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Doktere vun der Welt: Freiwillig im Dienst der Bedürftigen
Lokales 4 Min. 19.03.2019

Doktere vun der Welt: Freiwillig im Dienst der Bedürftigen

In den Räumlichkeiten auf Nummer 30, Dernier Sol in Bonneweg, sind die Médecins du Monde montags, mittwochs und freitags im Einsatz. Weitere Sprechstunden finden im nahe gelegenen Foyer Esperanza sowie in Esch/Alzette statt.

Doktere vun der Welt: Freiwillig im Dienst der Bedürftigen

In den Räumlichkeiten auf Nummer 30, Dernier Sol in Bonneweg, sind die Médecins du Monde montags, mittwochs und freitags im Einsatz. Weitere Sprechstunden finden im nahe gelegenen Foyer Esperanza sowie in Esch/Alzette statt.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 4 Min. 19.03.2019

Doktere vun der Welt: Freiwillig im Dienst der Bedürftigen

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Die ehrenamtlichen Mediziner von Médecins du monde behandeln Patienten in einer Notsituation kostenlos - in Bonneweg, Esch und bald womöglich auch in Ettelbrück.

Knapp vier Monate war ihr jüngster Patient alt, 79 Jahre der älteste. Bei den beiden handelte es sich um zwei von 815 Personen, die im Laufe des vergangenen Jahres die für sie kostenlosen Dienste der Médecins du monde Luxembourg (MdM) in Anspruch genommen haben. Seit fünf Jahren bietet die Vereinigung eine medizinische Erstversorgung für all diejenigen an, die keinen Zugang zu einer ärztlichen Betreuung haben – weil sie keinen festen Wohnsitz haben, über kein Einkommen verfügen oder einer nicht gemeldeten Arbeit nachgehen.

Bei den Patienten handelt es sich in erster Linie um Migranten ohne gültige Papiere, um abgelehnte Asylbewerber, um Menschen, die gar keinen Antrag auf Asyl stellen oder aber um Bürger anderer EU-Staaten, die in Luxemburg auf Arbeitssuche sind. Aber, wie Dr. Jean Bottu, Präsident von MdM Luxembourg, erklärt, auch zu 20 Prozent um Bürger, die im Grunde durch die nationale Gesundheitskasse (CNS) versichert sind. „Diese Patienten kommen zu uns, weil es für sie unmöglich ist, die Medikamente zu bezahlen“, erklärt Jean Bottu – oder aber, weil sie das Geld für die Behandlung nicht vorstrecken können, auch wenn die CNS die Kosten späterhin erstattet. 93 Prozent der Patienten, die 2018 bei der Vereinigung vorstellig wurden, leben unterhalb der Armutsgrenze.

Rund 100 Freiwillige im Einsatz

Betreut werden sie von rund 100 Freiwilligen, die sich auch nach Feierabend in den Dienst der Patienten stellen und gemeinsam die Médecins du monde in Luxemburg bilden. Unter ihnen Allgemeinärzte, Krankenpfleger, Psychologen, Übersetzer und Sozialarbeiter, aber auch Spezialisten wie Augen- und Zahnärzte, wobei Zahnpatienten auch in der Abteilung für Zahnmedizin des Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) und in privaten Praxen aufgenommen werden. An fünf Tagen in der Woche sind die Ehrenamtlichen sechsmal für ihre Patienten da, behandeln sie im Centre d’accueil, de soins et d’orientation (CASO) in Bonneweg, im Foyer Esperanza in Bonneweg oder im CASO in Esch/Alzette. Dies oft über die Sprechstundenzeiten hinaus, wie Dr. Bernard Thill berichtet. So kämen in Bonneweg jeweils mindestens 20 Patienten vorbei, in Esch/Alzette etwa sechs bis acht.

93 Prozent der Patienten, die Dr. Bernard Thill und Dr. Jean Bottu (v.l.) mit dem Team von Médecins du monde behandeln, leben unterhalb der Armutsgrenze.
93 Prozent der Patienten, die Dr. Bernard Thill und Dr. Jean Bottu (v.l.) mit dem Team von Médecins du monde behandeln, leben unterhalb der Armutsgrenze.
Foto: Pierre Matgé

Die Patienten suchen die Médecins du monde mit den unterschiedlichsten Beschwerden auf – bisweilen ist ihr Zustand sehr ernst. „Es handelt sich nicht nur um kleinere Leiden, sondern auch um große gesundheitliche Probleme, bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen“, weiß Bernard Thill. Oft befänden sich die Patienten in einer dramatischen Situation, der eigentlich nur eine Banalität vorausgegangen war. Wichtig sei aber, so Thill, dass die Vereinigung lediglich eine Grundversorgung anbieten könne – gegebenenfalls müssen die Patienten demnach an ein Krankenhaus weitergeleitet werden. In solchen Fällen halten die Médecins du monde jeweils Rücksprache mit den diensthabenden Krankenhäusern, suchen gemeinsam mit ihnen nach einer Lösung zur Kostenübernahme. Umso mehr freut sich die Vereinigung darüber, dass in dieser Hinsicht hierzulande eine „sehr große Solidarität“ herrsche, wie Sylvie Martin, Direktionsbeauftragte bei MdM, unterstreicht.

Medikamente erhalten die Patienten bei MdM kostenlos. Die Vereinigung erhält Überschüsse aus Apotheken, Insulinspritzen werden ihr von der Association luxembourgeoise du diabète (ALD) zur Verfügung gestellt. Sie freut sich aber auch über nicht mehr benötigte Arzneimittel von Privatpersonen. Noch haltbare Medikamente, ausgenommen bereits angebrochene Crèmes und Sirupe, können direkt bei Médecins du monde abgegeben werden.

Zweigstelle im Norden des Landes geplant

Wie die Verantwortlichen feststellen, nimmt die Zahl der behandelten Patienten Jahr für Jahr zu und eben auch der Anteil derjenigen, die eigentlich in Luxemburg oder einem anderen EU-Staat krankenversichert sind. Die Vereinigung fordert daher, dass der Zugang zu einer ärztlichen Grundversorgung in Luxemburg für alle Menschen vereinfacht wird. Dies beispielsweise durch die Einführung des Tiers-payant für alle verwundbaren Personen.

Bis dahin kümmern sich die Freiwilligen von MdM weiter um die Versorgung all derjenigen, für die der „normale“ Arztbesuch, aus welchen Gründen auch immer, nicht infrage kommt. In Bonneweg, in Esch/Alzette – und, so ist es geplant, vielleicht bald auch in Ettelbrück. Bei einem Pilotprojekt mit einer mobilen Anlaufstelle in einem Krankenwagen habe man dort vor zwei Jahren festgestellt, dass eine große Nachfrage besteht, berichtet Sylvie Martin. Nun sei man auf der Suche nach den passenden Räumlichkeiten – um in Zukunft auch dort einmal pro Woche bedürftige Patienten zu behandeln.


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