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Digitale Oktave: Wenn das Wohnzimmer zur Kathedrale wird
Lokales 4 Min. 13.05.2020

Digitale Oktave: Wenn das Wohnzimmer zur Kathedrale wird

Der Technik sei Dank kann die traditionelle Wallfahrt zur Trösterin der Betrübten in diesem Jahr immerhin via Livestream von den Gläubigen mitverfolgt werden.

Digitale Oktave: Wenn das Wohnzimmer zur Kathedrale wird

Der Technik sei Dank kann die traditionelle Wallfahrt zur Trösterin der Betrübten in diesem Jahr immerhin via Livestream von den Gläubigen mitverfolgt werden.
Foto: Anouk Antony
Lokales 4 Min. 13.05.2020

Digitale Oktave: Wenn das Wohnzimmer zur Kathedrale wird

Aufgrund der Corona-Einschränkungen können Gläubige die Gottesdienste und Angebote der Oktave nur digital mitverfolgen - eine neue Erfahrung und auch eine Herausforderung.

Von Marc Jeck

Auf Tuchfühlung mit der Stadt- und Landespatronin zu gehen, ist für viele Gläubige ein Höhepunkt im Jahreskalender, gehört die Oktav doch schließlich zur DNA der Luxemburger. Doch das vertraute analoge Pilgern findet in diesem Jahr nicht statt. Digitales Wallfahren zur Muttergottes ist aber kein Ding der Unmöglichkeit, wie einige Gläubige erzählen, die quasi über Nacht zu "e-Oktavpilgern" wurden.

"Wenn wir in diesem Jahr nicht physisch zur Trösterin der Betrübten kommen, um vor dem Votivaltar zu beten, so hoffen wir doch, dass Maria auf neuen Wegen zu uns kommt, um die Kirche in ihrer Form als Hauskirche neu zu beleben", erklärt Renée Schmit, Vorsitzende der Oktavkommission. Inmitten der Corona-Krise musste von dem Organisationsteam innerhalb kürzester Zeit ein Plan B – eine digitale Wallfahrtszeit – aus dem Boden gestampft werden. 

Im Gebet verbunden zu sein, verbunden mit Jesus und begleitet von Maria, erfüllt mich mit Freude.

Marie-Christine Ries

"Eine Oktave wie noch nie. Das braucht Mut, Fantasie, Kreativität und das Verständnis ihrer Empfänger, die sich durch unterschiedliche Sensibilitäten und Spiritualitäten kennzeichnen", unterstreicht Renée Schmit und sagt ergänzend: "Leider stellt man fest, dass auch hier die Älteren und Schwächsten der Gesellschaft oftmals auf der Strecke bleiben und auf anderen Wegen unterstützt werden müssen. In diesen Zeiten haben sich viele Priester, kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie die Gläubigen schnell umstellen müssen und so gibt es an vielen Orten bereits wertvolle Ansätze einer neuen digitalen Form der Verkündigung."

Der PC wird zum digitalen Pilgerstock 

Für die diesjährige Online-Oktave wurde ein spezielles Programm erarbeitet – neben einem alternativen Angebot mit Online-Exerzitien und der Idee der Hauskirche mit dem Oktavbrot. Das gesamte Programm finden die Gläubigen auf der Internetseite der Oktavkommission unter www.oktav.lu

Anlässlich seines Luxemburg-Besuchs im Mai 1985 bezeichnete Johannes Paul II. vor dem Votivaltar die Kathedrale als "Quelle des Heils". Somit ist auch die digitale Verbundenheit mit der Heimstätte Unserer Lieben Frau für viele Oktavpilger von großer Bedeutung. 

