Dislaire, Stay Behind und die CCC

Belgischer Ex-Söldner setzt Vielsalm und Stay Behind in Zusammenhang

Als Kurzmeldung behandelte das „Luxemburger Wort“ den Überfall in Vielsalm am 14.5.1985.
Als Kurzmeldung behandelte das „Luxemburger Wort“ den Überfall in Vielsalm am 14.5.1985.
Foto: Steve Remesch

(str) - Am Dienstag wird im Bommeleeër-Prozess der Belgier Lucien Dislaire angehört. Der 74-Jährige aus Houffalize hatte 2012 ein Buch veröffentlicht, in dem er den blutigen Angriff auf die Ratz-Kaserne der Ardennenjäger in Vielsalm in Verbindung mit Stay Behind und auch mit den Bombenanschlägen in Luxemburg setzte.

Lucien Dislaire ist kein unbeschriebenes Blatt. Nach Jahren als Fallschirmjäger in der belgischen Armee kämpfte er später als Söldner in der kongolesischen Provinz Katanga gegen Uno-Truppen. Hintergrund waren die Sezessionsbestrebungen der rohstoffreichsten Provinz Kongos in den Jahren 1960 bis 1963.

Auch in Luxemburg ist Dislaire bekannt – zumindest bei der Polizei. So stand er im Verdacht 1983 und 1984 an drei Überfällen auf die Knauf-Supermärkte in Huldingen und Pommerloch sowie auf einen Geldtransporter im belgischen Châtillon beteiligt gewesen zu sein. Nachdem ihm die Flucht aus Belgien gelungen war, tauchte er zunächst in Frankreich unter. Verhaftet wurde er schließlich im September des gleichen Jahres in einem Hotel in Remich. International war wegen Betrugs, Fälschung und Unterschlagung sowie im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Kaserne in Vielsalm nach ihm gefahndet worden.

Erneute Flucht nach Luxemburg

Als die Gendarmerie aus Houffalize Lucien Dislaire im April 1989 wegen Überfällen auf Banken und einen Geldtransport festnehmen wollte, floh er erneut nach Luxemburg. Nach einer Verfolgungsjagd konnte er von Gendarmen aus Clerf festgenommen werden.

2012 veröffentlichte Dislaire in Eigenregie ein Buch unter dem Titel „La nuit des commandos“. In dem mehr als 500-seitigen Werk befasste er sich eingehend mit dem Angriff auf die Kaserne in Vielsalm, dem „Oesling 84“-Manöver, Stay Behind, der Terrorgruppe „Cellules Communistes Combattantes“ (CCC) und seiner Zeit als Söldner. Kurz: Dislaire hatte nach dem Vorfall in Vielsalm gegenüber einem Journalisten erklärt, er habe in jener Nacht vum 12. Mai 1984 eine amerikanische Spezialeinheit, die am „Oesling 84“-Manöver beteiligt gewesen sei, in unmittelbare Nähe des Tatorts gefahren. Zudem habe er einen US-Soldaten gesehen, der im Besitz einer „Thompson“-Maschinenpistole gewesen sei. Mit einer Waffe von diesem Typ war bei dem Angriff ein Wachsoldat angeschossen und schwer verletzt worden.

Dislaire setzt den Angriff in Vielsalm demnach in direkten Zusammenhang mit einer Stay-Behind-Zelle, die eben zum Teil aus US-Militärs bestanden hätte. Zudem stellt er auch eine Verbindung zwischen Stay Behind und den „Tueurs du Brabant Wallon“ her. Viel wirklich Neues ist dem Buch nicht zu entnehmen, bei Anhängern von Verschwörungstheorien und in einschlägigen Internetforen stößt es allerdings auf einen fruchtbaren Nährboden.

"Der Ursprung aller Mutmaßungen"

Im Bommeleeër-Prozess hatte Ermittler Joël Scheuer erklärt, dass die Hypothesen von Dislaire der Ursprung aller Mutmaßungen seien, es gebe einen Zusammenhang zwischen Stay Behind und den Sprengstoffanschlägen in Luxemburg. Reguläre Manöver der Luxemburger Armee seien in der Folge als verdeckte Stay-Behind-Operationen dargestellt worden, so Scheuer. Die Behauptungen von Dislaire würden schon alleine deswegen widerlegt, weil die CCC sich inzwischen selbst zum Angriff in Vielsalm bekennen würden.

Tatsächlich schrieb das „Kollektiv der Gefangenen der CCC“ 1993 in einer Stellungnahme dazu folgendes: „Es gab niemals auch nur den Schatten eines US-Militärs in dieser Affäre. Falls es denn Militärmanöver in dieser Nacht in dieser Region gegeben hat, dann wissen wir rein gar nichts davon. Die Tatsache, dass diese grotesken Lügenmärchen – die ursprünglich von einem Gangster auf der Flucht stammten, einem Mythomanen mit Verbindungen zum Faschisten Miltis – so begierig aufgenommen wurden und in allen Varianten von Journalisten der feigen und faulen Linken und einer parlamentarischen Schein-Ermittlungskommission weiter verbreitet wurden, sagt viel über diese unersetzlichen Garanten der Heiligen Demokratie aus.

Zu Wort kommt Dislaire übrigens auch in einem BBC2-Dokumentarfilm aus dem Jahr 1992 mit dem Titel „Operation Gladio“ – ein zweieinhalbstündiges Video, das auf Youtube zu finden ist. In seinem Buch aus dem Jahr 2012 führt Dislaire zudem ein Interview an, ohne weitere Quellenangaben zu liefern. Darin wird er gefragt, ob er Mitglied des Stay-Behind-Netzwerks sei. Seine Antwort ist ebenso schnippisch wie vielsagend: „Diese Frage ist deplatziert und zu direkt. Ich habe nie auf derartige Fragen geantwortet“.

  • Die Prozess-Woche im Überblick

Neben Dislaire wird am Dienstag möglicherweise ebenfalls der Zeuge Lucien Bram angehört. Patrick Heck, der eigentlich an diesem Tag erneut aussagen sollte, wird zu einem späteren Zeitpunkt angehört.

Das Gleiche gilt für den ehemaligen Greffier des Parlaments Pierre Dillenburg, der am Montag vorgeladen war. Am Montag wird der Prozess mit der Anhörung von Ex-Geheimdienstchef Charles Hoffmann fortgesetzt. Aussagen soll auch der Generalsekretär der Abgeordnetenkammer Claude Frieseisen.

Am Mittwoch steht der ehemalige Geheimdienstchef Marco Mille im Zeugenstand. Am Donnerstag sind Ex-Minister Luc Frieden und der ehemalige Präsident des Rechnungshofs Gérard Reuter vorgeladen. In der Woche vom 12. Mai sollen dann u. a. die Zeugen Gretsch, Moes, Santer und Rollinger aussagen.