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Die Kugel und das Gift
Lokales 3 Min. 24.09.2018 Aus unserem online-Archiv

Die Kugel und das Gift

Links der Stuhl, in dem das Opfer von Fentingen saß, rechts die Dachgeschosswohnung, in der sich das Drama von Bereldingen abspielte. Während im Fall der verlorenen Kugel der beschuldigte Jäger Rechtsmittel gegen eine Anklageerhebung eingelegt hat, sind die Ermittlungen zum mutmaßlichen Doppelmord noch nicht abgeschlossen. Der tatverdächtige Polizist befindet sich weiter in U-Haft.

Die Kugel und das Gift

Links der Stuhl, in dem das Opfer von Fentingen saß, rechts die Dachgeschosswohnung, in der sich das Drama von Bereldingen abspielte. Während im Fall der verlorenen Kugel der beschuldigte Jäger Rechtsmittel gegen eine Anklageerhebung eingelegt hat, sind die Ermittlungen zum mutmaßlichen Doppelmord noch nicht abgeschlossen. Der tatverdächtige Polizist befindet sich weiter in U-Haft.
Fotos: Guy Wolff/Steve Remesch/LW-Archiv
Lokales 3 Min. 24.09.2018 Aus unserem online-Archiv

Die Kugel und das Gift

Eine verirrte Kugel in Fentingen und ein mutmaßlicher Doppelmord in Bereldingen: Die zwei Fälle schockieren das Land im Herbst 2016. Zwei Jahre später ist zu beidenTaten kaum mehr bekannt als damals. Dennoch mahlen die Mühlen der Justiz – wenn auch langsam.

Sonnig und warm ist es am Nachmittag des 24. September 2016, auf den Tag genau heute vor zwei Jahren, als eine 47-jährige Belgierin bei Freunden hinter dem Mehrfamilienhaus Op der Sterz in Fentingen auf der Terrasse sitzt. Eigentlich will sie den Abend auf dem Alzinger Oktoberfest verbringen. Doch es kommt anders.


"Op der Sterz" in Fentingen: Hier wurde die Frau von einer Kugel getroffen.
Schussverletzung aus dem Nichts
Am Samstag wurde eine Frau in Fentingen auf einem Balkon von einer Kugel am Kopf getroffen und dabei schwer verletzt. Unter Verdacht stehen fünf Jäger, die in einem Maisfeld auf Wildschweine zielten.

Gegen 17.30 Uhr vernimmt einer der Anwesenden ein kurzes Zischen, dann sinkt die Frau im Gartenstuhl zusammen. Sie blutet aus einer klaffenden Wunde im Gesicht. Schnell zeigt sich, sie ist von einem Geschoss getroffen worden. Die Kugel steckt in ihrem Unterkiefer. Ärzte tun ihr Bestes um die schweren Gesichtsverletzungen zu behandeln. Später werden weitere Operationen folgen.

Drei Jäger schießen in der Nähe auf ein Wildschwein

Tatverdächtige sind schnell gefunden. Drei Jäger haben in der Nähe auf ein Wildschwein geschossen. Wie es scheint: Fünf Schüsse aus drei Waffen. Neun Wochen dauert es, bis dem Untersuchungsrichter die Ergebnisse einer ersten ballistischen Analyse vorliegen. Über deren Inhalt wird die Öffentlichkeit nicht informiert. Genauso wenig wie über den mutmaßlichen Tathergang oder die Aussagen der Jäger. Aus deren Umfeld sickert durch, dass nur eines der Gewehre dem Kaliber der Kugel entspricht.

Gut 16 Monate nach dem Vorfall, am 2. Februar 2018, legt der Untersuchungsrichter seinen Abschlussbericht vor. Die Ermittlungen sind abgeschlossen und Verschlusssache – le secret de l'instruction oblige!

Das Kaliber der Kugel entspricht nur einem der drei Jagdgewehre."

Nun, zwei Jahre nach dem fatalen Schuss, gibt die Pressestelle der Justiz auf Nachfrage hin Auskunft zum Stand der Dinge, ohne auf den Gegenstand der Ermittlungen einzugehen: Aufgrund der Sachlage im Untersuchungsdossier hat die Staatsanwaltschaft entschieden, dem Jäger, aus dessen Gewehr die Kugel stammte, den Prozess wegen fahrlässiger Körperverletzung zu machen.

