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Die stehende Gefahr
Lokales 4 Min. 19.04.2019

Die stehende Gefahr

Erst im März wurde ein Lastwagenfahrer zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er nach einem illegalen Halt auf der Autobahn A 1 sehr langsam wieder auf die Autobahn aufgefahren war und so einen tödlichen Unfall verursacht hatte.

Die stehende Gefahr

Erst im März wurde ein Lastwagenfahrer zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er nach einem illegalen Halt auf der Autobahn A 1 sehr langsam wieder auf die Autobahn aufgefahren war und so einen tödlichen Unfall verursacht hatte.
Foto: CIS Niederanven-Schüttringen / LW-Archiv
Lokales 4 Min. 19.04.2019

Die stehende Gefahr

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Immer wieder kommt es auf Autobahnen zu schweren Unfällen mit haltenden Lastwagen. Doch was macht diese eigentlich so gefährlich?

Sie sind ein gewohntes Bild auf Luxemburgs Transitautobahnen: tonnenschwere Sattelschlepper am Fahrbahnrand. Dennoch wird die Gefahr, die von ihnen ausgeht, oft unterschätzt.

Zuletzt haben am 10. April zwei Menschen, darunter ein 27-jähriger Luxemburger, auf der belgischen Autobahn E 25 nahe Bastogne ihr Leben verloren, als ihr Wagen mit hoher Geschwindigkeit auf einen Lastwagen auffuhr.

Einen Monat zuvor, in der Nacht zum 12. März, war ein 39-jähriger Mann auf der Autobahn A 1 gestorben, als ein Kleinwagen bei voller Fahrt zwischen Potaschberg und Münsbach mit einem stehenden Lastwagen kollidierte.


Lok , Unfall Potaschbierg A1, Potaschbierg Richtung Luxemburg , Pkw gegen Lkw , 1 Toter , Foto:Guy Jalllay/Luxemburger Wort
Ein Toter auf der A1 in Richtung Luxemburg
Gegen 3.30 Uhr musste eine Person auf der A1 bei einem Unfall ihr Leben lassen, ein Mensch schwebt in Lebensgefahr.

Der Beifahrer konnte nur noch tot aus dem Fahrzeugwrack geborgen werden. Der Fahrer wurde lebensgefährlich verletzt. Warum letzterer das Hindernis am Fahrbahnrand übersehen hatte, ist unklar.

In einem ähnlichen Fall aus dem Jahr 2016 ist nun am vergangenen 21. März ein polnischer Lastwagenfahrer von der hauptstädtischen Kriminalkammer zu einer Haftstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Verbotener Halt mit Todesfolge

Er war mit seinem Sattelgespann nach einem verbotenen Halt an der Ausfahrt Flaxweiler sehr langsam wieder auf die Autobahn in Richtung Trier aufgefahren. Ein Autofahrer hatte den Lastwagen in der Dunkelheit und im strömenden Regen übersehen und diesen ungebremst gerammt.

Er wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen aus dem Autowrack geborgen und verstarb wenige Tage später. Die Ermittlungen ergaben, dass das 24-jährige Opfer noch 15 Sekunden vor dem Impakt per Smartphone eine Botschaft in einem Internetchat veröffentlicht hatte.


Der Autofahrer wurde bei dem Auffahrunfall lebensgefährlich verletzt.
Prozess wegen tödlicher Langsamkeit
33 km/h langsam fährt ein Sattelschlepper am Abend des 16. November 2016 in der Nähe von Flaxweiler auf der Autobahn A1. Ein Autofahrer fährt auf und stirbt Tage später. Dem Unfallverursacher droht nun eine Haftstrafe.

Ein Gutachter schlussfolgerte jedoch, dass der Unfall aufgrund der Umstände auch ohne den Handygebrauch des Fahrers kaum vermeidbar gewesen wäre.

Aber was ist es eigentlich, was die Lastwagen am Fahrbahnrand so gefährlich macht?

„Ein Lastwagen hat offensichtlich eine viel größere Masse als ein Auto“, antwortet der Leiter der Autobahnpolizei Laurent Lentz auf diese entscheidende Frage.

„Wenn es dann zu einer Kollision mit den auf der Autobahn üblichen Geschwindigkeiten kommt, ist der Schaden auch entsprechend größer. Dazu kommt, dass ein auffahrendes Auto, aufgrund der Bauweise der Anhänger von Sattelschleppern, zumeist unter diesen gerät. Solche Unfälle enden dann sehr schnell tödlich.“

„Schwer erkennbare Bedrohung“

Darüber hinaus seien stehende Lastwagen vor allem nachts nicht immer sofort als solche zu erkennen, meint der Chef der Verkehrspolizei. „Und dann rast man plötzlich auf ein großes Hindernis zu.“

Ein Lastwagen auf einer Pannenspur müsse daher sofort abgesichert und schnellstmöglich abgeschleppt werden. Deswegen sei es auch wichtig, die Polizei über gefährlich stehende Fahrzeuge zu informieren. Denn nicht jedes Stück Autobahn ist tatsächlich auf den Bildschirmen der Verkehrsüberwachungszentrale zu sehen.


