Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Die Sache mit den Restsitzen
Lokales 20.10.2013

Die Sache mit den Restsitzen

Die Sache mit den Restsitzen

Lokales 20.10.2013

Die Sache mit den Restsitzen

Warum am Ende des Wahlsonntags die Mathematik eine entscheidende Rolle spielen könnte. Einblick in das luxemburgische Wahlsystem.

(LW) - Ab 14 Uhr stellt sich die Frage, wie sich nach und nach, bis in den sehr späten Abend hinein, die Stimmen in Sitze für die einzelnen Parteien verwandeln.

Für diesen komplexen mathematischen Prozess wird in Luxemburg das Verhältniswahlrecht angewandt. Anders ausgedrückt: Die Sitzaufteilung in den vier Wahlbezirken (sieben im Osten, neun im Norden, 21 im Zentrum und 23 im Süden) erfolgt im Verhältnis zur Stimmenanzahl, die die (2013 neun) Parteien verbuchen konnten.

In Luxemburg ist zudem die Wahlzahl oder „nombre électoral“ die (wahl)-entscheidende Größe bei der Sitzvergabe. Eine Sitzvergabe, die auf dem Divisor-Verfahren mit Abrundung nach Hagenbach-Bischoff gründet, benannt nach dem Schweizer Physiker Eduard Hagenbach-Bischoff, der sich für sein Modell an der D'Hondt-Methode des gleichnamigen belgischen Juristen Victor D'Hondt inspirierte.

Die Wahlzahl oder „nombre électoral“ für die vier Bezirke kommt zustande, indem die Gesamtzahl der pro Bezirk abgegebenen gültigen Stimmen durch die Zahl der zu vergebenden Sitze + 1 geteilt wird.

Anschließend wird die Wahlzahl durch die Stimmenanzahl dividiert, die jede Partei pro Bezirk auf sich vereinigen kann. Das Ergebnis wird abgerundet, die Stellen hinter dem Komma bleiben unberücksichtigt.

Sind nach diesem zweistufigen Divisorprozess nicht alle Sitze vergeben, kommt die Restsitz(e)-Regelung ins Spiel.

  1. Für jede Partei wird ihre jeweilige Stimmenzahl nun durch die Zahl der bis dato zugesprochenen Sitze + 1 geteilt.
  2. Der Restsitz fällt sodann jener Partei mit dem höchsten Quotienten zu; bei Gleichstand hat die Partei mit den meisten Stimmen Anrecht auf den Restsitz.
  3. Bleiben mehrere Restsitze zu verteilen, wird diese Zuteilungsrunde so oft durchgeführt, bis sämtliche Sitze zugeteilt sind.

Erst dann ist gewusst, welche 60 Politiker fortan die roten Sessel am Krautmarkt besetzen dürfen. (mas)

Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.