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Diekirch: Zehn Jahre Haft für Menschenschmuggel gefordert
Lokales 25.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Diekirch: Zehn Jahre Haft für Menschenschmuggel gefordert

Mit der Verkündung des Urteils wird sich am 4. April zeigen, wie die Richter in Diekirch die Rolle und die 
Reuebekenntnisse des Angeklagten Armando P. bewerten.

Diekirch: Zehn Jahre Haft für Menschenschmuggel gefordert

Mit der Verkündung des Urteils wird sich am 4. April zeigen, wie die Richter in Diekirch die Rolle und die 
Reuebekenntnisse des Angeklagten Armando P. bewerten.
Foto: John Lamberty
Lokales 25.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Diekirch: Zehn Jahre Haft für Menschenschmuggel gefordert

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Zehn Jahre Haft forderte die Staatsanwaltschaft in Diekirch am Montag im Prozess gegen jenen Mann, der an der illegalen Einschleusung von Migranten nach England mitgewirkt hatte.

Für die Staatsanwaltschaft ließ die umfangreiche Ermittlungsakte am Ende nur einen Schluss zu: Armando P. war im Räderwerk einer illegalen Schlepperbande mehr als nur ein simpler Komplize. Er war von Luxemburg aus als Kopf für die Gewährleistung sämtlicher logistischer Mittel verantwortlich, derer es bedurfte, um verzweifelte Migranten unter dem Deckmantel von Warentransporten vom französischen Festland nach Großbritannien zu schleusen.

Einblick in das Geschäft mit dem Elend

Ein unmenschliches Geschäft, an dem sich der Angeklagte allen Erkenntnissen zufolge von Beginn an aus reiner Profitgier beteiligt habe, dessen Perfektionierung er aktiv vorangetrieben habe und aus dem er bis zuletzt auch keineswegs habe aussteigen wollen, wie Substitutin Caroline Godfroid meinte, die am Montag für Armando P. denn auch wegen der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung eine Haftstrafe von zehn Jahren forderte – höchstens vier davon auf Bewährung.

"Hier soll ein Exempel statuiert werden"

„Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Staatsanwaltschaft an meinem Mandanten ein Exempel statuieren will, indem sie das gesamte Übel des Menschenhandels und der Flüchtlingsnot auf dessen Schultern abzuladen sucht“, ereiferte sich dagegen Me Philippe Stroesser, der zuvor ein gänzlich anderes Bild von Armando P. gezeichnet hatte.

Gebe sein Mandant auch zu, insbesondere mit der Beschaffung von Transportern und Fahrern, in elf Fällen an der versuchten Einschleusung von Migranten nach England mitgewirkt zu haben, so sei es doch völlig überzogen zu behaupten, ohne sein Zutun hätten die Taten nicht stattfinden können.

Kopf oder Komplize?

„Die Voraussetzungen für den illegalen Menschenschmuggel bilden letztlich nicht Transporter oder Fahrer, sondern Nachfrage und Angebot – in diesem Falle, die Bereitschaft von Migranten, für Überfahrten hohe Geldsummen zu zahlen und die Bereitschaft anderer, solche Fahrten in Auftrag zu geben“, so Me Stroesser.

Und gerade dies sei eben nicht in Luxemburg, sondern in Großbritannien geschehen, von wo aus die Vorfinanzierung der Transporte und die Kontaktaufnahme zu den Migranten organisiert worden sei.

Armando P. selbst bat den vorsitzenden Richter indes um eine zweite Chance auf ein ehrliches Leben an der Seite seiner Familie, ein Weg, den er nach den Verfehlungen der Vergangenheit zuletzt auch habe einschlagen wollen. Wie die Richter Rolle und Reue des Angeklagten bewerten, wird sich am 4. April bei der Verkündung des Urteils zeigen.


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