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Die Tram ist angekommen
Erst kritisiert, dann geliebt: Die Tram läßt keinen kalt.

Die Tram ist angekommen

Chris Karaba
Erst kritisiert, dann geliebt: Die Tram läßt keinen kalt.
Lokales 3 Min. 09.03.2018

Die Tram ist angekommen

Jacques GANSER
Jacques GANSER
83 Prozent der Einwohner halten, laut einer TNS-Ilres-Umfrage, die Tram für ein positives Projekt. Die Zustimmung für das Mobil ist mit der praktischen Umsetzung deutlich gewachsen.

Rund 17000 Passagiere benutzen die Tram jeden Tag. Obwohl erst ein kurzes Teilstück des gesamten Netzes fertiggestellt ist und die Tram erst seit einem Monat den regulären und kostenpflichtigen Fahrbetrieb aufgenommen hat, erfreut sie sich laut TNS-Ilres-Umfrage hoher Sympathiewerte. So sind mittlerweile 83 Prozent der 1000 befragten Einwohner der Meinung, dass die Tram ein gutes Projekt sei. 13 Prozent behalten eine negative Meinung.

"Wir beobachten diese im Schnitt 10 bis 15 Prozent negative Antworten quer durch unsere Umfrage", so der TNS-Ilres-Verantwortliche Charles Margue. "Es scheint sich hier um prinzipielle Kritiker des öffentlichen Transports zu handeln, die sie wohl noch überzeugen müssen", so Margue in Richtung Infrastrukturminister François Bausch. Beeindruckend ist vor allem die Entwicklung der öffentlichen Meinung der Tram gegenüber. "Ich verfolge die Diskussionen seit mehr als 20 Jahren," so Margue. „Damals stand fast jeder Zweite dem Projekt skeptisch gegenüber. Die Zustimmungswerte stiegen jetzt aber von 57 Prozent im Februar 2015 auf 84 Prozent im Januar 2018."


Deutlicher Stimmungsumschwung

Laut Margue habe wohl erst die konkrete Auseinandersetzung mit dem Projekt zu dem Stimmungsumschwung geführt. Aber auch die veränderte Demographie in der Stadt Luxemburg hat wohl nachgeholfen: Ältere Bürger zeigten sich von der Tram eher begeistert als jüngere, Luxemburger wiederum sind skeptischer als Einwohner anderer Nationen. Der Umfrage zufolge ist auch eine Mehrheit der Befragten bereit, häufiger auf den öffentlichen Transport zurück zu greifen. Zudem erklärten 77 Prozent der Befragten, dass sie die Nutzung der Tram weiter empfehlen würden. Die Tram kannte vor allem in der Einführungsphase seit Dezember einen enormen Erfolg. In den erstens sechs Wochen nutzten 28 Prozent der Bevölkerung die Gelegenheit einer Freifahrt. Regelmäßig genutzt wird die kurze Strecke allerdings nur von zwei Prozent der Befragten, hauptsächlich um zur Arbeit zu gelangen oder um zu shoppen. 72 Prozent haben dem gegenüber angegeben, die Tram noch nie benutzt zu haben.

Zu den wenigen Kritikpunkten gehört der Komfort während des Transportes. Luxtram Direktor André Von Der Marck betonte, dass man noch einige Kinderkrankheiten überstehen müsste. Dazu gehört unter anderem die Einstellung der Heizanlagen. Eine Geruchsbelästigung, die kurzfristig in einem der Wagen entstanden war, sei laut Van der Marck auf einen Wechsel der Bremsflüssigkeit zurückzuführen gewesen. Das Problem sei jetzt aber behoben. Sowohl Infrastrukturminister François Bausch als auch Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer äußerten sich positiv über die Sympathiewerte für die einst umstrittene Tram.

Sanfte Mobilität

In einem zweiten Teil der Umfrage wurde generell nach der Akzeptanz des Angebotes der sanften Mobilität gefragt. Während zusätzliche Park&Ride Stellplätze, der Ausbau des Schienennetzes und ein verbessertes Informationssytem Anklang fanden, gab es für das Carsharing-Konzept der CFL und den Ausbau der Fahrradpisten eher kritische Stimmen. Zum Teil liegt das aber wohl auch am mangelnden Bekanntheitsgrad des erst kürzlich eingeführten Car-Sharings.

"Die Gewohnheiten müssen sich wohl erst noch finden. Aber wenn wir Schwachstellen ausfindig machen, sind wir immer bereit zu korrigieren." Zugleich wurde aber auch die dritte Sicherheitskampagne vorgestellt, die ab Mitte des Monats die Verkehrsteilnehmer über das Zusammenleben mit der Tram informieren soll. „Wenn wir demnächst jenseits der Rout Bréck in die älteren Stadtviertel gelangen, wird es auch enger zugehen. Deshalb ist es wichtig, dass alle Teilnehmer, vom Autofahrer über den Radfahrer bis zum Fußgänger, wissen, wie sie sich gegenüber der Tram verhalten sollen und wer wann Vorfahrtsrechte genießt.“ Ein Faltblatt, Plakate sowie ein kurzer Videofilm werden auf die Regeln hinweisen. Zudem werden diese tramspezifischen Verkehrsregeln und -zeichen auch der neuesten Ausgabe des Code de la route populaire beiliegen.


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