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„Der Überfall zerstörte die Familie“
Lokales 3 Min. 28.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Raubüberfall mit Freiheitsberaubung

„Der Überfall zerstörte die Familie“

Höchste Sicherheitsvorkehrungen am Dienstag beim Gefangenentransport zur "Cité judiciaire".
Raubüberfall mit Freiheitsberaubung

„Der Überfall zerstörte die Familie“

Höchste Sicherheitsvorkehrungen am Dienstag beim Gefangenentransport zur "Cité judiciaire".
Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 28.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Raubüberfall mit Freiheitsberaubung

„Der Überfall zerstörte die Familie“

Der bereits wegen mehrerer schwerer Straftaten verurteilte Verbrecher Gilles Lousada steht seit Dienstag zusammen mit einem Komplizen erneut vor Gericht. Beide werden beschuldigt, im Dezember 1999 einen Bankangestellten und dessen Familie überfallen und bedroht zu haben, um an den Inhalt des Tresors einer Bankfiliale in Rodange zu gelangen.

(mth) - Nach Aussage des leitenden Ermittlers, der am Dienstag als erster Zeuge aussagte, lauerten drei maskierte Täter am frühen Abend des 9. Dezember 1999 dem Bankangestellten bei dessen Privathaus auf, bevor sie ihn zusammen mit dessen Ehefrau und seinen beiden Kindern eine Nacht lang festhielten. Der selbe Angestellte war bereits am 25. Februar 1999 in seiner Bankfiliale überfallen worden – offenbar von den selben Tätern, wie diese ihm selbst mitteilten.

Kindern mit Ermordung 
ihres Vaters gedroht

Die drei schwarz gekleideten Männer seien mit einer Handfeuerwaffe, einer Schrotflinte und einer Maschinenpistole bewaffnet gewesen und hätten den Bankbeamten und dessen Familie massiv bedroht, so der Ermittler, der gestern unterstrich, wie traumatisch das Erlebnis für die Opfer gewesen sei: „Sie sind nie darüber hinweggekommen. Es sind heute gebrochene Leute, man kann sagen, der Überfall hat die Familie regelrecht zerstört.“

Die Täter hätten nicht einmal davor zurückgeschreckt, die Kinder des Bankangestellten direkt zu bedrohen: „Sie sagten, falls das hier nicht reibungslos läuft, dann habt ihr keinen Vater mehr.“ Da der Banktresor mit einem Zeitschloss gesichert war, seien sie erst am frühen Morgen mit ihrem Opfer zur Bank gefahren, während dessen Gattin zusammen mit den Kindern im Haus gefesselt zurückgeblieben seien. Nachdem sie den Angestellten gezwungen hatten, umgerechnet rund 175.000 
Euro aus dem Tresor in eine Tasche zu packen, gaben sie ihm den Befehl, zu Fuß mit dem Geld in Richtung der nahen französischen Grenze zu marschieren. Unterwegs wurde er von den Tätern mit einem Wagen abgeholt, woraufhin sie ihn in der Nähe des „Roudenhaff“ bei Lasauvage an einem Baum gefesselt zurückließen und mit der Beute flüchteten.

DNS-Spuren am Tatort erst 2014 zugeordnet

Die Tatsache, dass Gilles Lousada sowie dessen Komplize Habès B. erst jetzt wegen der ihnen zur Last gelegten Straftaten vor Gericht stehen, ist darauf zurückzuführen, dass DNS-Spuren, die in der Küche der überfallenen Familie an Trinkgefäßen und einer Wasserflasche sichergestellt wurden, erst 2014 den beiden Angeklagten zugeordnet werden konnten. Lousada geriet dabei durch eine zunächst nicht von den Ermittlern verfolgte DNS-Spur in Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Während Habès B. ein Geständnis abgelegt hat, sich aber „aus Angst vor Repressalien gegen seine Familienangehörigen“ zur Identität seiner Komplizen ausschweigt, bestreitet Lousada die Anschuldigungen. Me Roby Schons, der Strafverteidiger Lousadas, stellte daher bereits am ersten Sitzungstag die Aussagekraft der DNS-Spuren in Frage, ohne allerdings wirklich stichhaltige Argumente liefern zu können, wie die vorsitzende Richterin Sylvie Conter bemerkte. Bei der Anhörung der Experten für forensische Genanalyse, die heute Nachmittag stattfindet, dürfte Schons jedoch erneut die Gelegenheit haben, seine Verteidigungstaktik zu vertiefen.

Neben Habès B. und Gilles Lousada, der derzeit eine 27-jährige Haftstrafe wegen diverser schwerer Straftaten in Schrassig absitzt, darunter einem Mordversuch und zwei Raubüberfällen, wurde der dritte mutmaßliche Täter des Überfalls bereits im November 2012 zur Rechenschaft gezogen. Der Franzose David Sciutti, der 2003 aus seiner Untersuchungshaft in Luxemburg flüchtete, verbüßt derzeit wegen anderer Straftaten eine 20-jährige Haftstrafe in Frankreich. Seine DNS wurde sowohl in der Bankfiliale in Rodange als auch im Haus der überfallenen Familie des Angestellten sichergestellt.


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