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Der schwarze 6. November 2002
Später wird genau rekonstruiert, was in den Minuten vor dem Aufprall geschieht.

Der schwarze 6. November 2002

Grafik: Transportministerium
Später wird genau rekonstruiert, was in den Minuten vor dem Aufprall geschieht.
Lokales 3 Min. 15.03.2012

Der schwarze 6. November 2002

Gegen 8.45 Uhr startet die Luxair-Fokker in Berlin. 80 Minuten später verschwand sie vom Radar. Was genau am 6. November 2002 geschah, hielt Télécran eine Woche nach dem Unfall in einer Chronologie fest

Gegen 8.45 Uhr startete die Luxair-Fokker in Berlin. 80 Minuten später verschwand sie vom Radar. Was genau am 6. November 2002 geschah, hielt Télécran eine Woche später in seiner Ausgabe vom 13. November 2002 in einer Chronologie fest.

+++ 8.43 Uhr

Die Fokker 50 der Luxair startet planmäßig in Berlin-Tempelhof zum Linienflug LG9642/LH2420 nach Luxemburg. An Bord: 19 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder.

+++ 10.05 Uhr

Die Luxair-Maschine aus Berlin setzt zum Landeflug an. Nach einem letzten Kontakt mit dem Tower verschwindet die Fokker ohne Mayday-Ruf vom Radar. Wenige Minuten später entdecken Augenzeugen die zerstörte Maschine in einem Feld zwischen Niederanven und Roodt-Syr und benachrichtigen die Rettungsdienste.

+++ 10.07 Uhr

Beim Zivilschutz geht die Meldung über ein abgestürztes Flugzeug ein. Sofort werden der "Plan nombreuses victimes" und der "Plan particulier d'intervention en cas d'accident d'aviation" eingeleitet. Der Flugbetrieb auf Findel wird eingestellt, die wartenden Passagiere werden spärlich über den Absturz informiert. Niemand weiß Genaues.

Weniger als zehn Minuten nach dem Aufprall der Fokker auf dem Boden beginnen die Lösch- und Bergungsarbeiten.
Weniger als zehn Minuten nach dem Aufprall der Fokker auf dem Boden beginnen die Lösch- und Bergungsarbeiten.
Foto: Guy Jallay

+++ 10.20 Uhr

Erste Rettungsmannschaften treffen am Unglücksort ein. Innerhalb weniger Minuten finden sich neben dem mittlerweile qualmenden Flugzeug 150 Rettungs- und 300 Ordnungskräfte ein. Schwierige Bergungsarbeiten beginnen - schnell steht fest: Viele Menschen haben den Absturz nicht überlebt.

+++ 10.30 Uhr

Abtransport des ersten Schwerverletzten in Richtung "Centre Hospitalier Luxembourg" (CHL).

Nur ein Passagier überlebt den Unfall - er wird in die Clinique Sacré Coeur gebracht.
Nur ein Passagier überlebt den Unfall - er wird in die Clinique Sacré Coeur gebracht.
Foto: Fern Morbach

+++ 11 Uhr

Im Flughafen-Terminal werden die wartenden Familienangehörigen und Arbeitskollegen der Passagiere des Berlin-Fluges vom "Service Psychologique" in einen abgetrennten Raum gebracht.

+++ 11.45 Uhr

Der eingeklemmte Pilot Claude Poeckes kann mit schweren Bein- und Rückenverletzungen aus dem Cockpit befreit werden. Sein Zustand: lebensgefährlich verletzt.

+++ 12 Uhr

Transportminister Henri Grethen informiert die Presse ein erstes Mal in der "Hostellerie de Niederanven", nahe dem Ort des Geschehens, über Flugzeug-Typ, Zahl der Insassen und Unfallvorgang. "Das Flugzeug befand sich im Landeanflug. Die Piloten erkundigten sich nach der Wetterlage, dann brach der Kontakt zum Tower ab." Wenige Minuten später wird der Flugbetrieb auf Findel wieder aufgenommen. Die erste Maschine, die landet, kommt aus Rom.

+++ 12.15 Uhr

Großherzogin Maria Teresa, Premierminister Jean-Claude Juncker, Luxair-Direktor Christian Heinzmann sowie der deutsche Botschafter Roland Lohkamp treffen an der Unglücksstelle an. Die Stimmung ist bedrückt, die Rettungsmannschaften sind geschockt. Von all dem bekommen die Wartenden im Flughafen-Terminal nichts mit.

+++ 12.45 Uhr

Mit fast einer Stunde Verspätung beginnt im Luxair-Direktionsgebäude eine Pressekonferenz. Christian Heinzmann bestätigt: "Im Tower ging kein Mayday-Ruf ein", und weiter: "Es ist ein schwarzer Tag in der Geschichte unserer Fluggesellschaft" ... "Für die abgestürzte Fokker 50 war es der erste Flugtag nach einem 220-Stunden-Check." Der Absturz - auch für die Luxair-Verantwortlichen bis dahin ein Rätsel.

+++ 13 Uhr

Die Staatsanwaltschaft gibt grünes Licht für die Bergung der Leichen, die unter den Trümmern begraben sind.

+++ 13.20 bis 14.20 Uhr:

Rund 800 Kilo Kerosin werden aus den Flugzeugtanks ausgepumpt. Fünf Leichen werden geborgen. Im Flughafen-Terminal wird der Flug nach London-City aus "operationellen Gründen" annulliert. Die Nachricht beunruhigt mehr als gewöhnlich, doch die Wartenden bleiben ruhig. "Die Statistik sagt, dass jetzt erst mal kein Flugzeug mehr abstürzt", meint ein spanisches Paar, auf dem Weg zum Flieger nach Frankfurt.

Die Rettungsmannschafen leisten Schwerstarbeit. Am Nachmittag werden die Leichen der toten Passagiere geborgen.
Die Rettungsmannschafen leisten Schwerstarbeit. Am Nachmittag werden die Leichen der toten Passagiere geborgen.
Foto: AP

+++ 14.50 Uhr

Die verstorbenen Passagiere werden in der alten Kirche in Roodt-Syr aufgebahrt. Eine Totenwache wird abgehalten.

+++ 16 Uhr

Transportminister Grethen, Innenminister Michel Wolter, Luxair-Direktor Christian Heinzmann, Léon Anen vom Zivilschutz und Pierre Reuland von der Polizei teilen der Presse mit, was bisher bekannt ist. Michel Wolter: "20 Menschen wurden geborgen, zwei der Passagiere liegen noch unter den Trümmern."

17 Uhr:

Der deutsche Verkehrsminister Manfred Stolpe trifft in Luxemburg ein und wird von Premier Juncker empfangen, der ihn zum Unfallort begleitet. Stolpe dankt den luxemburgischen Rettungskräften für ihre lobenswerte Arbeit.

+++ 18 Uhr

In der Kirche in Roodt-Syr findet im Beisein von Großherzogin Maria Teresa ein Abendgebet statt. Die anwesenden Regierungsmitglieder verneigen sich vor den Verstorbenen.

+++ Ab 20 Uhr

Die letzten beiden Passagiere sind tot aus den Trümmern der Maschine geborgen worden. Drei der fünf geretteten Flugzeuginsassen sind ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Lediglich der 27-jährige Pilot und ein französischer Staatsbürger überleben. Die ersten Angehörigen der Passagiere der Todesmaschine reisen aus Berlin an. Die tragische Bilanz: 20 Tote, zwei Überlebende.

Zusammenstellung: Fabienne Pirsch