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Die Sicherheitskräfte ziehen Bilanz: Drogenbekämpfung im Blickpunkt
Lokales 4 Min. 15.04.2016

Die Sicherheitskräfte ziehen Bilanz: Drogenbekämpfung im Blickpunkt

Das Bahnhofsviertel ist nur einer von drei Knotenpunkten im Drogenhandel.

Die Sicherheitskräfte ziehen Bilanz: Drogenbekämpfung im Blickpunkt

Das Bahnhofsviertel ist nur einer von drei Knotenpunkten im Drogenhandel.
Foto: Polizei/Archiv
Lokales 4 Min. 15.04.2016

Die Sicherheitskräfte ziehen Bilanz: Drogenbekämpfung im Blickpunkt

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Die Polizei steht bei der Bekämpfung des Drogenhandels an vorderster Front und kann auch Erfolge vorzeigen. Alleine lösen wird sie das Drogenproblem allerdings nicht.

Von Steve Remesch

Seit Dezember ist der Blickpunkt der Öffentlichkeit zunehmend auf die Drogenkriminalität – vorrangig im hauptstädtischen Bahnhofsviertel -  gerichtet. Grund genug für die Sicherheitskräfte, bei der Vorstellung der Polizeistatistiken 2015 den Akzent auf ihre Bemühungen und Erfolge bei der Bekämpfung des Drogenhandels zu legen.

Mit einem Satz brachten es die Verantwortlichen der Ordnungshüter gestern auf den Punkt: „Die Polizei alleine wird das Drogenproblem nicht lösen“. Und tatsächlich wurde es sich in diesem Sinne in den vergangenen Monaten auf politischer Ebene recht einfach gemacht. Sowohl auf lokaler wie auch auf nationaler Ebene galt der Fingerzeig stets dem repressiven Arm des Gesetzes. Präventions-, Begleitungs- und Ausstiegsmöglichkeiten wurden zwar stets angesprochen, tatsächlich geschehen ist in jüngster Zeit allerdings nicht viel.

So weit ging man gestern bei der Polizei nicht. Die gute Zusammenarbeit mit den etablierten Strukturen wurde hervorgehoben sowie auch die Präventionsarbeit der Sicherheitskräfte in den Schulen und die Aufklärung der Eltern.

Handel, Transport, Besitz und Gebrauch

In den Verantwortungsbereich der Polizei fällt allerdings ohnehin eher die Durchsetzung der Gesetze: Nicht nur Handel, sondern auch Transport, Besitz und Gebrauch von Rauschmitteln sind strafbar.

„Wir zeigen Präsenz auf dem Terrain“, erklärte Sophie Hoffmann von der Kriminalpolizei. „Hier geht es einerseits um den ,flagrant délit‘ und andererseits um Schwerpunktaktionen, wie sie in den vergangenen Monaten vermehrt durchgeführt wurden“. ¨

In diesen Bereich fallen auch die so genannten „Hazeldonk“-Kontrollen die im gesamten Beneluxbereich gleichzeitig von Zoll und Polizei durchgeführt werden. Bei der letzten Kontrolle dieser Art im Jahr 2015 wurden zwei Personen festgenommen und Marihuana im Kilobereich sichergestellt.

Aufwändige Ermittlungen

Die Ermittlungsarbeit im Drogenbereich fordere einen größeren Arbeitsaufwand. „Hier geht es nicht darum, die kleinen Drogendealer zu fassen, sondern die Hintermänner“, unterstrich Sophie Hoffmann.

Ein großer Coup gelang der Polizei am 27. Oktober 2015. Mehr als 20 Personen wurden festgenommen und zwei Kilo Kokain, 1,5 Kilo Marihuana sowie 150 000 Euro beschlagnahmt. Die Bande war maßgeblich am Drogenhandel im hauptstädtischen Bahnhofsviertel beteiligt.

