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„Die Polizei hat keine Ahnung“
Lokales 3 Min. 26.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Drogenzulieferer gibt vor Gericht Lehrstunde

„Die Polizei hat keine Ahnung“

Frank V. soll laut Anklage mehrere Cannabisplantagen betrieben haben.
Drogenzulieferer gibt vor Gericht Lehrstunde

„Die Polizei hat keine Ahnung“

Frank V. soll laut Anklage mehrere Cannabisplantagen betrieben haben.
Foto: Michel Thiel/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 26.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Drogenzulieferer gibt vor Gericht Lehrstunde

„Die Polizei hat keine Ahnung“

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Im Prozess um einen umfangreichen Drogenhandel im Umfeld der „Hells Angels“ kam am Donnerstag der mutmaßliche Cannabiserzeuger Frank V. zu Wort. Und der ließ seinem Groll auf die Polizei freien Lauf.

(str) - Man habe ihn öfters auf der Anklagebank lachen hören, meinte der vorsitzende Richter am Donnerstag zu jenem Mann, der als Marihuanazulieferer der Drogenbande um Boban B. gilt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 50-jährigen Niederländer vor, 4 000 Cannabispflanzen in Court-Saint-Etienne (B), 51 Mutterpflanzen und 623 Hänflinge in Trooz (B) und 3 000 weitere Pflanzen in Estaimbourg (B) gezüchtet zu haben. Zudem soll Frank V. auch mindestens 160 Kilogramm Marihuana an den Luxemburger „Hells Angels“-Anwärter Boban B. und dessen Geschäftspartner Kevin K. verkauft haben.

„Nix mit Drogen mehr zu tun“

„Was ich hier im Saal gehört habe, fand ich einfach unglaublich“, bekräftigte ein deutlich entnervter Frank V. „Daher meine Reaktion!“ Es gäbe nur Annahmen und Behauptungen im Dossier, aber nichts Konkretes. Auf die Anklage angesprochen, meinte er. „Ich habe weder Boban B. noch Kevin K. Drogen gegeben und ich habe auch kein Geld bekommen. Ich mache nix mit Drogen mehr.“

Früher sei das anders gewesen. Von 1995 bis 2003 habe er mit Drogen gehandelt. Dann sei er verurteilt worden und das sei es dann gewesen. „Ich habe Boban B. in Brüssel kennengelernt, erzählt Frank V. „Der wollte von mir wissen, wie das so geht mit dem Drogenhandel und was es kostet. Ich habe ihm dabei klar gesagt, das sei nicht mehr mein Ding – seit 2003 nicht mehr.“ Davon wie das damals so war, habe er erzählen können, von Preisen allerdings nicht.

Belastende Aussagen

Das hatten Boban B. und Kevin K. allerdings anders zu Protokoll gegeben. Wie dem Prozessverlauf zu entnehmen ist, hatten sie Frank V. den Ermittlern als ihren Zulieferer genannt, davon erzählt wie die Deals vonstatten gingen und, dass Frank V. auch einmal ein Kilogramm Marihuana direkt nach Luxemburg geliefert habe.

Boban B. habe sogar in dessen Plantagen investiert und einmal versucht, die Anbauanlagen des Zulieferers ausfindig zu machen, indem er ihm einen GPS-Sender an dessen Auto angebracht habe. In der Nähe einer Plantage, die zu diesem Zeitpunkt bereits von der belgischen Polizei observiert wurde, seien die beiden Luxemburger zudem von den Sicherheitskräften kontrolliert worden.

"Ermittlungen sind Unsinn"

„Das ist nachweislich Unsinn“, ärgerte sich Frank V. am Donnerstag vor dem Richter. Überhaupt sei auch das Ermittlungsdossier Unsinn. Dinge, die nicht passen, würden einfach rausgenommen, in anderen Punkten würde Belastendes als glaubwürdig und Entlastendes einfach als unglaubwürdig dargestellt. Er habe zu dem Zeitpunkt, um den es im Prozess geht, keine Plantagen betrieben.

„Wenn ich 2013 eine Plantage gehabt hätte, dann hätte ich zu dem Zeitpunkt wohl kaum mein Leben riskiert, um mit einer Kalaschnikow eine Bank auszurauben“, betonte Frank V. Eine Tat, wegen der er dem Vernehmen nach derzeit in Almelo (NL) inhaftiert ist.

Zudem seien auch die Schlussfolgerungen der Ermittler grundfalsch. Es sei offensichtlich, dass die ihr Wissen über Cannabisanbau nur aus dem Internet beziehen würden. Im Gerichtssaal schilderte er, dass nicht einfach Pflanzen gekauft und abgeerntet würden.

Ernte nach zehn bis elf Wochen

Bei großen Plantagen falle viel Arbeit an, wobei man jedoch stets darauf achten müsse, dass es nicht zu viele Mitwisser gebe. Man müsse eine passende Anlage finden und diese vorbereiten. Das alleine würde schon mindestens eine Woche in Anspruch nehmen. Und unter optimalen Voraussetzungen sei frühestens nach zehn oder elf Wochen mit einer ersten Ernte zu rechen. Welchen Ertrag 4.000 Pflanzen ergeben würden, könne man nicht pauschal abschätzen.

Als der vorsitzende Richter mehr über eine bestimmte Plantage in Court-Saint-Etienne wissen wollte, machte der ansonsten sehr redselige Beschuldigte plötzlich dicht. „Dazu will ich nichts sagen“, meinte er bestimmt. „Warum?“, fragte ihn daraufhin der Richter. „Weil ich keinen Bock habe“, entgegnete Frank V. „Dann haben wir jetzt auch keinen Bock mehr“, ergänzte der Richter und beendete die Sitzung zehn Minuten vor Schluss.

Die Anhörung von Frank V. wird am Freitagmorgen fortgesetzt.


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