Schockmel: Fragen und Antworten zum Corona-Impfstoff
Lokales 4 Min. 05.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Dr. Gérard Schockmel: Fragen und Antworten zum Corona-Impfstoff

Dr. Gérard Schockmel: Fragen und Antworten zum Corona-Impfstoff

Foto: DPA
Lokales 4 Min. 05.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Dr. Gérard Schockmel: Fragen und Antworten zum Corona-Impfstoff

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Dr. Gérard Schockmel, Infektiologe in den Robert-Schuman-Kliniken, beantwortete am Dienstagabend Fragen aus der Bevölkerung zum Corona-Impfstoff.

Am Dienstagabend luden die Hôpitaux Robert Schuman (HRS) zu einer virtuellen Fragestunde rund um das Thema Corona-Impfstoff ein. Der luxemburgische Internist und Infektiologe Dr. Gérard Schockmel, der rund zehn Jahre lang zu RNS-Viren geforscht hat, stand den Teilnehmern über Zoom Rede und Antwort. Die brennendsten Fragen und wichtigsten Antworten zusammengefasst.

Was ist ein RNA-Impfstoff und warum wird er hier angewendet?

Es gibt mehrere gute Gründe für einen genbasierten Impfstoff. Zunächst ist die Entwicklung relativ einfach. Zwei Tage nachdem die Sequenz des Virus entschlüsselt wurde, begann Moderna damit, einen ersten Impfstoff zu entwerfen. In dieser Impfstoff-Variante braucht man das Virus selbst eigentlich gar nicht. Im Vergleich zu anderen Impfvarianten sind außerdem nur sehr geringe Dosen des Stoffes notwendig, um eine Wirkung zu erzielen. Die Immunreaktion - die Entwicklung von Antikörpern - verläuft außerdem stärker, als bei Menschen, die eine Immunität durch die Erkrankung erlangt haben.


A worker shows a vial of Pfizer-BioNTech Covid-19 vaccine at the arrival of the first shipment in France in the AP-HP central pharmacy on the outskirts of Paris on December 26, 2020. - France's first doses of the Pfizer-BioNTech coronavirus vaccine were delivered early on December 26, 2020, to the Paris hospital system's central pharmacy outside the capital, an AFP journalist saw. A refrigerated truck brought the roughly 19,500 doses from the Pfizer factory in Puurs, northeast Belgium, to Paris, the capital's APHP hospital authority said, with pharmacy chief Franck Huet calling it a "historic" moment in the pandemic. (Photo by STEPHANE DE SAKUTIN / POOL / AFP)
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Die klassischen Impfvarianten sind der Lebendimpfstoff, der aus geringen Mengen funktionsfähiger Keime besteht, und der Totimpfstoff, bei dem inaktivierte Pathogene genutzt werden. Bei der dritten Variante nimmt man nicht das Virus an sich, sondern lediglich das Virusprotein und trainiert den Körper, dieses abzuwehren. Der aktuelle Impfstoff nutzt einen kleinen Bestandteil der RNA des Virus, der in die Zellen eindringt. Die Boten-RNA gibt den menschlichen Zellen die Informationen weiter, mit der sie sogenannte Spike-Proteine entwickeln, durch die die Immunreaktion aktiviert wird. Diese Moleküle sind allerdings sehr fragil und zerfallen schnell - sie dringen nicht in den Zellkern ein und verändern auch nicht das Erbgut des Geimpften.

Welche Tests werden an einem Impfstoff durchgeführt, bevor er zugelassen wird?

Die ersten Tests sind Tierversuche - ohne die sind Tests an menschlichen Probanden nicht erlaubt. Unterschiedliche Tiere werden dem Impfstoff ausgesetzt. Ratten, Mäuse, Makaken, ... Danach gibt es drei klinische Testphasen, in der die Reichweite der Tests jeweils erweitert wird. An der Phase Drei des Impfstoffs von BioNTech-Pfizer haben beispielsweise 44.000 Menschen teilgenommen, von der die Hälfte mit dem Wirkstoff geimpft wurde. Diese klinischen Phasen wurden auch in diesem schnelleren Entwicklungsverfahren mit ordnungsgemäßer Sorgfalt durchgeführt - allerdings hat man die Zeitabstände zwischen den jeweiligen klinischen Phasen verkürzt und Überlappungen zugelassen.

