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DNS-Spuren geben nicht alle Antworten
Lokales 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Berufungsverfahren im G4S-Überfall

DNS-Spuren geben nicht alle Antworten

Auf den Verschlüssen der Kanister waren DNS-Spuren der Angeklagten gefunden worden.
Berufungsverfahren im G4S-Überfall

DNS-Spuren geben nicht alle Antworten

Auf den Verschlüssen der Kanister waren DNS-Spuren der Angeklagten gefunden worden.
Foto: Polizei
Lokales 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Berufungsverfahren im G4S-Überfall

DNS-Spuren geben nicht alle Antworten

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Am zweiten Verhandlungstag drehte sich im Berufungsverfahren um den G4S-Überfall alles um DNS-Spuren, die an den Tatorten gefunden worden waren. Neue DNS-Abgleiche sollen durchgeführt werden.

(SH) - Können die DNS-Spuren, die nach dem brutalen Überfall auf das Depot der Sicherheitsfirma G4S an den Tatorten gefunden worden waren, zweifelsfrei von den Angeklagten Anouar B., Dogan S. und Cihan G. stammen und wie konnten sie an die Objekte gelangen? Dies waren am zweiten Verhandlungstag des Berufungsverfahrens die Fragen, die eine DNS-Expertin des Staatslaboratoriums beantworten sollte.

Am Ende verließ sie die Sitzung mit einer neuen Mission: Bis kommende Woche soll sie jene DNS-Spuren, die an den Tatorten in Gasperich und Garnich gefunden worden waren, mit den Profilen von fünf weiteren Personen abgleichen. Der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft hatte auf diese DNS-Proben, die sich in den Unterlagen befanden, in erster Instanz jedoch nicht ausgewertet worden waren, aufmerksam gemacht. Bei den Personen handelt es sich um fünf Männer, deren Namen bereits im Zusammenhang mit weiteren Überfällen auf Sicherheitsfirmen genannt worden waren. Ein möglicher Treffer beim Abgleich könnte dem Verfahren eine Wende geben.

69 Spuren, zwei verwertbar

Doch zurück zu dem Vorfall vom 3. April 2013 in Luxemburg. Am Sitz der Sicherheitsfirma in Gasperich waren nach dem brutalen Raubüberfall DNS-Spuren an einer Batterie gefunden worden. In Garnich, wo sich die Täter während der Flucht eine bewaffnete Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert und einen Fluchtwagen verbrannt hatten, waren an zwei Verschlüssen von Benzinkanistern Spuren sichergestellt worden.

"Vom Tatort in Gasperich wurden uns 69 DNS-Spuren übermittelt. In 67 Fällen lag keine ausreichende Quantität an DNS vor. Die anderen zwei Spuren haben wir analysiert", so die Expertin. Zwar habe sich an der Batterie auch nur eine geringe Quantität von DNS gefunden, dennoch habe es ausgereicht, um festzustellen, dass es sich dabei um eine Mischung aus DNS-Spuren von drei Personen handele.

Jene DNS-Spuren, die sich an den Verschlüssen der Kanister befanden, ließen unterdessen auf eine Mischung aus jeweils zwei Profilen schließen.

Direkter oder indirekter Kontakt?

Diese Profile wurden mit jenen acht Profilen abgeglichen, die den Experten von den Ermittlern zugestellt worden waren. Dabei stellte sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei der DNS, die an der Batterie gefunden worden war, um jene von Anouar B. und zwei unbekannten Personen handelte, über 99 Prozent beträgt. Jene Spuren an den Verschlüssen der Kanister können mit noch höherer Wahrscheinlichkeit zum einen Dogan S. und einer unbekannten Person, zum anderen Cihan G. und einer unbekannten Person zugeordnet werden. Dabei sollen in beiden Fällen die Spuren von Dogan S. und Cihan G. dominant sein.

Die Frage, ob die Angeklagten in direktem Kontakt mit den Objekten gewesen sein mussten oder nicht und wann die DNS-Spuren an diese Gegenstände gelangt sind - also auch die Frage, ob die Angeklagten vor Ort gewesen sein mussten -, bleibt unterdessen unbeantwortet. Dominante DNS-Spuren würden die Hypothese, dass es zu einem direkten Kontakt kam, bestärken. Eine indirekte Übertragung wäre jedoch wissenschaftlich nicht auszuschließen. In der Regel gelte, dass DNS-Spuren umso erkennbarer bleiben, wenn ein Objekt nur wenig manipuliert worden sei. Es sei allerdings nicht ihre Rolle, Schlussfolgerungen zu ziehen, erklärte die DNS-Expertin.

In erster Instanz waren Anouar B., Dogan S. und Cihan G. wegen ihrer Verwicklung in den Raubüberfall zu einer Haftstrafe von jeweils 22 Jahren verurteilt worden. Simon S. war freigesprochen worden.

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