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Die Wahl
Leitartikel Lokales 2 Min. 19.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Die Wahl

Kathedrale - Luxemburg - Drohnenaufnahmen - Drohne -  Photo : Pierre Matgé

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Kathedrale - Luxemburg - Drohnenaufnahmen - Drohne - Photo : Pierre Matgé
Pierre Matgé
Leitartikel Lokales 2 Min. 19.05.2018 Aus unserem online-Archiv

Die Wahl

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
„An Pfingsten wird die Anhängerschaft Jesu in die Autonomie des Glaubens entlassen.“

Pfingsten begründet die Aussendung der Frohen Botschaft durch die ersten Christen. Die betreffenden Texte des Neuen Testamentes beziehen sich auf dieses besondere Ereignis: der Ausgießung des Heiligen Geistes über Jesu Jünger und Jüngerinnen. Hier geht es nur um den Glauben und seine Weitergabe in allen Sprachen.

Außerdem ist das Pfingstereignis ohne das Hochfest Christi Himmelfahrt, das ihm vorausgeht, nicht denkbar. Christi Himmelfahrt ist zugleich der Abschluss des irdischen Lebens Jesu und ein Erlösungsereignis: Jesus kehrt zu Gott zurück, aber er verspricht seinen verängstigten Jüngern, sie zur gegebenen Zeit mit dem nötigen Mut auszustatten.

Papst Leo der Große hat diesen Zusammenhang und die Kraft dieses Glaubens in seiner Predigt zu Christi Himmelfahrt im 5. Jahrhundert so festgehalten: „Diesen Glauben, der durch die Himmelfahrt des Herrn vermehrt und durch die Sendung des Heiligen Geistes gekräftigt wurde, vermochten weder Fesseln noch Kerkerstrafen, weder Verbannung noch Aushungern, weder Verbrennung noch Zerfleischung durch wilde Tiere, noch die von seinen Verfolgern angeordneten ausgesuchten grausamen Todesarten zu erschüttern.“

An Pfingsten wird die Anhängerschaft Jesu in die Autonomie des Glaubens entlassen und diese neuen Menschen im Glauben werden zu Handelnden. Sie sind nicht mehr nur die Empfänger einer Spiritualität zu Lebzeiten ihres Rabbis, nein, sie werden jetzt zu – unabhängigen – Verkündigern des Wort Gottes, und doch sind sie nicht allein und haben Teil am Heiligen Geist, der für die göttliche Sendung Jesu und seiner Vollendung steht sowie seiner Liebe zu den Menschen.

„Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aussenden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid. Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.“ (Johannesevangelium, 15,26-27; 16,12-15).

Es stand seinen Anhängern frei, zu ihrem vorherigen Leben zurückzukehren oder diesen Glauben, die einzigartigen Gleichnisse und Lehren weiterzugeben und von der Kraft des Heiligen Geistes und der Liebe Gottes zu schöpfen.

Die Sinnleere ist die Seuche der Zukunft und der übergeordnete Sinn ist nicht mehr zugänglich als Orientierung für den Alltag, hat der Philosoph und Theologe Viktor Franckl bemerkt. Gegen diese Sinnleere schreibt sich das Pfingstfest ein und diesen Weg beschreitet auch Papst Franziskus, wenn er die Jugend in seinem Buch, Gott ist jung, dazu auffordert, nicht Touristen, sondern Protagonisten des Lebens zu sein, in einer Welt, in der wir alte Träumer und junge Propheten sind. Diese Aufforderung reflektiert des Weiteren das Vertrauen, das Jesus den Menschen schenkt, und es kann auch uns heutzutage noch berühren und verändern, wenn wir es zulassen. Auch wir haben die Wahl.