Haftstrafe auf Bewährung nach tödlichem Unfall
Ein polnischer Lastwagenfahrer, der im November 2016 auf der Autobahn A1 bei Flaxweiler einen tödlichen Unfall verursacht hatte, wurde am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Dazu kommt ein anderes Problem, das schnell gefährlich werden kann: zweckentfremdete Nothaltebuchten. Diese sind eigentlich dafür ausgelegt, dass ein Fahrzeug, das durch einen Notfall auf der Autobahn zum Anhalten gezwungen wird, weit von der Fahrbahn entfernt, in einer geschützten Einbuchtung stehen kann.

Fernfahrer benutzen diese Notbuchten aber auch gerne, um dort ungestört ihre gesetzlich vorgeschriebene Ruhepause einzulegen. „Damit blockieren sie einerseits die Nothaltebucht für echte Notfälle“, betont Laurent Lentz.

„Andererseits bleibt ihr Fahrzeug noch immer ein stehendes Hindernis auf der Autobahn.“ Richtig gefährlich wird es dann, wenn sie die Haltebucht im Schritttempo verlassen und dann versuchen, sich in den fließenden Verkehr einzugliedern.

Stau vor der Tankstelle

Besonders gefährlich und vor allem auch unübersichtlich wird die Situation, wenn sich vor den Autobahnraststätten oder Tankstellen ein Lastwagenstau bildet.

Wenn der Rasthof überlastet ist, halten die Sattelschlepper oft stundenlang auf dem Seitenstreifen vor und hinter der Anlage – in einem Bereich, in dem es ohnehin häufige Spurwechsel und überraschende Bremsmanöver gibt.


Aire de Berchem: Auto prallte gegen Lastwagen - Fahrer tot
Welche Ursache hat wohl zu diesem schrecklichen Unfall geführt.? Ein Wagen raste in der Nacht zum Samstag in einen abgestellten Lastwagen.

Hier schreitet dann die Polizei ein. Denn es gibt – und das eben nicht ohne Grund – ein prinzipielles Halteverbot auf Autobahnen, außer in Fällen von höherer Gewalt. Darüber hinaus ist auch das Parken und Halten auf den Raststätten streng geregelt.

Verstöße werden mit einem Bußgeld in Höhe von 145 Euro und einem zweifachen Punkteabzug geahndet. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 133 derartige Bußgeldstrafen verhängt.

In einer Branche, in der der Monatslohn für osteuropäische Berufsfahrer zumeist zwischen 400 und 800 Euro liegt, ist das ein hoher Preis.

Viel Zeitaufwand, wenig Wirkung

Doch das Halteverbot auf der gesamten Länge des 152 Kilometer umfassenden Autobahnnetzes durchzusetzen, ist für die Polizei keine leichte Aufgabe. „Es ist vor allem sehr zeitaufwendig“, erklärt Laurent Lentz.


Einsatz am frühen Morgen: Ein Auto hatte einen parkenden Lkw übersehen.
Auto fährt auf Lastwagen auf - ein Verletzter
Am frühen Samstagmorgen kam es gegen 4 Uhr zu einem Verkehrsunfall in der Auffahrt zur Aire de Berchem auf der A3. Ein Auto war auf einen abgestellten Lastwagen aufgefahren.

„Zunächst muss der Polizeieinsatz auf der Autobahn abgesichert werden. Dann folgt die Kontaktaufnahme – falls der Fahrer sich überhaupt im Fahrzeug befindet. Wenn er in der Kabine schläft, muss dieser zunächst erst geweckt werden.

Dann kommt das Problem der Sprachbarriere. Viele osteuropäische Fahrer beherrschen weder Englisch noch eine der Landessprachen. Es dauert oft bis zu einer Stunde, um das Problem an einer Stelle zu beheben.“

Neben den Bußgeldern steht den Sicherheitskräften auch eine andere Maßnahme zu. Sie können Raststätten schlicht und einfach für den Lastverkehr sperren. Doch das verlagert das Problem oft nur zu Nothaltebuchten und Ausfahrten – ein Teufelskreis.


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33 km/h langsam fährt ein Sattelschlepper am Abend des 16. November 2016 in der Nähe von Flaxweiler auf der Autobahn A1. Ein Autofahrer fährt auf und stirbt Tage später. Dem Unfallverursacher droht nun eine Haftstrafe.
Der Autofahrer wurde bei dem Auffahrunfall lebensgefährlich verletzt.
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