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DNS-Spuren auch für Berufungsrichter ausschlaggebend
Lokales 4 3 Min. 28.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Hohe Haftstrafen für G4S-Räuber

DNS-Spuren auch für Berufungsrichter ausschlaggebend

Das Gerichtsgebäude wurde von zahlreichen Sicherheitskräften gesichert.
Hohe Haftstrafen für G4S-Räuber

DNS-Spuren auch für Berufungsrichter ausschlaggebend

Das Gerichtsgebäude wurde von zahlreichen Sicherheitskräften gesichert.
Foto: Chris Karaba
Lokales 4 3 Min. 28.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Hohe Haftstrafen für G4S-Räuber

DNS-Spuren auch für Berufungsrichter ausschlaggebend

Michel THIEL
Michel THIEL
Der Appellationshof hat am Dienstagnachmittag im Prozess um den Überfall auf das G4S-Depot das Urteil aus erster Instanz bestätigt: Dreimal 22 Jahre Haft und ein Freispruch.

(str) - Drei von vier Beschuldigten im Prozess um den Überfall auf die G4S-Zentrale in Gasperich am 2. April 2013 müssen für lange Zeit ins Gefängnis: Das Berufungsgericht hat am Dienstagnachmittag das Urteil aus erster Instanz bestätigt und somit Anouar B., Dogan S. und Cihan G. zu jeweils 22 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Der mutmaßliche Handlanger Simon S. wurde erneut freigesprochen.

Die drei Verurteilten wurden des Mordversuchs, des schweren Raubes, der Rebellion, der Bildung einer kriminellen Vereinigung und wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz für schuldig befunden.

Wie die Pressestelle der Justiz nach Verkündung des Urteils darlegte, waren die DNS-Spuren, die an Gegenständen gesichert wurden, die beim Überfall benutzt wurden, gemeinsam mit anderen Beweisen, etwa jenen, welche die Beschuldigten in direkte Verbindung mit dem Milieu des „Grand Banditisme“ brachten, ausschlaggebend, um an der Schuld der drei Angeklagten festzuhalten.

DNS-Beweise im Visier

In den Verhandlungen waren die Anwälte der Verteidigung stets bemüht, die DNS-Beweise in Misskredit zu ziehen. Eine Ansicht, die sie auch nach dem Urteilsspruch weiter vertraten: „Es gibt eine kleine Spur auf einem Verschluss eines Kanisters, der nicht am Tatort in Gasperich gefunden wurde“, meinte Verteidiger Me Philippe Penning. „Dem gegenüber stehen fünf Zeugen, die meinem Klienten ein Alibi für die Tatzeit geben.“

Me Philippe Stroesser hingegen glaubt, dass die Richter sich nicht nur auf die DNS beschränkt hätten. „Das Gericht hat sich wohl mit dem Dossier als Ganzes befasst und dabei festgehalten, dass die Verbindung zwischen meinem Mandanten und den anderen Beschuldigten kein Zufall war. Dabei gibt es aber sicher andere Gründe für diese Bekanntschaft als nur ,Grand Banditisme‘“.

Tiefschlag gegen Richter

Nach der Urteilsverkündung äußerte Anwalt Philippe Penning zudem einen schwerwiegenden Verdacht im Bezug auf die Hintergründe des Urteils: „Mehr Sorgen macht mir der Umstand, dass bei diesem Überfall der Polizeiapparat als solcher attackiert wurde. Es wurde auf Polizisten geschossen. Ich denke, dass hier möglicherweise befürchtet wurde, dass bei einem Freispruch die Beziehungen zwischen Polizei und Justiz, die bekanntlich sehr angespannt sind, sich noch weiter verschlechtern könnten.“

Vorfall am Rande

Bei der Berichterstattung über den G4S-Prozess ist am Dienstag ein LW-Fotojournalist zunächst von Polizeibeamten bei seiner Arbeit behindert und kurze Zeit später bedroht worden, nachdem er sich geweigert hatte, Fotos zu löschen. Der Generaldirektor der Polizei wurde schriftlich informiert und um eine Stellungnahme zu den Vorfällen gebeten.

Ein Polizeifahrzeug, das die Räuber bei dem Raubüberfall unter Beschuss nahmen.
Ein Polizeifahrzeug, das die Räuber bei dem Raubüberfall unter Beschuss nahmen.
Foto: Gerry Huberty/LW-Archiv

Rückblick: Der 3. April 2013

Am frühen Morgen greifen fünf bis sechs schwer bewaffnete Männer den Hauptsitz des Sicherheits- und Werttransportunternehmens in Gasperich an.

Mit Sprengstoff versuchen sie sich Zugang zum Gebäude zu verschaffen. Eine erste Sprengung schlägt fehl, mit einer zweiten gelingt es den Tätern dann aber doch, sich  Zugang zum Gebäudeinnern zu verschaffen. Doch die Räuber finden nicht das vor, was sie sich erwartet hatten: Im Depot von G4S wird nachts nicht gearbeitet. Geld und Wertsachen sind außerhalb der Öffnungszeiten sicher verschlossen.

Menschenleben rettet wahrscheinlich auch ein Missverständnis in der Einsatzzentrale der Polizei. Dort schickt man nämlich sofort nachdem der Alarm einging, alle verfügbaren Streifenwagen zu einem anderen Depot in Hamm. Als sich der Irrtum aufklärt, und die ersten Patrouillen am tatsächlichen Tatort eintreffen, sind die Täter bereits dabei, den Rückzug anzutreten.

Dennoch eröffnen zwei bis drei Männer aus dem Hinterhalt das Feuer mit Kriegswaffen auf die Polizisten. Die Täter können zunächst flüchten.Bei Garnich locken die flüchtenden Räuber eine kreuzende Polizeistreife dann in einen zweiten Hinterhalt: Am Ende einer unübersichtlichen Kurve erwarten sie die Polizisten mit schwerem Beschuss aus automatischen Waffen vom Typ Kalaschnikow und Uzi.

Die Kugeln schlagen in Kopfhöhe ein. Dass niemand verletzt wird, gilt als reiner Zufall. Die Tötungsabsicht ist offensichtlich.

20 Verdächtige – fünf mutmaßliche Täter

Die Ermittlungen führen sehr schnell nach Belgien, ins schwerkriminelle Milieu von Charleroi und Liège. Es werden Parallelen zu anderen Überfällen mit exakt gleichem Modus Operandi offenbar.

20 Personen stehen im Verdacht direkt oder indirekt am Überfall in Luxemburg beteiligt gewesen zu sein. Doch nach Auswertung der DNA-Spuren aus Gasperich und Garnich sowie anderer Indizien wird der Kreis der Verdächtigen sehr schnell sehr eng: Es fallen fünf Männer heraus, wovon vier schlussendlich der Prozess gemacht werden kann.


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