Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Die Wärme, die im Boden schlummert
Das Viertel Neischelz könnte dank Geothermie gewärmt werden.

Die Wärme, die im Boden schlummert

Grafik: Architekt Christian Bauer
Das Viertel Neischelz könnte dank Geothermie gewärmt werden.
Lokales 3 Min. 28.02.2018

Die Wärme, die im Boden schlummert

Im Zuge der Neunutzung der Industriebrachen in Düdelingen soll die Erdwärme genutzt werden. Das ist ein Pilotprojekt für Luxemburg. Probebohrungen sollen Aufschluss über das vorhandene Potenzial geben. Erste Versuche sollen Mitte März getätigt werden.

Von Raymond Schmit

Die Neunutzung der Industriebrachen in Düdelingen nimmt konkrete Formen an. Geht es nach den Vorstellungen der Planer, dann soll auf dem ehemaligen Standort der Hütte ein neues Viertel mit 1 000 Wohneinheiten, Freizeitanlagen und umweltverträglichen Kleinbetrieben aus dem Boden gestampft werden.

Nach den Aussagen von Bürgermeister Dan Biancalana soll auf dem über 40 Hektar großen Areal ein lebendiger, moderner und vor allem nachhaltiger Stadtteil entstehen.

2012 wurde ein Masterplan für die Brache entwickelt, der 2016 überarbeitet wurde.
2012 wurde ein Masterplan für die Brache entwickelt, der 2016 überarbeitet wurde.
Grafik: Architekt Christian Bauer

Neischmelz soll C02-neutrales Viertel werden

Und zu eben dieser Nachhaltigkeit zählt auch, dass das Viertel möglichst CO2-neutral sein soll. Deshalb soll der Fokus auf erneuerbaren Energien liegen. Dazu fühle man sich als Klimapakt-Gemeinde verpflichtet, versicherte der Bürgermeister bei der Vorstellung des Projekts. Gleichzeitig will man einen Beitrag leisten, damit die Vorgaben der EU, bis 2020 einen Anteil von 20 Prozent an erneuerbaren Energien anzustreben, erreicht werden.


Düdelingen: Filmstudios für die Industriebrache
Elf Jahre hat es gedauert bis der Staat Eigner der Industriebrache in Düdelingen wurde. Nun kommt wieder Bewegung in die Akte „Nei Schmelz“. Erwägt werden unter anderem Filmstudios.

Drei Varianten

Um diese CO2-Neutralität zu erreichen, standen drei Varianten zur Diskussion: die Nutzung der Solarenergie, der Erdwärme oder Geothermie und der Windkraft. Von Windrädern nahm man Abstand, weil es inzwischen in der Südregion ein anderes Projekt in diesem Bereich gibt. Nun sollen es Sonne und Erdwärme richten.

Damit dringt man in Luxemburg erstmals nicht nur in ungeahnte Tiefen vor, sondern beschreitet auch Neuland. Das Pilotprojekt soll, wie bei der Vorstellung verlautete, wissenschaftlich begleitet werden. Untersuchungen haben ergeben, dass im Süden Luxemburgs durchaus ein großes Potenzial unter der Erdoberfläche schlummern könnte.

Probebohrungen Mitte März

Gewissheit sollen nun Probebohrungen ergeben, die Mitte März auf dem Areal der früheren Schlackenhalde im Stadtzentrum anlaufen werden und bis zu zwölf Wochen dauern könnten. Sollten die Ergebnisse schlüssig sein, dann könnte die Erdwärme nicht nur für das geplante neue Viertel auf den Industriebrachen genutzt werden, sondern auch für bestehende Stadtteile wie Schmelz und Italien.

Mitte März soll mit den Testbohrungen auf dem Gelände der früheren Schlackenhalde in Düdelingen begonnen werden.
Mitte März soll mit den Testbohrungen auf dem Gelände der früheren Schlackenhalde in Düdelingen begonnen werden.
Foto: Raymond Schmit

Bis zu einer Tiefe von 400 Meter sollen die Bohrer in einer ersten Phase vordringen. Die Ergebnisse der ersten Testbohrungen sollen Aussagen darüber liefern, ob 1 000 bis 1 500 Meter angestrebt werden sollen. Zur Durchführung der Arbeiten gab es Anfang 2017 vom staatlichen Fonds du logement, der das Gelände erschließt, eine europäische Ausschreibung.

Von vier Bewerbern kamen deren drei in die engere Auswahl. Zurückbehalten wurde schließlich die deutsche Firma Vormann aus Nordrheinwestfalen. Kontakte gibt es auch zum Geothermie-Zentrum in Bochum, das die Werte analysieren wird.

Doktorarbeit gibt Hoffnung

Dass man mit einem gewissen Optimismus an das Unternehmen herangeht, führte Robert Colbach von der staatlichen Dienststelle für Geologie darauf zurück, dass ein luxemburgischer Student in Potsdam seine Doktorarbeit zum Thema geschrieben hat. Und die hat ergeben, dass die Region Düdelingen-Esch/Alzette sich durchaus für die Nutzung der Erdwärme eignen könnte.

Das Gelände des neuen Viertels erstreckt sich über 40 Hektar.
Das Gelände des neuen Viertels erstreckt sich über 40 Hektar.
Foto: Lex Kleren

Regionale Nutzung

Informationen durch die Bohrungen erhofft man sich auch über den Buntsandstein in der Region in einer Tiefe von 800 bis 900 Metern, die Wasserdurchlässigkeit, die Leitfähigkeit und den Sandstein, der sehr wichtig ist für die Trinkwasserversorgung. Von den Probebohrungen erwartet man außerdem Aufschluss über eine mögliche Nutzung der Erdwärme in der ganzen Region Düdelingen-Esch/Alzette.

Die umweltfreundliche Energiequelle könnte durchaus in Zukunft eine Rolle in Fernwärmenetzen spielen. Dass man in Tiefen von mehr als 400 Meter vordringt, ist laut Robert Colbach an sich nicht außergewöhnlich. In Luxemburg haben solche Bohrungen aber eher Seltenheitswert. Erst vier Mal stieß man tiefer in die Erde vor. Zuletzt war das 1979 in Mondorf. Dort fraßen sich die Bohrer 730 Meter in die Tiefe.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Industriebrache: Staat kauft sich bei ArcelorMittal ein
Regierung und ArcelorMittal sind zu einer Einigung gekommen: Der Staat kauft dem Stahlriesen rund 60 Hektar Bauland auf früheren Industriebrachen ab. Betroffen sind Beles, Düdelingen, Petingen und Wiltz. Zum Teil stehen noch Sanierungen an.
Fotoen Diddeleng, hannert dem CNA, Foto Lex Kleren