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Differdinger Musikschule auch für Schüler mit Behinderung
Lokales 2 Min. 17.06.2019

Differdinger Musikschule auch für Schüler mit Behinderung

Erst sollen die Schüler mit Behinderung an die Musik herangeführt werden. Später sollen sie alleine oder in der Gruppe ein Instrument lernen können.

Differdinger Musikschule auch für Schüler mit Behinderung

Erst sollen die Schüler mit Behinderung an die Musik herangeführt werden. Später sollen sie alleine oder in der Gruppe ein Instrument lernen können.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 17.06.2019

Differdinger Musikschule auch für Schüler mit Behinderung

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Menschen mit Behinderung, die das Musizieren lernen möchten, haben es schwer. Hierzulande gibt es kaum Angebote für sie. Aber nicht mehr lange. In Differdingen wird ein Pilotprojekt gestartet.

„Wenn man die Augen schließt und nur der Musik zuhört, merkt man nicht, dass der Pianist vielleicht blind ist oder der Schlagzeuger das Downsyndrom hat“, sagt Musiklehrerin Monique Kellen. In Luxemburg gebe es aber kaum eine Möglichkeit für Personen mit Behinderung, das Musizieren zu erlernen. Das soll sich nun in Differdingen ändern. 

Von September an öffnet sich die Differdinger Musikschule für Personen mit Handicap, ob Kinder oder Erwachsene. „In der Schweiz, wo ich gearbeitet habe, ist dies bereits selbstverständlich“, erzählt Monique Kellen. Als sie aber nach getätigtem Studium nach Luxemburg zurückkam, sei sie über die hiesige Lage „ein wenig erschrocken“ gewesen. 

Hohe Nachfrage

Dass die Nachfrage groß ist, davon ist Sarah Bergdoll, Projektleiterin der Stiftung Ecouter pour mieux entendre (EME) überzeugt. Die Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen einen Zugang zur Musik zu ermöglichen, die gemeinhin davon ausgeschlossen sind. So organisiert sie unter anderem Musikprojekte für Kinder mit Behinderung. 

„Oft kamen die Eltern danach zu uns, sagten uns, dass ihre Kinder große Freude an der Musik gefunden haben und fragten, wo sie denn Kurse besuchen könnten.“ Allerdings gab es bisher kein Angebot dafür. 

Idee bei Scheckübergabe geboren


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Die Thematik kam auch im Januar zur Sprache als die Fanfare aus Niederkorn der Stiftung EME einen Scheck überreichte. Anwesend war der Differdinger Bürgermeister Roberto Traversini. „Da hat es ,Klick‘ bei mir gemacht“, erzählt er. „Warum sollten wir das nicht in unserer Musikschule anbieten?“ 

Als sich dann auch noch herausstellte, dass mit Monique Kellen eine Lehrerin in der Differdinger Musikschule tätig ist, die in diesem Fach ausgebildet ist, wurde das Projekt auf die Beine gestellt. Knapp sechs Monate später sind die Flyer gedruckt und warten darauf, verteilt zu werden. „Es zeigt, dass es richtig war, als Gemeinde jemanden einzustellen, der vollzeitig für Integrationsfragen zuständig ist“, sagt Traversini zu dieser schnellen Umsetzung. 

Beginn im September

Anfangen werden die Kurse mit dem Schulbeginn im September. Offen ist das Angebot auch für Schüler, die nicht aus Differdingen sind. Im Prinzip sollen alle Instrumente, die in der Musikschule im Angebot stehen, verfügbar sein. Vorerst werden es aber das halbe Dutzend sein, das Monique Kellen selber beherrscht. 

Im ersten Musikjahr werde der Kurs aber eher eine Heranführung an die Musik sein, erklärt sie. Mit Instrumenten gespielt werde wohl erst im zweiten Jahr. Bis dorthin sollen weitere Lehrkräfte ausgebildet werden. „In einer ersten Phase geht es darum, die Musikschüler fachspezifisch zu fördern. In einem zweiten Schritt geht es dann um die Inklusion in bestehende Musikgruppen“, erklärt sie weiter. 

Wissenschaftlich begleitet wird das Differdinger Pilotprojekt, das auf zwei Jahre angesetzt wurde, von der Hochschule der Künste Bern (HKB). Die Person, die das Projekt begleiten wird, hat selber die Integration von behinderten Schülern in der Schweiz vorangetrieben, erklärt Monique Kellen weiter. Allerdings war dies bereits vor 30 Jahren. 

„Wie konnten wir so lange übersehen, dass es für Menschen mit Behinderung nicht möglich ist, Musizieren zu erlernen?“, so Roberto Traversini. Blind ist eben nicht nur der, dem das Sehen verwehrt ist. 


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