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Diekircher Kavalkade: Ein Esel in der fünften Jahreszeit
Sechs Esel sind mittlerweile Teil des Karnevalsvereins „D'Eeselen aus der Sauerstad Dikrich“.

Diekircher Kavalkade: Ein Esel in der fünften Jahreszeit

Foto: Maximilian Richard
Sechs Esel sind mittlerweile Teil des Karnevalsvereins „D'Eeselen aus der Sauerstad Dikrich“.
Lokales 3 Min. 22.02.2017

Diekircher Kavalkade: Ein Esel in der fünften Jahreszeit

Am Sonntag findet die 38. Diekircher Kavalkade statt. 61 Vereine nehmen an der Karnevalsveranstaltung teil. Ganz vorne mit dabei sind die Esel des Karnevalsvereins „D'Eeselen aus der Sauerstad 
Dikrich“.

(m.r.)- In wenigen Tagen ist es so weit. Für ein paar närrische Stunden übernimmt Louis III. am Sonntag die Herrschaft der Stadt der Esel und lässt sich bei der 38. Diekircher Kavalkade von seinem Volk huldigen. Esel Louis III. und zwei seiner Artgenossen führen den größten und ältesten Faschingsumzug des Landes an.

Gemeinsam mit fünf weiteren Eseln und neun Zweibeinern des Vereins „D'Eeselen aus der Sauerstad Dikrich“ (ESD) kümmert sich Louis III. jährlich um die Organisation der Diekircher Kavalkade. Der ESD wurde 1978 gegründet. Seitdem gibt es in 
der Sauerstadt jedes Jahr einen 
Faschingsumzug.

Die erste Kavalkade fand jedoch 1870 statt. In Luxemburg betraten die Diekircher damit absolutes Neuland. Unter dem Motto „Expedition nach dem Schlaraffenland“ wurde der damalige Umzug zur landesweiten Sensation.

Stur und eigenwillig

„Esel spielten für den ESD von Anfang an eine bedeutende Rolle. Ungefähr seit 1985 hält der Verein seine eigenen Tiere“, so Sandro Dimola, Präsident der ESD.

Sechs Esel sind mittlerweile Teil des Karnevalsvereins. Das ganze Jahr über leben sie in einem Freigehege in Diekirch. Allerdings dürfen nicht alle von ihnen am Sonntag Karneval feiern. Welche Tiere den Umzug anführen dürfen, wird erst am Tag selbst entschieden.

„Esel sind sehr eigenwillige Tiere. Deshalb müssen wir auf ihre Launen Rücksicht nehmen“, so Dimola. Es sei notwendig, auf mehrere Esel zurückgreifen zu können, falls mal eines der Tiere keine Lust auf Karneval hat.

Erst vor kurzem hat der ESD Zuwachs bekommen. Das jüngs
te Mitglied der Eselfamilie heißt 
Lola. Rund ein Jahr nach der Geburt veranstaltete der Karnevalsverein im Dezember ein Tauffest für die junge Eseldame. Unter anderem stand Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo als Taufpate zur Verfügung.

Der Esel ist das Symbol der Stadt Diekirch.
Der Esel ist das Symbol der Stadt Diekirch.
Foto: Maximilian Richard

Nicht nur für den ESD hat der Esel eine besondere Bedeutung. Das Tier ist das Symbol der Stadt Diekirch. Der Ursprung dieser Verbindung ist allerdings umstritten.

Der Einsatz der Esel bei der Bewirtschaftung der Weinberge an den steilen Hängen des Herrenbergs könnte der Ursprung für den Ruf Diekirchs als „Stadt der Esel“ sein. Obwohl die Sauerstadt eigentlich für ihre Bierbraukunst bekannt ist, wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts rund um die Stadt Weinreben angebaut.

Möglicherweise war aber auch ein Palmesel, eine Eselfigur, die Jesus trägt, für den Ruf verantwortlich. Jedes Jahr am Palmsonntag wurde eine solche Figur in einer Prozession durch die Stadt getragen. In Luxemburg gab es diesen Brauch nur in Diekirch.

Welche Erklärung der Wahrheit entspricht, kann vielleicht nie geklärt werden. Den Diekirchern ist es aber eigentlich auch egal. Der Esel und die Stadt sind mittlerweile nicht mehr voneinander zu trennen.

Der Hahn hat ausgekräht

Das zeigte auch die Aufregung um den Diekircher Kirchturm. Während Renovierungsarbeiten stellte man 2013 fest, dass der Wetterhahn, der auf der Spitze des Kirchturms thronte, zu verrostet war, um weiterhin benutzt zu werden. Der Diekircher Gemeinderat beschloss daraufhin, den Hahn durch einen Wetteresel zu ersetzen.

Auf dem Kirchturm in Diekirch thront seit 2013 ein Esel.
Auf dem Kirchturm in Diekirch thront seit 2013 ein Esel.
Foto: Gerry Huberty

Sehr zum Bedauern des Kulturministeriums. Im Vorfeld der Renovierungsarbeiten seien alle Arbeitsschritte ordnungsgemäß vom Diekircher Gemeinderat beim „Service des sites et monuments nationaux“ angemeldet worden. Die Tatsache, dass in Zukunft ein Esel auf dem Kirchturm thronen soll, wurde jedoch verschwiegen.

Ein Jahr später ruderte die damalige Kulturministerin Maggy Nagel zurück. Die DP-Politikerin wolle sich nicht mit solchen „unwichtigen Dingen“ aufhalten. Wenn die Gemeinde Diekirch meine, der Esel sei gut und wichtig da oben auf der Turmspitze, dann solle dieser doch da bleiben, mit oder ohne Genehmigung, so Nagel.

Auch Louis III. kümmert es wenig. In Diekirch nimmt man solche „Eseleien“ ohnehin gelassen.

Alle Narren aufgepasst!

Die 38. Diekircher Kavalkade startet am Sonntag um 14.30 Uhr in der Route de Gilsdorf, um durch die Route de Larochette und die Rue Alexis Heck auf die Esplanade zu ziehen.

Weitere Infos zur Kavalkade sowie zu den Bus- und Zugfahrplänen gibt es auch unter:

www.cavalcade.lu


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