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Die Sprachsituation in Krankenhäusern Ein Sprachenmix, der sich bewährt hat
Lokales 5 Min. 04.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Die Sprachsituation in Krankenhäusern Ein Sprachenmix, der sich bewährt hat

Die Sprachsituation in Krankenhäusern Ein Sprachenmix, der sich bewährt hat

Photo: Anouk Antony
Lokales 5 Min. 04.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Die Sprachsituation in Krankenhäusern Ein Sprachenmix, der sich bewährt hat

Ob CHL, CHEM oder Hôpital Kirchberg: Die drei großen Krankenhauszentren des Landes stehen zu dem Recht des Patienten, in seiner Muttersprache angesprochen zu werden und sich ausdrücken zu können. Die Angestellten hätten sehr gute Sprachkenntnisse, heißt es unisono. Zudem investiere man seit Jahren gezielt in die Weiterbildung des Personals, auch bei den Sprachen.

Ein Leserbrief, in dem eine Mutter ihre Erlebnisse im Krankenhaus niederschrieben hatte, schlug hohe Wellen. In der „Kannerklinik“, so beklagte sich die Frau, hatte sie mit zwei Krankenschwestern und einem Arzt nur auf Französisch sprechen können. Der Leserbrief erschien bereits im November im „Luxemburger Wort“ und auf wort.lu. Doch als der Text Ende Januar über die sozialen Netzwerke weiterverbreitet wurde, bekam das Thema eine neue Dynamik.

Die Polemik schien einen Nerv getroffen zu haben, umso mehr, als eine ähnliche Geschichte aus einem anderen Krankenhaus im Sommer 2013 bekannt geworden war. Doch die Führungsgremien aus drei Krankenhäusern verteidigen ihre Politik in Sachen Personaleinstellung und sprachlicher Weiterbildung.

Im CHL und im Hôpital Kirchberg werden 32 Sprachen gesprochen

„Im CHL kann der Patient Luxemburgisch, Französisch oder Deutsch sprechen, ganz wie er wünscht“, schrieb etwa der Direktor des CHL in der Dezember-Ausgabe der Mitarbeiterzeitung des Krankenhauses. „Hier sprechen wir 32 Sprachen“, versichert auch der beigeordnete CHL-Direktor, Damien George. Aus seiner Sicht sei der Fall vom November ein isolierter Vorfall.

„Wir wissen sehr genau, wer von unseren Beschäftigten welche Sprache spricht“, so George. Es gehe um mehr als lediglich das Benutzen des Luxemburgischen. Die gleiche Ansicht vertritt man auch im Hôpital Kirchberg. „Innerhalb eines Jahres haben wir Patienten aus 41 Ländern gezählt“, so Direktionsmitglied Marc Schlim. „Aus meiner Sicht ist das Großherzogtum das einzige Land in Europa, in dem Patienten verschiedener Nationalitäten davon ausgehen können, in ihrer eigenen Sprache angesprochen zu werden“, sagt auch Paul Wirtgen, Generaldirektor der Fondation François-Elisabeth (FFE), die unter anderem das Kirchberger Krankenhaus betreibt.

Sprachenvielfalt in den Betreuungsteams

„Unter diesem Gesichtspunkt ist die Frage der Sprachbeherrschung insgesamt komplexer geworden“, so Wirtgen. „Unser Gesundheitssystem ist offen für jeden. Ob man in Wiltz, Ettelbrück, Luxemburg oder Esch hospitalisiert ist – es gibt überall einen unterschiedlichen Sprachenmix. Es wäre aber heuchlerisch zu behaupten, dass 100 Prozent unserer medizinischen Mitarbeiter sämtliche Sprachen beherrschen, die von unseren Patienten gesprochen werden.“

Luxemburgs Krankenhäuser setzen daher auf einen Sprachenmix innerhalb der Pflegeteams. „Es gibt keine frankofonen oder deutschsprachigen Teams“, betont Marc Schlim. Alle Mitglieder des Pflegepersonals seien in der Lage, mindestens Luxemburgisch, Französisch, Deutsch und Englisch zu verstehen.