Mit einer Gebetsecke in der Wohnung fällt es leichter, sich auf die digitale Oktave einzustimmen.
Mit einer Gebetsecke in der Wohnung fällt es leichter, sich auf die digitale Oktave einzustimmen.
Foto: Marc Jeck

Vor dem Computer eine Messe zu verfolgen sei zwar gewöhnungsbedürftig, erzählt Milly Hellers, aber sie sei dankbar, dass die digitale Technik eine Direktübertragung aus der Kathedrale ins heimische Wohnzimmer möglich macht: "Ech hunn a menger Wunneng e Gebiedseck, wou elo an der Oktavzäit eng Duerstellung vun der Tréischterin drop steet. Do stellen ech mäi Computer virdrun. Um Ufank vun der Mass hëlleft mir d’Uergelspill fir mech anzestëmmen. Munch Lidder beréiere mech, anescht wéi soss. Ënnert den aktuellen Ëmstänn kréien déi Wierder eng nei Bedeitung, ginn zum Gebiet, a verbannen de Glawen nei mam Liewen. De gemeinschaftleche Kader vun der Mass feelt mir. Mee HIEN as doo – an d’Tréischterin och – dat gëtt Trouscht an Hoffnung", betont die engagierte Katholikin, die sich die Oktav mit einem neuen, digitalen Bewusstsein zu eigen machen möchte. Und neben dem PC steht der hölzerne Pilgerstock, der bei der Familienrallye am Eröffnungstag der Oktav im letzten Jahr dekoriert wurde. 

Krankheitsbedingt ist es Vanessa Swiontek aus der Pfarrei Kordall Ste Barbe nicht möglich, physisch den Liebfrauendom als Gebetsort aufzusuchen. "Lo ass de Computer, dee mech an d’Kathedral bréngt. A wat ech och flott fannen, dat ass datt een eng Käerz kann ufänke fir seng Uleies." Die Vorsitzende des Conseil pastoral paroissial bedauert allerdings dass viele ältere Mitmenschen, die alleine zu Hause sind, keinen Internetanschluss haben und somit vom Livestream ausgeschlossen sind. 

Auf "homeschooling" folgt "homeoctav"

Für Marie-Christine Ries entsteht durch die Teilnahme an den Online-Exerzitien "Chambre haute" auf der Internetseite der katholische Kirche in Luxemburg ein wohltuendes Gemeinschaftsgefühl. "Im Gebet verbunden zu sein, verbunden mit Jesus und begleitet von Maria, erfüllt mich mit Freude. Jeden Tag höre ich eine CD mit Oktavliedern, und das ist für mich, als wäre ich in der Kathedrale mit vielen anderen Menschen präsent. Es ist eine spannende Oktave", unterstreicht die bischöfliche Delegierte und langjährige Oktavpilgerin. 

Lo ass de Computer, dee mech an d’Kathedral bréngt.

Vanessa Swiontek

Auch der 13-jährige David verfolgt dieses Jahr das Wallfahrtsgeschehen im Internet. Eigentlich wollte der Messdiener an den schulfreien Nachmittagen in den Pontifikalandachten ministrieren. Nun hat Covid-19 den Tagesablauf durchkreuzt: "Homeschooling" findet nur vormittags statt, sodass am Nachmittag Zeit bleibt, die Andacht "live" im Internet zu verfolgen – und dabei noch ein Stück Geschichte über die Luxemburger Bischöfe in den Oktavpredigten des Diözesanseelsorgers der "Lëtzebuerger Massendénger" in Erfahrung zu bringen. 


01.05.2020, Nordrhein-Westfalen, Kevelaer: Menschen warten mit Abstand vor dem Kircheneingang vor Beginn eines Gottesdienstes. Ab heute dürfen in Nordrhein-Westfalen unter strengen Auflagen wieder Gottesdienste stattfinden; der Gottesdienst in Kevelaer ist der erste öffentliche Gottesdienst nach rund sieben Wochen Corona-Pause in dem Bundesland. Bischof Bätzing spricht zur Eröffnung der alljährlichen Wallfahrt in Kevelaer. Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Oktave: Grenzenlos mit Maria vernetzt
Die Abendmesse am Dienstag steht im Zeichen der Großregion und der Kevelaer-Pilger. Der niederrheinsiche Wallfahrtsort ist seit langem mit der luxemburger Oktave verbunden.

"Et wier méi flott, wann een dobäi wier", bedauert der Septimaner, der seinen Laptop inmitten von Darstellungen der Consolatrix Afflictorum aufgestellt hat. Trotz seiner "Messdiener-Quarantäne" bleibt er der Oktav auch digital verbunden, um zumindest in Bild und Ton den "Oktav-Geruch" ein Stück erfahrbar zu machen.

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