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Die Zeit danach
Leitartikel Lokales 2 Min. 01.04.2014

Die Zeit danach

Leitartikel Lokales 2 Min. 01.04.2014

Die Zeit danach

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Das Bankgeheimnis ist Geschichte. Luxemburg hat dem automatischen Informationsaustausch zugestimmt, und überdies auch noch seinen Widerstand gegen die erweiterte Zinsrichtlinie aufgegeben.

Das Bankgeheimnis ist Geschichte. Luxemburg hat dem automatischen Informationsaustausch zugestimmt, und überdies auch noch seinen Widerstand gegen die erweiterte Zinsrichtlinie aufgegeben. „Wenn uns jetzt noch einer vorwirft, wir wären nicht sauber, dann ist das Verleumdung!“, sagt Bankenpräsident Ernst Wilhelm Contzen. Bei so viel Transparenz stellt sich die Frage, warum überhaupt noch ein ausländischer Kunde nach Luxemburg kommen sollte? Sicherlich nicht, um sein Vermögen vor dem steuerlichen Zugriff seines Heimatlandes zu verstecken. Diese Zeit ist endgültig passé.

Die Beraterfirma McKinsey hat errechnet, dass etwa 15 bis 20 Prozent des verwalteten Vermögens am Standort Luxemburg wegen des Übergangs zum automatischen Informationsaustausch abfließen könnten. Wer sich im Milieu umhört, merkt, dass diese Größenordnung durchaus realistisch ist, wobei es je nach Geschäftsmodell Unterschiede gibt. Es sind vor allem die „kleinen“ Kunden, die ihr Geld abheben, oder sich mittels Selbstanzeige ihre Strafbefreiung kaufen.

Trotz dieser massiven Abflüsse hat sich an der Gesamtsumme von etwa 300 Milliarden Euro des im Luxemburger Privatkundengeschäft verwalteten Vermögens nicht viel geändert. Wie ist das möglich, wo doch zuletzt der Fall Hoeneß besonders bei der deutschen Kundschaft wieder für Verunsicherung sorgte? Viel Geld wurde abgehoben, aber genauso viel ist hinzugekommen. „New money“ hat „old money“ ersetzt, was von einer beachtlichen Erneuerungsfähigkeit zeugt.

Zwar wählen jetzt weniger Kunden Luxemburg als Zentrum ihrer Vermögensverwaltung, dafür aber bringen sie höhere Summen mit. Der neue Wunschkunde, der jetzt von den Banken hofiert wird, ist weder Zahnarzt noch Metzgermeister von Beruf. Er hat sein Vermögen auch nicht geerbt. Viel eher ist er ein gestandener Unternehmer, der es durch eigene Anstrengung zu etwas gebracht hat. Er ist weltmännisch, anspruchsvoll, und gut über finanzielle Zusammenhänge informiert. Er hat mehrere Kinder, und erwartet nicht nur eine kompetente Beratung, sondern zugleich juristische Expertise in Erbschaftsfragen. Vor dem Fiskus hat er nichts zu verstecken, um steuerliche Belange und deren Optimierung kümmern sich seine Anwälte. Wenn er nach Luxemburg kommt, dann bringt er mindestens eine Million Euro an liquidem Vermögen mit, am besten noch mehr. Er sucht Planungssicherheit – Risiko hat er in seinem Beruf genug – und ein stabiles Umfeld inmitten der EU.

Die Internationalität, die sich Luxemburg aufgebaut hat, ist ein Trumpf, den es auszuspielen gilt. Nicht nur die Kunden werden internationaler, auch die Geldhäuser kommen aus immer entfernteren Regionen: China, Brasilien, Persischer Golf. Zu ihrem 75. Jubiläum machte sich die ABBL selbst ein schönes Geburtstagsgeschenk: Erstmals seit über zehn Jahren steigt die Zahl der Banken wieder.

Das Privatkundengeschäft, das jetzt einen Paradigmenwechsel erfährt, ist nur eines von vielen Standbeinen am Platz. Internationales Kreditgeschäft, strukturierte Finanzierung, und vor allem die aufstrebende Fondsindustrie sind weitere Stützen. Auch die Versicherungs- und Rückversicherungsbranche gehört zur Vielfalt der Aktivitäten dazu. Der Finanzplatz steht und fällt nicht mit dem „Private Banking“, auch wenn dies in der öffentlichen Wahrnehmung manchmal so aussieht.

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