Absolventen des LTPS sind sehr begehrt

Zum 1. Januar 2013 zählte das CHL 2084 Mitarbeiter, von denen die Luxemburger 39 Prozent ausmachten. Im Hôpital Kirchberg leben 55 Prozent der Angestellten in Luxemburg, berichtet Karine Rollot, Verantwortliche der Personalabteilung. Im CHEM kommen derweil 51 Prozent der Beschäftigten aus Luxemburg. Diese Zahlen würden auf einen Mangel an Absolventen der medizinischen Fachschule Lycée technique des professions de santé (LTPS) hindeuten, erklärt Damien George. Seiner Ansicht nach gebe es viel zu wenig Absolventen des Gymnasiums. Daher sei man gezwungen, auf Fachkräfte aus der Großregion zurückzugreifen.

Auch Karine Rollot teilt diese Einschätzung und die Personalchefin des CHEM, Patrizia Ascani, bestätigt: „Es ist in der Tat so, dass wir uns um die besten Studenten förmlich reißen und das mit Einstellungszusagen ab dem dritten Ausbildungsjahr.“ Aber eigentlich müsse das Problem schon vor dem Eintritt in das LTPS angegangen werden: „Ein Student kann wegen einer Schwäche bei den Sprachkenntnissen in der Sekundarschule zurückfallen, und damit den Leistungsstand verpassen, der für den Eintritt in das LTPS gefordert wird.” Mehrsprachigkeit sei zwar ein Trumpf Luxemburgs, „aber für einheimische Kinder, die nicht die erforderlichen Fertigkeiten besitzen, kann es auch ein Hindernis sein“, so Ascani.

Verschiedene Fortbildungsangebote

Wenn der Arbeitsvertrag unterzeichnet wird, muss ein Mitarbeiter, der das Luxemburgische nicht beherrscht, sich verpflichten, die Sprache zu erlernen. Die Krankenhäuser bieten Sprachkurse an, die während der Regelarbeitszeit stattfinden, oder sie nutzen die Möglichkeiten des Sprachurlaubs, die das Gesetz seit 2009 vorsieht. Nach zwei Jahren Laufzeit ergab eine Untersuchung, dass die Gesundheits- und Pflegebranche seine Beschäftigten am stärksten dazu ermutigt, den Sprachurlaub zu nutzen.

Mit diesem Ziel wurden etwa im CHL im Jahr 2011 rund 1 000 Stunden angeboten, ein Jahr später sogar 2 400 bei 41 Teilnehmern und 3 500 Stunden im vergangenen Jahr (61 Teilnehmer). Die FFE bietet ihrerseits nicht nur Sprachkurse in Gruppen an, sondern ebenfalls e-learning-Kurse sowie Sitzungen mit persönlichen Coaches.

Eigenverantwortung oder Prüfung

Sowohl CHL, als auch CHEM und die Einrichtungen der FFE veranstalten Prüfungen nach den angebotenen Kursen. Im CHEM ist eine bestandene Prüfung nach der vorläufigen Einstellung sogar eine Voraussetzung für einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Im CHL sollen Ausbilder künftig Namensschilder tragen, auf denen die Sprachen gekennzeichnet sind, die der einzelne sich verpflichtet zu sprechen. Unter den fünf Werten, die seit 2009 im CHL zum Leitbild gehören, steht auch das Streben nach Höchstleistungen bei der Mehrsprachigkeit. Gleiches gilt für die FFE, wo die Entwicklung der Sprachkenntnisse des Personals regelmäßig überprüft wird.

Ebenfalls im Jahr 2009 hat das CHEM sein Projekt „Mir schwätze Lëtzebuergesch“ gestartet. 255 Mitarbeiter haben bisher an dem Kurs teilgenommen. Die FFE hat mit dem „Projet Moien“ einen ähnlichen Weg eingeschlagen und zudem seit 2007 mehr als 270 Mitarbeitern die Luxemburgische Sprache beigebracht.

Seit 2011 schreibt eine Dienstanweisung im CHEM vor, welches Sprachniveau für einen bestimmten Posten verlangt wird. Pfleger müssen beispielsweise mindestens ein B2 im Luxemburgischen vorweisen können. „Natürlich kann diese Bestimmung nicht rückwirkend für Mitarbeiter gelten“, sagt Patrizia Ascani, die jedoch eine Veränderung festgestellt hat. „Initiativbewerbungen bekommen wir immer häufiger mit einem Zertifikat zu den verlangten Sprachkenntnissen“. Die Krankenhäuser begnügen sich inzwischen nicht mehr mit dem Erlernen der luxemburgischen Sprache, sondern bieten auch Kurse mit medizinischen und fachlichem Schwerpunkt an auf Französisch, Deutsch und Englisch.

Dominique Nauroy


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