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Differdingen zeigt Plastik die rote Karte
Lokales 3 Min. 13.02.2019

Differdingen zeigt Plastik die rote Karte

Differdingen zeigt Plastik die rote Karte

Foto: Raymond Schmit
Lokales 3 Min. 13.02.2019

Differdingen zeigt Plastik die rote Karte

Einwegplastik ist ab sofort bei öffentlichen Veranstaltungen in Differdingen verboten. Die Gemeindeverwaltung will damit Strohalme, Einweggeschirr, Plastikbecher usw. von Festen verbannen.

Von Raymond Schmit 

Plastikabfall könnte sich durchaus zur Plage des 21. Jahrhunderts entwickeln. Sie sind Segen und Fluch zugleich. Kunststoffe können vieles erleichtern und sind im Alltag nicht mehr wegzudenken. 

Wer sich allerdings die apokalyptischen Bilder ansieht an Orten, an denen einst paradiesische Zustände herrschten, der wird wohl zu der Schlussfolgerung kommen, dass es eher ein Fluch ist. Plastikabfälle gefährden heute weltweit Flora und Fauna und drohen die Ökosysteme zu kippen. 

 Differdingen zieht die Notbremse

In Differdingen will man nicht mehr länger tatenlos zusehen. Dort ist Einwegplastik bei öffentlichen Veranstaltungen ab sofort verboten. Das hat der Gemeinderat im November 2018 einstimmig beschlossen. Diese Verfügung mag wohl ein kleiner Schritt in einer globalisierten Welt sein, sollte er Nachahmer finden, dann dürfte er aber eine nicht unerhebliche Wirkung haben. 

Bei öffentlichen Festen sollen Strohhalme, Einweggeschirr, Plastikbestecke und -becher künftig nichts mehr verloren haben. Das soll übrigens, wenn es nach dem Wunsch der Hausherren im Rathaus geht, auch auf Sportveranstaltungen gelten. Dort soll der Kunststoff nichts nur auf die Reservebank verbannt, sondern ins Abseits gedrängt werden. 

Unterstützung aus dem Rathaus 

Die Veranstalter von Festen, in erster Linie Vereine, will man in Differdingen nicht alleine im Regen stehen lassen. Deshalb möchte man ihnen vertretbare Alternativen zur Plastiklawine bieten. Die Akzeptanz der neuen Regelungen ist durchaus groß, wie sich im Rahmen einer Informationsversammlung zeigte, auch wenn der Umstieg auf umweltfreundliches Material nicht immer einfach oder zumindest gewöhnungsbedürftig ist. 

Es sei noch nicht fünf nach zwölf, meinte Bürgermeister Roberto Traversini im Rahmen dieser Informationsversammlung, allerdings sei der Zeitpunkt gekommen, um verantwortungsbewusst mit wertvollen Rohstoffen umzugehen. Und er wies darauf hin, dass es im Handel durchaus Alternativen zur Plastikflut gibt. 

Differdingen als "plastikfreie Zone" 

Bei der Eindämmung des Abfalls seien auch die Gemeinden gefordert, betonte der Bürgermeister. Es gehe darum, Feste umweltfreundlicher zu gestalten, und das am besten ohne Abfälle, ergänze Schöffe Georges Liesch. Und er fügte hinzu, dass die Gemeinde mit dem guten Beispiel vorangehe. 

So seien in Differdingen in den Kinderbetreuungseinrichtungen Plastikflaschen aus dem Verkehr gezogen worden. Alternativen zum Kunststoff seien oft nicht teurer, sondern ab und zu sogar billiger, erklärte Georges Liesch.

Er wies darauf hin, dass inzwischen auch die lokale Geschäftswelt ins Boot genommen worden sei, um Differdingen zu einer weitgehend plastikfreien Zone zu erklären. 

Probleme bei Sportveranstaltungen 

Auch wenn sich eine große Zustimmung unter den anwesenden Vereinen herausschälte, so gaben vor allem die Sportvereine zu verstehen, dass der Umstieg nicht unproblematisch sei. 

Bei ihnen mangele es nicht am guten Willen, wurde versichert, doch in den meisten Fällen seien es die Verbände, die den Vereinen vorschreiben, dass sie der gegnerischen Mannschaft Wasserflaschen zur Verfügung zu stellen haben, und in welchen Behältern Getränke an Zuschauer zu verkaufen sind. Dazu bedarf es wohl klärender Gespräche mit den Verbänden. 

Keine Strafzahlungen aber dennoch Konsequenzen

Zudem, so hieß es in der Versammlung, seien nachfüllbare Trinkflaschen und Wasserspender durchaus sinnvolle Alternativen für Sportler. Mit dem groben Geschütz will man in Differdingen demnächst nicht vorgehen gegen Vereine, die sich nicht an die neuen Spielregeln halten. Strafzahlungen seien nicht angedacht, versicherte Bürgermeister Roberto Traversini. 

Allerdings drohe den Veranstaltern, dass ihnen beim Nichteinhalten der Vorschriften im folgenden Jahr öffentliche Plätze oder Hallen nicht mehr für ihre Feste zur Verfügung gestellt werden. Auch sonst zeigt sich die Gemeindeführung eher entgegenkommend. Sollten den Vereinen Mehrausgaben durch den Umstieg auf umweltfreundliche Alternativen entstehen, dann sei man durchaus bereit, ihnen über den Weg von Subventionen finanziell unter die Arme zu greifen, so der Bürgermeister.