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"Beim nächsten Mal müssen die Sirenen heulen"
Lokales 2 Min. 21.07.2021
Diskussion nach Hochwasser in Luxemburg

"Beim nächsten Mal müssen die Sirenen heulen"

Die überflutete Echternacher Innenstadt am vergangenen Freitag.
Diskussion nach Hochwasser in Luxemburg

"Beim nächsten Mal müssen die Sirenen heulen"

Die überflutete Echternacher Innenstadt am vergangenen Freitag.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 21.07.2021
Diskussion nach Hochwasser in Luxemburg

"Beim nächsten Mal müssen die Sirenen heulen"

Nach den Überschwemmungen entlang der Sauer tobt eine Debatte über bessere Wetterwarnungen an die Bevölkerung.

(jt) - Die Gemeinden entlang der Untersauer wurden vom rezenten Hochwasser schwer getroffen. In Rosport zeigte der Pegel am Donnerstag 9,66 Meter an, ein bis dato noch nie gemessener Höchstwert. An vielen Häusern und öffentlichen Gebäuden entstanden teils schwere Schäden, Bewohner mussten vorübergehend in Aufnahmezentren unterkommen, die Aufräumarbeiten sind noch in vollem Gange.

Wie in Deutschland tobt nun auch hierzulande die Debatte, ob die Menschen rechtzeitig und adäquat vor einem möglichen Katastrophenfall gewarnt wurden. Denn: Bereits am Wochenende davor hatte Meteorologen Böses geschwant. Spätestens am Mittwochmorgen stand fest, dass sich Luxemburg auf heftige Regenfälle und Überschwemmungen einstellen muss.  

Zwar lobte Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) am Montag die „perfekte Zusammenarbeit“ zwischen allen Beteiligten im Krisenstab. Aber auch sie gestand ein, dass manche Bürger angesichts der herannahenden Flut nicht sofort reagierten, sondern zunächst abwarteten – nach dem Motto „wird schon nicht so schlimm werden“. War ihnen das drohende Ausmaß der Überschwemmungen nicht bewusst, weil es den Warnungen an Dringlichkeit und „Schärfe“ gefehlt hat?

Die aktuellen Entwicklungen zum Hochwasser in Luxemburg und anderen europäischen Ländern lesen Sie hier.

Bürgermeister von Rosport will „von Tür zu Tür“ warnen 

Der Rosporter Bürgermeister Romain Osweiler würde beim nächsten Hochwasser jedenfalls anders handeln, wie er am Mittwoch auf Radio 100,7 erklärte. Er habe in Gesprächen mit Einwohnern festgestellt, dass diese die Vorwarnungen der Hochwasservorhersagezentrale teilweise nicht ernst genommen hätten. „Manche wollten es nicht glauben, dass die Sauer einmal bis auf zehn Meter steigen könnte. 2003 hatten wir aber schon einen Wasserstand von 8,25 Metern und am Donnerstag waren es 9,66 Meter.“ Man dürfe den Worst Case nicht frühzeitig ausschließen. Er wolle daher bei der nächsten Hochwasserwarnung „noch einmal morgens von Tür zu Tür gehen und die Menschen warnen“, sagte Osweiler. 

Überflutungen am Donnerstag in Rosport.
Überflutungen am Donnerstag in Rosport.
Foto: Guy Jallay

Ähnlich äußerte sich am Donnerstag die Abgeordnete und Echternacher Gemeinderätin Carole Hartmann (DP) auf RTL Radio Lëtzebuerg. Zwar sei lokal und national vor dem Hochwasser gewarnt worden, etwa über die klassischen Medien, soziale Netzwerke oder die Funktion SMS2Citizen. Man habe aber nicht alle Menschen dadurch erreicht. „Warum wurden zum Beispiel die Sirenen nicht eingeschaltet?“, so Hartmann. Beim nächsten Mal müsse man dies beachten. Die jüngsten Überflutungen sollten Luxemburg laut Hartmann eine Lehre sein. „Wir müssen uns künftig besser aufstellen, weil solche Phänomene auch in Zukunft auftreten werden“.

Man müsse zudem mehr Aufklärung betreiben, was mit einer "Alerte rouge" überhaupt gemeint sei, sagt Hartmann (siehe Grafik unten). Im Vergleich mit dem Ausland sei man aber mit einem blauen Auge davongekommen, weil es keine Verletzten oder Todesopfer gegeben habe.  


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