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Die CSV in der Opposition: Ein historischer Rückblick
Der damalige Chefredakteur des "Luxemburger Wort" André Heiderscheid (2. v. r.) riet der CSV 1974 den Gang in die Opposition. Der Liberale Gaston Thorn (3. v. r.) wurde Premierminister.

Die CSV in der Opposition: Ein historischer Rückblick

Foto: LW-Archiv/Jean Weyrich
Der damalige Chefredakteur des "Luxemburger Wort" André Heiderscheid (2. v. r.) riet der CSV 1974 den Gang in die Opposition. Der Liberale Gaston Thorn (3. v. r.) wurde Premierminister.
Lokales 3 Min. 26.10.2013

Die CSV in der Opposition: Ein historischer Rückblick

Zum ersten Mal seit den 1970er Jahren und erst zum zweiten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die CSV in der kommenden Legislaturperiode wohl von der Regierungsbank verbannt werden. Im historischen Vergleich von 1974 und 2013 fallen gewisse Parallelen auf.

(CBu) - Zum ersten Mal seit den 1970er Jahren und erst zum zweiten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die CSV in der kommenden Legislaturperiode wohl von der Regierungsbank verbannt werden. Neben Ministern mit jahre- oder gar jahrzehntelanger Regierungserfahrung sind erfahrene Oppositionspolitiker in der Partei demnach rar gesät. Einer der wenigen, die über eigene Erfahrungswerte aus der Oppositionszeit von 1974 bis 1979 verfügen, ist Ehrenstaatsminister Jacques Santer.

Im historischen Vergleich fallen gewisse Parallelen zur heutigen Zeit auf. Aus den Nationalwahlen vom 26. Mai 1974 ging die CSV mit 18 Sitzen als stärkste Partei hervor, verlor aber im Vergleich zu 1968 über sieben Prozent der Stimmen und büßte damit drei Mandate in der Chamber ein. Die LSAP hatte 17 Sitze. Die DP gewann 5,3 Prozent und drei Sitze hinzu. Mit 14 Sitzen und einem herausragenden persönlichen Resultat ihres Spitzenmanns Gaston Thorn, ging damals, ähnlich wie heute, bei der Regierungsbildung fast kein Weg an den Liberalen vorbei.

Die Macht der "Genesung"

Die CSV-Führung hatte damals früh und unter meinungsbildender Mitwirkung des damaligen Chefredakteurs des „Luxemburger Wort“ entschieden, dem Wahlgewinner die Initiative bei den Koalitionsgesprächen zu überlassen. André Heiderscheid schrieb damals vom Tag nach der Wahl an über die notwendige „Genesung der CSV“ in der Opposition. Pierre Werner und die Parteiführung sollten sich letztlich dafür entscheiden, „sich dem Wählerwillen zu unterwerfen“, so Heiderscheid, „und nach mehr als einem halben Jahrhundert Regierungsverantwortung in die Opposition hinüberzuwechseln“.

Zwei Tage nach der Wahl vom 26. Mai 1974 titelte das „Wort“: „Fühlbare Wahlniederlage der CSV“. Der Liberale Gaston Thorn nahm infolge des selbstgewählten Rückzugs der CSV unverzüglich Koalitionsverhandlungen mit der LSAP auf und bildete innerhalb von weniger als einem Monat eine Regierung. Was die CSV betrifft, so gab es damals freilich auch Stimmen, die sich nicht mit der ungewohnten Oppositionsrolle zufrieden geben wollten. Die Parteiführung setzte sich aber schließlich durch.

Eine Tatsache, die allerdings zur historischen Wahrheit gehört und dem Ruf nach einer „Regeneration“ in der Opposition entspricht, ist das Abschneiden der Parteien bei den Wahlen von 1979. Nach einer fünfjährigen Genesungszeit schaffte es die CSV nämlich nach einem überragenden Wahlsieg (plus sechs Sitze), mit dem demokratisch eindeutig neu legitimierten Pierre Werner wieder den Regierungschef zu stellen. Was darauf folgte, ist ebenso bekannt, nämlich aufs Neue eine lange christlich-soziale Erfolgsgeschichte.

"Opposition ist Mist"

„Opposition ist Mist“, dieser Ausspruch stammt vom ehemaligen deutschen Vize-Bundeskanzler und SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Wenn er denn zutrifft, dann haben die vergangenen beiden Politikergenerationen der CSV selbst noch nie mit „Mist“ zu tun gehabt. Die Abgeordneten der vergangenen und kommenden Legislaturperioden kennen die CSV auf nationaler Ebene aus eigener parlamentarischer Erfahrung nur als Regierungspartei. Und auch die Oppositionserfahrung auf kommunaler Ebene beschränkt sich in den CSV-Reihen auf eine Handvoll Politiker.

Hinzu kommt das Phänomen von Spitzenpolitikern, die das Kammerplenum in ihrer aktiven Zeit nur aus der Perspektive der Regierungsbank kennen; nicht zuletzt Premierminister Jean-Claude Juncker, der 1983 bereits im Alter von 28 Jahren Regierungsmitglied wurde und nie sein Mandat als gewählter Abgeordneter wahrnahm.

Nach der "Oppositionskur"

Zum Schluss nochmals ein Rückblick, diesmal in das Jahr 1979. Die Regierung aus DP und LSAP wurde abgewählt. Zwei Tage nach den Wahlen vom 10. Juni schrieb André Heiderscheid: „Daß das CSV-Ergebnis wesentlich mit der Oppositionskur dieser Partei zusammenhängt, daran dürfte es eigentlich keinen Zweifel geben. Womit nun ein für allemal bewiesen sein sollte, wie nötig und heilsam es war, 1974 die oft miß- oder gar nicht verstandene Entscheidung zu treffen.“

Der LW-Chefredakteur zog allerdings auch einige Schlussfolgerungen aus dem „schmeichelhaften“ Wahlsieg der CSV: An diesem Wahlergebnis „wird offenkundig, was eine starke, dynamische, innerlich verjüngte Partei mit stolzer Vergangenheit und leistungshungriger Bejahung der Zukunft auch heute noch bis in die Hochburgen anderer politischen Richtungen hinein fertigbringt.“

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