Dr. Gérard Schockmel beantwortete am Dienstagabend Zuschauerfragen zu den Corona-Impfstoffen.
Dr. Gérard Schockmel beantwortete am Dienstagabend Zuschauerfragen zu den Corona-Impfstoffen.
Foto: Pierre Matgé

Außerdem wurden die Zulassungsagenturen, wie zum Beispiel die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), bereits während der Entwicklung über den Verlauf der Phasentests informiert, nicht wie sonst üblich erst nach dem Ende aller Phasen in einem Abschlussbericht. Die jeweiligen Ergebnisse wurden von unabhängigen, externen Experten geprüft.

Wird die Virus-Mutation aus Großbritannien die Wirksamkeit des Impfstoffes beeinträchtigen?

Glücklicherweise ist es so, dass das Immunsystem gegen das Spike-Protein in allgemeinen mobilisiert wird. Der Körper entwickelt daher unterschiedliche Formen von Antikörpern, die gegen unterschiedliche Teile des Spike-Proteins wirksam sind. Somit kann auch ein mutiertes Virus diesen Schutz nicht so leicht durchbrechen. Man geht derzeit nicht davon aus, das der Schutz des Impfstoffs durch die neue Virusvariante beeinträchtigt wird. Die Spezialisten machen sich in der Frage keine großen Sorgen. 

Woraus besteht der Impfstoff?

Der Impfstoff von BioNTech-Pfizer besteht aus zehn Bestandteilen: Dem Boten-RNA, vier Fetten, Kaliumchlorid, Kaliumphosphat, Natriumchlorid, Natriumphosphat und Zucker. Was er nicht beinhaltet, sind Mikrochips, Aluminium oder Quecksilber.

Was sind die häufigsten Nebenwirkungen des Impfstoffes?

Einige Nebenwirkungen stehen mit der Injektion in Verbindung. Der Einstich in den Muskel kann während ein bis zwei Tagen Schmerzen verursachen, in seltenen Fällen sind kleine Entzündungen möglich. Der Wirkstoff kann zu Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder einer leicht erhöhten Körpertemperatur führen. Lediglich zwei bis drei Prozent der Menschen erfahren nach der ersten Injektion Nebenwirkungen, die sie in ihrem Alltag so sehr stören, dass sie zum Beispiel krankgeschrieben werden müssen. Nach der zweiten Injektion können die Nebenwirkungen verstärkt auftreten - bei dem Impfstoff von Moderna erfuhren rund 15 Prozent der geimpften Personen spürbare Nebenwirkungen.

Was gibt es bei Vorerkrankungen zu beachten?

Bei Menschen, die sich gerade einer Chemotherapie unterziehen, kann der Impfstoff weniger wirksam sein. Die meisten Chemotherapien haben einen immunschwächenden Effekt. Durch diese mangelnde Reaktivität des Immunsystems fällt auch der Effekt des Impfstoffs weniger stark aus. In diesem Fall sollte man eventuell mit der Impfung warten, bis sich das Immunsystem erholt hat. Patienten, deren Immunsystem dauerhaft geschwächt ist, ist von einer Impfung jedoch nicht unbedingt abzuraten, auch wenn der Schutz weniger stark sein könnte. Immerhin sind es diese Menschen, die die größte Gefahr laufen, sich anzustecken und eine schwere Covid-Erkrankung zu entwickeln.


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Allgemein kann man sagen, dass Risikopatienten eher Gefahr laufen, einen schweren Krankheitsverlauf durch das Virus zu erleiden, als schwere Nebenwirkungen durch die Impfung zu erfahren. Zu dieser Regel gibt es aber natürlich auch Ausnahmen. Auch Menschen, die das Virus bereits hatten, sollten sich für den besten Schutz impfen lassen. Nach einer Erkrankung - vor allem einer asymptomatischen - liegt die Zahl der Antikörper im Schnitt weitaus niedriger, als nach der Impfung. Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Antikörper spielt hier eine Rolle.


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