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Differdingen: Stadt nicht in Kenntnis, dass Deponie illegal war
Lokales 2 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Differdingen: Stadt nicht in Kenntnis, dass Deponie illegal war

Auf dem ehemaligen Crassier zwischen Sassenheim (oben links) und Differdingen befinden sich gleich mehrere Deponien. Für eine davon, ganz in der Nähe des Werks (unten auf dem Bild), hat ArcelorMittal keine Genehmigung.

Differdingen: Stadt nicht in Kenntnis, dass Deponie illegal war

Auf dem ehemaligen Crassier zwischen Sassenheim (oben links) und Differdingen befinden sich gleich mehrere Deponien. Für eine davon, ganz in der Nähe des Werks (unten auf dem Bild), hat ArcelorMittal keine Genehmigung.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Differdingen: Stadt nicht in Kenntnis, dass Deponie illegal war

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
Dass sich auf dem Crassier zwischen Differdingen und Sassenheim mehrere Deponien befinden, ist im Differdinger Stadthaus nichts Neues. Dass eine Deponie nicht genehmigt war, wusste man aber nicht.

Wurde die Stadt Differdingen in den zwei vergangenen Jahren von den Behörden über eine illegale Deponie auf ihrem Territorium in Kenntnis gesetzt? Dies fragte Rat Aly Ruckert (KPL) den Differdinger Schöffenrat während der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. 

Er bezog sich dabei auf eine Werksdeponie auf dem sogenannten Crassier, die ArcelorMittal nutzt, ohne, dass sie bisher genehmigt wurde. 

Erkenntnisse, die Umweltministerin Carole Dieschbourg vergangene Woche in der zuständigen Parlamentskommission bestätigte, dies nach Berichten vom Nachrichtenportal Reporter.lu.


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Stadt nicht in Kenntnis

Nein, die Stadt sei nicht davon in Kenntnis gesetzt worden, antwortete darauf Schöffe Georges Liesch (Déi Gréng). 

Zuvor hatte der heutige Oppositionsrat und frühere Schöffe Erny Muller (LSAP) erklärt, wie es dazu gekommen war, dass auch die Stadt die Deponie indirekt benutzt hatte. 


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Recyclingpark musste Schule weichen

Weil die Stadt am Standort ihres damaligen Recyclingparkes ein weiteres Gebäude der Ecole internationale errichten wollte, musste auch dieser Boden saniert werden. „Dieser kleine Teil wurde an die Prozedur angehängt“, so Muller, der damals Bautenschöffe war. 


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Muller: "Das konnte ich nicht wissen"

Ein Teil des Bodens war so verseucht, dass er ins Ausland abgetragen werden musste. „Das Projekt war für mich in Ordnung, wenn sich nun im Nachhinein herausstellt, dass die Deponie am Crassier nicht genehmigt war, dann konnte ich das nicht wissen“, sagte er. 

Alle Genehmigungen hätten damals vorgelegen. Dem schloss sich auch Fränz Schwachtgen (Déi Gréng), Präsident der Umweltkommission, an. „Aus Differdinger Sicht ist alles den Genehmigungen entsprechend geschehen.“ 

Treffen mit ArcelorMittal

Eingangs der Sitzung hatte Bürgermeisterin Christiane Brassel-Rausch (Déi Gréng) angekündigt, dass am 10. Februar eine Unterredung mit Vertretern von ArcelorMittal, der Gemeinde Sassenheim und Umweltministerin Carole Dieschbourg stattfinden soll, wo die Frage des Crassiers thematisiert werde. 

Keine Giftstoffe in der Korn

Auf weitere Fragen von Aly Ruckert erklärte Georges Liesch noch, dass nach dem Brand an der Kronospan umfangreiche Wasseranalysen an der Korn durchgeführt wurden. Dabei seien keine Restbestände von Giftstoffen von eventuellen Deponien gefunden worden. 

Was die Anfrage von ArcelorMittal und der Firma Cloos aus dem Jahr 2017 anbelangt, eine Industrieabfalldeponie auf dem Crassier einzurichten, sagte Georges Liesch, dass sich nichts an der Position der Gemeinde geändert habe. 


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Damals hatte sie eine „opposition formelle“ ausgesprochen. „Ehe wir irgendeine Genehmigung für eine neue Deponie geben, wollen wir ein Inventar von dem, was auf dem Crassier liegt“, so Liesch. 

Zudem verlangt die Stadt ein Konzept, wie damit umzugehen sei. Er empfinde es als positiv, dass nun wieder Bewegung in die Akte komme. 


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