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Die Hadir aus Differdingen: Was bleibt, ist die Erinnerung
Lokales 2 Min. 02.01.2015

Die Hadir aus Differdingen: Was bleibt, ist die Erinnerung

Der Abriss des Hadir Turm hat begonnen

Die Hadir aus Differdingen: Was bleibt, ist die Erinnerung

Der Abriss des Hadir Turm hat begonnen
Foto: Luc Ewen
Lokales 2 Min. 02.01.2015

Die Hadir aus Differdingen: Was bleibt, ist die Erinnerung

Der Hadir-Turm verschwindet zusehends vor den Augen der Passanten in der Cité du Fer. Interessante Fakten über die legendäre Differdinger Stahlfirma.

(L.E.) - Der Hadir-Turm verschwindet zusehends vor den Augen der Passanten in der Cité du Fer. In den Medien war der Turm zuvor wochenlang Gesprächsthema aufgrund der Frage, ob die zuständige Ministerin ihn denn nun hätte als erhaltenswert klassieren sollen oder nicht. Sie tat es nicht. Doch, so fragen sich einige Ortsunkundige, was ist, oder war, eigentlich diese „Hadir“, von der hier unentwegt die Rede ist?

Fünf Dinge die Sie zur Hadir wissen sollten

• Die Grey-Träger.

Seit 1901 werden in Differdingen Träger nach dem Grey-Verfahren hergestellt. Sie werden weltweit verwendet, auch in Luxemburg. Besonders dürfte vielen das Robert-Schuman-Monument neben dem Großen Theater der Stadt Luxemburg, am Ende des als „Roten Brücke“ bekannten Pont Grande-Duchesse Charlotte ein Begriff sein. Es besteht unter anderem aus Grey-Trägern, die gen Himmel ragen.

m Jahr 1911 wird der erste ein Meter hohe Grey-Stahlträger in Differdingen gewalzt.
m Jahr 1911 wird der erste ein Meter hohe Grey-Stahlträger in Differdingen gewalzt.
Foto: Archiv Arbed

• Weltgeschichte aus Differdingen.

Das Werk in der Cité du Fer gehört heute zum ArcelorMittal-Konzern. In den ehemaligen Hadir-Hallen wird auch heute noch Geschichte geschrieben. So wurde hier 2006 der erste Eisenträger für das Fundament des neuen Freedom Tower in New York hergestellt. Dieser wird bekanntlich am Ground Zero errichtet, wo einst das „World Trade Center“ stand. Am 24. Juli 2006 wurde der Eisenträger in Differdingen laminiert. In der Publikation „Differdange, 100 ans d'histoire(s)“ von Norbert Kaell, sind zudem nicht weniger als 30 namhafte Gebäude aus New York aufgezählt, bei denen „Poutrelles de Differdange“ verarbeitet wurden.

• Beitrag zum Kriegsende.

"Sprühende Funkenregen kennzeichnet den Arbeitsgang unserer Hüttenwerke." hieß es am 5. August 1961 in einem Wort-Artikel über die Hadir-Werke in Differdingen.
"Sprühende Funkenregen kennzeichnet den Arbeitsgang unserer Hüttenwerke." hieß es am 5. August 1961 in einem Wort-Artikel über die Hadir-Werke in Differdingen.
Foto: Nicolas Kugeler

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war die Produktion in den Hadir-Werken unter anderem wegen Rohstoffmangels gesunken. Allerdings wurde die Produktion nach der Befreiung Luxemburgs 1944 sehr schnell wieder hochgefahren. Schon knapp zwei Wochen nach der Befreiung verließen Träger das Hadir-Werk Richtung Rhein, wo die alliierten Armeen sie nutzten, um Brücken über den Fluss zu errichten und so den Vorstoß Richtung Mitte Deutschland voranzutreiben. Die Hadir wurde wegen ihres Einsatzes zu Kriegsende mit der „United States Arma A-Award Flag“ ausgezeichnet.

• Sinn und Zweck des Hadir-Turms.

Als Verwaltungs- und Direktionsgebäude diente der Hadir jahrelang die Villa Hadir, in der heute Büros und Redaktionen der Editpress-Gruppe untergebracht sind. 1964 wurde damit begonnen, den Turm als neue Hadir-Zentrale zu errichten. Die Architekten Dangleterre, Lafon und Heinz hatten den Auftrag, den Grey-Trägern beim Bau eine sichtbare Rolle zu verleihen. Die prestigeträchtige Rolle als Firmenzentrale und Aushängeschild währte nur sehr kurz. 1967 übernahm die Arbed die Hadir, und die Teile, die von der Konzernverwaltung übrig blieben, zogen in die Hauptstadt. Seither wurde der Turm mehrfach vermietet. Zuletzt stand er leer und verkam.

Für viele ältere Differdinger bis heute ein Unding: Das Arbed-Logo vor dem Hadir-Turm.
Für viele ältere Differdinger bis heute ein Unding: Das Arbed-Logo vor dem Hadir-Turm.
Foto: Claude Piscitelli

• Der immer wiederkehrende Trennungsschmerz.

Das alte Hadir-Portal in Differdingen.
Das alte Hadir-Portal in Differdingen.
Foto: Jean Matzet

Dass Differdingen sich von Hadir-Gebäuden trennen muss, ist indes keine Neuerung. Bereits am 2. Januar 1973 berichtete das „Luxemburger Wort“ vom bevorstehenden Abriss des Hadir-Portals (siehe Foto unten rechts): „Mit diesem Gebäude und dem früheren Namen der Gesellschaft, der durch Unternehmer Christophe Cordier angebracht wurde, wird auch das letzte äußere Zeichen der ,guten alten Hadir‘ in Differdingen verschwunden sein. Das im Bau befindliche neue Portal wird natürlich den jetzigen Namen ,Arbed‘ anzeigen“, so die damalige Berichterstattung.

Schichtwechsel bei der Hadir im Jahr 1960
Schichtwechsel bei der Hadir im Jahr 1960
Foto: René Neuens

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