Die Ratskammer des Bezirksgerichts hat dem Antrag am vergangenen 11. Juli stattgegeben und den Fall an ein Strafgericht weitergeleitet. Allerdings hat der Beschuldigte Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt, sodass sich im Herbst eine Ratskammer des Berufungsgerichts mit dem Fall befassen wird.

Mysteriöse Todesfälle an einem Sonntag

Von offizieller Seite war in den vergangenen zwei Jahren quasi gar nichts über den Fall des mutmaßlichen Doppelmordes von Bereldingen zu erfahren, der sich morgen zum zweiten Mal jährt.

Am späten Nachmittag des 25. September 2016 werden Rettungskräfte zu einer Dachgeschosswohnung in der Cité Grand-Duc Jean gerufen. Ein Paar habe das Bewusstsein verloren, heißt es im Notruf. Der Notarzt kann jedoch nur noch den Tod des 31-jährigen Mannes und der 29-jährigen Frau feststellen. Er äußert aber den Verdacht, dass es sich um eine Vergiftung handeln könnte.


Junges Paar stirbt nach Wanderung: Zwei mysteriöse Todesfälle in Bereldingen
Am Sonntag sind in der Wohnung eines Polizisten in Bereldingen zwei junge Menschen auf unerklärliche Art und Weise zu Tode gekommen. Eine Vergiftung kommt in Frage, ist aber nur eine Hypothese.

LW-Informationen zufolge liefert der Bruder der jungen Frau und Bewohner des Appartements gleich eine Erklärung dazu: Das Paar habe über Übelkeit geklagt, nachdem es bei einer Wanderung in Vianden "Nëssdrëpp" zu sich genommen habe. Die Restbestände werden bei den Schnapsbrennern beschlagnahmt, sowie auch leere Flaschen. Es kann allerdings nichts festgestellt werden und – das ist besonders auffällig – niemand anderes hatte nach dem Konsum der Alkoholika über Übelkeit geklagt.

Aufschlussreiche Tischgespräche im mexikanischen Restaurant

Es ist der Bruder der toten jungen Frau, der sich bald selbst in den Fokus der Ermittler rücken wird. Der junge Mann ist selbst auch Polizist. Zwei Tage nach dem tödlichen Vorfall wird er erstmals von den Ermittlern angehört.

Abends danach trifft der 26-Jährige sich mit zwei Arbeitskollegen, demnach Polizisten, in einem mexikanischen Restaurant in der Oberstadt. Ein LW-Mitarbeiter sitzt zufällig am Nachbartisch. Er kennt zwar seine Tischnachbarn nicht, wird aber hellhörig, als er deren Gesprächsthema vernimmt: die Möglichkeiten der Sicherheitskräfte, um illegale Einkäufe im "Darknet", also auf dem Internet-Schwarzmarkt, nach zu verfolgen.

Die Autopsie bestätigt, dass die beiden Opfer vergiftet wurden.

Die Geschehnisse vom Todestag des Paars sind ebenso Thema wie eine „Ampulle mit einer Flüssigkeit“, die er gefunden und entsorgt haben will, sowie Sorgen, wegen der Todesfälle „Probleme zu bekommen“. Als der 26-Jährige im Gespräch zögert, diese Informationen an die Ermittler weiterzugeben, greift einer der Kollegen zum Telefon und kontaktiert die Kriminalpolizei.

Am Tag danach wird der nun Verdächtige verhört und einen weiteren Tag später entwaffnet und inhaftiert. Die Autopsie bekräftigt den Verdacht, dass das junge Paar Opfer eines Tötungsdelikts wurde: Beide junge Menschen sind durch Gift zu Tode gekommen.

Seitdem sickern zum Stand der Dinge in diesem Fall kaum noch Informationen durch. Von offizieller Seite ist lediglich in Erfahrung zu bringen, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind.


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Noch immer ist nicht bekannt, was am 24. September 2016 in Fentingen geschah. Ein Umstand, der dem Rechtsstaat nicht gut zu Gesicht steht.
Gericht - Prozesser - Photo : Pierre Matgé
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Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Zwei Monate mach dem Vorfall in Fentingen liegen die Resultate der ballistischen Analyse nun endlich vor. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen kann die Staatsanwaltschaft aber noch keine Resultate mitteilen
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