Auch wenn die Drogenszene in Ettelbrück, der Hauptstadt und Esch/Alzette ganz unterschiedlich sei, verfolge die Polizei eine Gesamtstrategie, die eben regional angepasst werde. „Alle unsere Aktionen stören die Dealer“, so Hoffmann. „Sie führen jedes Mal zu einer Reaktion der Gegenseite.“

2015 gab es 217 Verhaftungen. In 1588 Fällen wurden rund 20 Kilo Marihuana, zehn Kilo Kokain, acht Kilo Heroin, 543 Ecstasy-Pillen und 272 Gramm Amphetamine beschlagnahmt.

Donat Donven, beigeordneter Generaldirektor der Polizei: Wachstum führt zu mehr Anonymität und Rücksichtslosigkeit.
Donat Donven, beigeordneter Generaldirektor der Polizei: Wachstum führt zu mehr Anonymität und Rücksichtslosigkeit.
Foto: Guy Jallay


Die Polizeistatistiken 2015 im Überblick:
Kriminalitätsrate sinkt um 6,35 Prozent

2734 Straftaten weniger als noch 2014 wurden im vergangenen Jahr quer durch das Großherzogtum verzeichnet. Dies wirkt sich denn auch deutlich auf die Kriminalitätsrate aus. Diese nahm seit 2011 ununterbrochen zu und ging im Jahr 2015 erstmals wieder zurück: Pro 100000 Einwohner gab es 6,35 Prozent weniger Vergehen.

Insgesamt wurden 40353 Straftaten registriert. Dazu zählen auch 3608 Einbrüche und Einbruchsversuche. Deren gab es 2014 noch immerhin 4368. Zur Erinnerung: Im vierten Trimester 2014 war Luxemburg von einer regelrechten Einbruchswelle überrollt worden. Binnen drei Monaten wurden 1 328 Einbrüche verzeichnet. Die Polizei war gezwungen, ihre Ressourcen zu bündeln, um gezielt gegen die organisierten Täterbanden vorzugehen.  

Die Rechnung ging auf. Im ersten Trimester 2015 gab es noch 936 Einbrüche. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es insgesamt 621. Das ist ein Minus von 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch bei den Diebstählen mit Gewaltanwendung kann die Polizei Erfolge vorweisen. 2014 gab es 845 vollendete Taten. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 709 derartiger Verbrechen. Das ergibt einen Rückgang von 12,7 Prozent.

2989 Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung

2015 wurden aber auch zwei Menschen vorsätzlich ermordet. Dreimal kam es zu einem Totschlag. 65 Mal gab es gewaltsame Angriffe, die von der Polizei als Tötungsversuch gewertet wurden. 2989 Mal wurde Protokoll wegen Körperverletzung erstellt.

802 Mal musste die Polizei wegen häuslicher Gewalt einschreiten und 242 Mal kam es dabei zu einer Verweisung. In genau 100 Fällen ermittelt die Polizei wegen Vergewaltigungsvorwürfen. 68 Verfahren wurden wegen sexueller Belästigung eröffnet.

202 Verfahren wurden wegen Angriffen auf Polizeibeamte eingeleitet. 79 Mal wurde Anzeige wegen Beamtenbeleidigung erstellt. Das ist eine Abnahme von 13 bzw. 27 Prozent.

Aufklärungsrate bei 45 Prozent

2015 wurden aber auch zwei Postämter, drei Tankstellen und neun andere Geschäfte überfallen sowie 203 Autos gestohlen. Die Aufklärungsrate, die aus den Polizeistatistiken hervorgeht, lag im vergangenen Jahr indes bei 45 Prozent.

Die Einschätzung des zwischenmenschlichen Umgangs beruhe auf einem subjektiven Gefühl, bemerkte der beigeordnete Generaldirektor der Polizei, gestern. „Die Gesellschaft wächst und sie wird immer schnelllebiger“, so Donat Donven. „Wir haben das Gefühl, dass der Respekt zwischen den Menschen abnimmt“. Früher sei das Zusammenleben etwas dörflicher gewesen.

„Mittlerweile nimmt mit dem Wachstum auch die Anonymität zu“, meint Donven. „Das führt dazu, dass man sich weniger dazugehörig fühlt, weniger auf die Allgemeinheit achtet und desto mehr nach sich selbst sieht.“

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