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So erlangen Long-Covid-Patienten ihren Geruchssinn wieder
Lokales 4 Min. 03.08.2021
Domaine Thermal in Mondorf

So erlangen Long-Covid-Patienten ihren Geruchssinn wieder

Domaine Thermal in Mondorf

So erlangen Long-Covid-Patienten ihren Geruchssinn wieder

Photo : Chris Karaba
Lokales 4 Min. 03.08.2021
Domaine Thermal in Mondorf

So erlangen Long-Covid-Patienten ihren Geruchssinn wieder

Patrick JACQUEMOT
Patrick JACQUEMOT
Ab dem 16. August wird das Thermalbad in Mondorf Long-Covid-Patienten aufnehmen, die ihren Geschmacks- oder Geruchssinn verloren haben.

Aus dem Original-Artikel der französischen Version des „Luxemburger Wort“ übersetzt.

Für manche war es nur eine Frage von Tagen. Bei anderen ist es höchstens eine Woche oder ein Monat. Andere hadern noch länger nach einer überstandenen Covid-Infektion damit, ihren Geschmacks- und/oder Geruchssinn wiederzuerlangen. Zwei Sinne, die ihnen das Virus genommen hat. „Dass die Nase oder der Gaumen nicht mehr normal funktionieren, ist heute eines der Symptome, die von der Medizin als Anzeichen für ein 'Long Covid' anerkannt werden“, sagt Lis Muller.


Das CHL, das Rehazenter und das Domaine thermal haben mit dem Gesundheitsministerium eine Konvention für ein Projekt zur Behandlung von Long-Covid-Patienten unterzeichnet. V.l.n.r. Dr Gaston Schütz, Monique Birkel, Paulette Lenert, Laurent Mertz und Pierre Plumer.
Anlaufstelle für Long-Covid-Patienten
Um Long-Covid-Patienten besser behandeln zu können, arbeiten das Centre hospitalier de Luxembourg, das Rehazenter und das Domaine thermal in Zukunft sehr eng zusammen.

Sie ist diejenige, die das Rehabilitationsprogramm im Kurhaus Mondorf leiten wird, das für Patienten gedacht ist, die noch lange nach ihrer Infektion nicht in der Lage sind, den Duft von Rosen oder den Geschmack von Bohnen zu unterscheiden. Schon zur ersten Sitzung werden etwa 15 Männer und Frauen erwartet. Ab Mitte August werden sie alle in Gruppensitzungen oder Einzelworkshops ein 21-tägiges „Resensibilisierungsprogramm“ absolvieren.

"Das bedeutet nicht, dass am Ende der drei Wochen alle geheilt sein werden. Weit gefehlt", warnt die Leiterin der Ernährungsabteilung des Thermalbads. „Alle Studien zeigen, dass in Langzeitfällen im Allgemeinen nach 12 Wochen eine deutliche Besserung und nach 28 Wochen eine noch deutlichere Besserung eintritt“. Die vollständige Wiederherstellung des Geschmacks- und Geruchssinns ist also vor allem eine Frage der Geduld... und damit auch der Beharrlichkeit.

„Denn es wird hier 21 Tage lang Workshops geben. Aber wir geben vor allem auch eine ganze Reihe Tipps mit, die man danach zu Hause umsetzen kann“, erklärt Lis Muller. Bei der Kur selbst erhalten die Patienten ein paar naturwissenschaftliche Kenntnisse („um zu wissen, was in ihrem Körper passiert ist“). Zwischen Physiotherapie- oder Hydrotherapie-Sitzungen, aber auch Gesprächen mit einem Psychologen oder Ernährungskursen verläuft der Weg zur Genesung dann auf verschiedenen Wegen.

Lis Muller lernte die Vorteile dieser Wege bei einer Fortbildung am Universitätsklinikum Dresden kennen. In Deutschland konnte sie an Beratungen und Geruchsschulungen teilnehmen, lernte die zu vermeidenden Fallstricke kennen („Nein, mehr, fetthaltiger oder süßer zu essen beschleunigt den Prozess der Geschmacksrückgewinnung nicht“) und erörterte die Störungen, die dieser plötzliche und unverständliche Verlust von Sinneswahrnehmungen, die dem Leben seine Würze geben, nach sich ziehen kann.

Der Garten der Aromen in Mondorf.
Der Garten der Aromen in Mondorf.
Photo : Chris Karaba

"Manche verlieren den Appetit, weil sie das, was ihnen serviert wird, nicht zu schätzen wissen. Andere reagieren ängstlich, weil sie durch den Geruchsverlust keine Gefahren mehr wahrnehmen können: verbranntes Essen, Gas, sogar abgelaufene Lebensmittel. Manche sind desorientiert, weil sie die vertrauten Gerüche ihrer Umgebung, ihrer Lieben, nicht mehr wiedererkennen können. Neben der physischen Wiederherstellung von Geschmack und Geruch wird daher während des gesamten Rehabilitationsprozesses mit einem Psychologen gearbeitet.

Ein Geschmack oder ein Geruch ist auch ein Teil unseres Gedächtnisses

Lis Muller

„Denn man muss auch gestärkt oder getröstet werden, wenn man an einem Tag eine Empfindung hat, die am nächsten Tag verschwunden ist, oder wenn man einen Geschmack wahrnimmt, ihn aber nicht mit der richtigen Zutat in Verbindung bringen kann.“ Es sei wichtig, mit Menschen zusammen zu sein, die die gleiche Erfahrung machen, die die gleiche Tortur durchmachen.

Am Ende der drei Wochen vor Ort erhält jede Person ein Kit zum mit nach Hause nehmen. Im Inneren befinden sich vier Aufkleber. Die Teilnehmer sollen regelmäßig daran riechen und die Düfte auf einer „Geschmackskarte“ identifizieren. Ist dieser Geruch nun eher würzig oder blumig? Schwefelhaltig oder krautig? Fruchtig oder erdig? Nach und nach sollten der die Geruchsorientierung und die damit verbundenen Erinnerungen zurückkehren. „Denn ein Geschmack oder ein Geruch ist auch ein Teil unseres Gedächtnisses.“

Darüber hinaus wird eine ganze Reihe von Minitests mitgegeben, die zu Hause mit alltäglichen Zutaten durchgeführt werden können. Zum Schluss nimmt das  Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) mit den Patienten Kontakt auf, um die festgestellten Verbesserungen, Erfolge oder Enttäuschungen festzuhalten.

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WO fr , Rehazenter , Long Covid , ITV Dr Schütz , Directeur , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
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